Intelligente Brillen können filmen und fotografieren. Nun wächst die Sorge um die Privatsphäre. Gerade rund um die Badi.

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Sie sehen auf den ersten Blick aus wie gewöhnliche Sonnenbrillen, haben aber etliche technische Extras eingebaut. Sogenannte Smart Glasses können Fotos machen, Videos aufnehmen und teilweise sogar Gespräche aufzeichnen. Je nach Modell lassen sich die Daten direkt auf ein Smartphone oder in eine Cloud übertragen.

Person hält zwei Sonnenbrillen in den Händen.

Legende:

Die Unterschiede zwischen herkömmlichen Sonnenbrillen und Smart Glasses sind minim.

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Genau diese Möglichkeiten sorgen nun in mehreren Schweizer Städten für politische Diskussionen, so zum Beispiel in Wil SG: Im Stadtparlament ist ein Vorstoss hängig, der Smart Glasses in den Badis der Stadt verbieten will. Parlamentarierinnen aus sämtlichen Parteien haben die Forderung mitunterzeichnet. Ähnliche Bestrebungen gibt es in den Städten Luzern und Basel.

Smart Glasses können auch für negative Zwecke genutzt werden.

Auslöser sind Sorgen um den Schutz der Badegäste. Gerade in Freibädern sei oft kaum erkennbar, ob jemand mit einer intelligenten Brille filmt oder fotografiert. Das könne insbesondere für Frauen, Jugendliche und Kinder problematisch sein.

Zu den Erstunterzeichnerinnen gehört die Wiler Grünen-Parlamentarierin Meret Grob. Sie befürchtet, dass die technische Entwicklung schneller voranschreitet als das Bewusstsein für mögliche Risiken. Die 31-Jährige sagt: «Ich glaube, dass noch nicht wirklich in den Köpfen der Menschen angekommen ist, dass Smart Glasses auch für negative Zwecke genutzt werden können.»

Deutsche Städte als Vorbild

Smart Glasses könnten zwar sinnvoll eingesetzt werden, so Grob. Gleichzeitig eigneten sie sich aber auch für heimliche Aufnahmen. Hinzu komme, dass moderne Modelle immer unauffälliger würden. Noch sind in der Schweiz keine Fälle bekannt, bei denen Badegäste mit Smart Glasses heimlich gefilmt wurden.

In Deutschland sorgten bereits mehrere Fälle für Schlagzeilen. Dabei landeten Aufnahmen von Frauen in Badebekleidung in sozialen Netzwerken. Städte wie Köln reagierten mit Verboten von Smart Glasses in öffentlichen Bädern.

Nahaufnahme einer Person mit Sonnenbrille, im Freien vor Bäumen.

Legende:

Rahel Estermann setzt sich im Luzerner Kantonsrat für ein Verbot von Smart Glasses ein. Für SRF setzt sie sich selbst eine auf.

SRF

Auch in anderen Regionen der Schweiz gewinnt die Diskussion an Fahrt. Neben Wil beschäftigen sich derzeit unter anderem Luzern und Basel mit möglichen Einschränkungen. Die Luzerner Kantonsrätin Rahel Estermann sagt: «Wir müssen uns generell überlegen, ob wir solche Brillen in unserer Gesellschaft wollen.»

Hoffnung auf präventive Wirkung

Beim Schweizerischen Bademeisterverband rennen die Befürworterinnen eines Verbots offene Türen ein. «Das Beste wäre ein flächendeckendes Verbot», sagt Präsident Michel Kunz. Zwar lasse sich ein solches Verbot kaum lückenlos kontrollieren. Es habe aber eine präventive Wirkung und schaffe eine Grundlage, um bei Verstössen einzuschreiten.

Älterer Mann in blauem Hemd steht nahe einem See mit Enten.

Legende:

Auch der Schweizer Bademeisterverband zeigt sich besorgt. Präsident Michael Kunz sagt, Kontrollen würden schwierig, aber: «Wenn man jemanden erwischt, hat man eine Handhabe.»

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Die Verbreitung der Geräte dürfte in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Gerade deshalb verweisen Befürworter eines Verbots auf den Persönlichkeitsschutz. Anders als bei einem sichtbar gezückten Smartphone sei für Umstehende oft nicht erkennbar, ob eine Aufnahme gemacht werde. Das erschwere es, das Recht am eigenen Bild durchzusetzen.

Petition fordert nationales Verkaufsverbot

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Mit dem Slogan «Kein Spielzeug für Stalker» fordert eine Petition mittlerweile, dass der Verkauf solcher Smart Glasses in der Schweiz verboten werden soll. Innerhalb von zwei Tagen wurden bereits über 10’000 Unterschriften gesammelt.

Die Brillen sollen eine Einladung für Voyeurismus sein, nicht nur gegenüber Frauen, sondern auch bei Kindern, etwa in Schwimmbädern oder in Umkleidekabinen, so die Verfasser der Petition weiter.

Mittlerweile beschäftigt das Thema auch die Bundespolitik. Dort gibt es Forderungen, die Auswirkungen auf Datenschutz und Privatsphäre genauer zu prüfen.

Ob die Stadt Wil tatsächlich ein Verbot einführt, ist noch offen. Klar ist jedoch: Mit der zunehmenden Verbreitung von Smart Glasses dürfte die Diskussion über Privatsphäre in öffentlichen Räumen weiter an Bedeutung gewinnen.