Italien will keine «illegalen Einwanderer» zurücknehmen, so Matteo Salvini. Doch diverse Staaten kündigen an, Migranten zurückzuschicken. So auch die Schweiz.
Giorgia Meloni will nicht einlenken. (Archivbild) – keystone
Das Wichtigste in Kürze
Rom und Berlin streiten immer heftiger über Bootsflüchtlinge.
Italien will keine Migranten zurücknehmen.
Deutschland, aber auch die Schweiz oder Finnland haben aber andere Pläne.
Der Streit zwischen Deutschland und Italien über den Umgang mit Bootsflüchtlingen aus dem Mittelmeer verschärft sich.
Der italienische Vize-Regierungschef Matteo Salvini verkündete am Wochenende, sein Land werde aus Deutschland keinen einzigen «illegalen Einwanderer» zurücknehmen, solange deutsche Hilfsorganisationen im Mittelmeer unterwegs seien.
Die Bundesregierung verweist hingegen auf bestehende EU-Regelungen – auch auf den neuen Asyl- und Migrationspakt, der seit diesem Sommer gilt.
2200 Migranten seit Januar
Italiens rechte Dreier-Koalition von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni begründet ihre ablehnende Haltung damit, dass deutsche Nichtregierungsorganisationen (NGO) auf ihren Schiffen seit Jahren immer wieder Flüchtlinge an Bord nehmen, die auf dem Mittelmeer in Not sind oder geraten könnten, um sie dann in italienische Häfen zu bringen.
Nach Angaben aus Rom waren dies allein seit Beginn des Jahres 2200 Migranten. Manche davon reisen dann weiter nach Deutschland oder andere Länder.
Macht Giorgia Meloni eine gute Flüchtlingspolitik?
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Eigentlich muss jeder Migrant in dem EU–Staat Asyl beantragen, den er zuerst betritt. Darüber gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Streit, auch zwischen Deutschland und Italien, wo wegen der Nähe zu Afrika und dem Nahen Osten besonders viele Flüchtlinge landen.
Die Hoffnung der EU ruhte eigentlich darauf, dass mit Inkrafttreten des neuen Asyl- und Migrationspakts (Geas) die Meinungsverschiedenheiten beendet sind. Der Streit zwischen Rom und Berlin zieht sich nun jedoch schon den gesamten Sommer hin.
Melonis Vize Salvini verschärfte den Ton jetzt abermals. Bei einem Treffen seiner rechten Partei Lega sagte der Verkehrsminister: «Deutschland hat kein Recht, uns auch nur einen einzigen illegalen Einwanderer zurückzuschicken, solange deutsche NGO-Schiffe im Mittelmeer unterwegs sind, um Tausende illegaler Einwanderer in Italien und Europa an Land zu bringen.»
Salvini war früher schon als Innenminister äusserst hart gegen Bootsflüchtlinge und Hilfsorganisationen vorgegangen.
Salvini verschärfte den Ton abermals. – Keystone
Mit seinem Nein zu Rücküberstellungen steht Salvini in Rom jedoch keineswegs allein. Ministerpräsidentin Meloni und der jetzige Innenminister Matteo Piantedosi bestehen ebenfalls auf einem «Ausgleich».
Von italienischer Seite wird argumentiert, dass dem Seerecht zufolge auf einem Schiff die Gesetze des Landes gelten, unter dem das Schiff fährt. Damit wäre also gewissermassen Deutschland Erstaufnahmestaat der Bootsflüchtlinge – und nicht Italien.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. (Archivbild) – keystone
Demnächst soll es dazu ein Treffen der beiden Innenminister Piantedosi und Alexander Dobrindt (CSU) geben. Von deutscher Seite wurde in den vergangenen Tagen mehrfach betont, dass man beim Thema Migration eng zusammenarbeite. Zudem liess Piantedosi am Wochenende das deutsche Rettungsschiff «Sea-Watch 5» für 45 Tage festsetzen.
Gegen die gleichnamige Hilfsorganisation verhängten die Behörden 4.500 Euro Bussgeld. Solche Strafen treffen deutsche Schiffe immer wieder.
Schweiz will Migranten nach Italien schicken
Auch andere europäische Staaten wie Österreich, die Schweiz, die Niederlande, Schweden und Finnland haben inzwischen angekündigt, Migranten nach Italien zurückzuschicken.
Dem italienischen Innenministerium zufolge wurden seit Beginn des Jahres aus europäischen Partnerländern lediglich drei Migranten zurückgenommen. Aus Deutschland war kein einziger dabei.
Im Dezember 2022 hatte Italien Rückführungen Asylsuchender aus der Schweiz gestoppt. Ein neues Abkommen führt jetzt zur Wiederaufnahme. – keystone
Zuvor schon hatte Italien nach offiziellen Angaben seit 2023 rund 80’000 sogenannte Rücknahmeersuchen anderer Staaten zurückgewiesen. Begründet wurde dies damit, dass das nationale Aufnahmesystem komplett überlastet sei.
Meloni hatte mit dem Versprechen eines harten Kurses gegen Migranten erfolgreich Wahlkampf gemacht. Anfang September wird die 49-Jährige so lange ununterbrochen an der Regierung sein wie kein anderer italienischer Ministerpräsident seit Kriegsende.