Laut den Akten war die damalige Gemeindepräsidentin Anna Giacometti, heute Bündner FDP-Nationalrätin, über die Gefahrenlage am Pizzo Cengalo informiert. Die im Prozess Angeklagten waren gemäss Anklage für deren Beurteilung sowie für Schutzmassnahmen zuständig.
Anna Giacometti war 2017 Gemeindepräsidentin von Bregaglia. Heute sitzt die FDP-Politikerin im Nationalrat. Im Bondo-Prozess ist sie wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung angeklagt. Es gilt die Unschuldsvermutung.20min/Matthias Spicher
Nach einem Augenschein vom 12. August 2017 stuften die beteiligten Fachleute die Lage als ruhig ein. Eine weitere Messung wurde auf den 1. September terminiert. Am 14. August gingen sie von einem möglichen Bergsturz «in den nächsten Wochen und Monaten» aus.
Die Gemeinde aktualisierte Warn- und Informationstafeln, informierte Eigentümer gefährdeter Gebäude und hielt den bereits gesperrten Viale-Weg geschlossen. Die Val Bondasca blieb offen. Auch nach einer Simulation vom 15. August mit einem möglichen Absturz von fünf Millionen Kubikmetern wurden die Warnhinweise nicht erweitert.
Laut Staatsanwaltschaft hätten die Beschuldigten die Sperrung der Wege empfehlen beziehungsweise verfügen müssen. Der zentrale Streit ist, ob eine Sperrung nötig gewesen wäre, obwohl sich der Zeitpunkt eines Bergsturzes nicht genau prognostizieren liess.