Millionen Smartphones weltweit nutzen Chips von Unisoc, einem der drei größten Fabless-Halbleiterhersteller der Welt. Ein unabhängiger Sicherheitsforscher, der unter dem Pseudonym 0x50594d arbeitet, hat über die Plattform SSD Secure Disclosure jetzt eine gravierende Schwachstelle offengelegt. Unbekannte Anrufer*innen können sie ausnutzen, um vom Mobilfunkmodem aus in den Kernel des Betriebssystems vorzudringen und dort eigenen Code auszuführen. Auslöser der Attacke ist ein eingehender Videoanruf.
So läuft der Angriff mit unbekannten Anrufer*innen ab
Der Angriff läuft in mehreren Stufen ab. Zunächst nutzen unbekannte Anrufer*innen eine Schwachstelle in der Modem-Firmware aus, die Sicherheitsforschende bereits im März 2026 dokumentiert haben. Verarbeitet das Modem während eines Videoanrufs bestimmte Signalisierungsdaten, bringt präparierter Code das Modem selbst zur Ausführung. Genau hier setzt die neue Analyse an. Ihr zufolge trennt das System den Speicherbereich des Modems nicht ausreichend vom Speicherbereich des Android-Kernels.
Kriminelle können deshalb eine Schutzfunktion der Speicherverwaltung deaktivieren und erhalten damit uneingeschränkten Lese- und Schreibzugriff auf den physischen Speicher, inklusive des Kernel-Codes selbst.
Die Forschenden demonstrierten das am Beispiel eines Realme C33 und führten so tatsächlich beliebigen Code mit Kernel-Rechten aus, den höchsten Berechtigungen, die ein Betriebssystem kennt. Als Beweis platzierten sie lediglich eine harmlose Testmeldung im System-Log. Ob sich auf demselben Weg auch Passwörter, Nachrichten oder Fotos auslesen lassen, haben sie nicht gezeigt. Technisch plausibel wäre das aber, sobald jemand die Kontrolle über den Kernel besitzt.
Drei Modelle sind bestätigt betroffen
Für drei Geräte bestätigt die neue Analyse die Schwachstelle konkret. Das Realme C33 nutzt den Chip Unisoc T612, das Xiaomi Redmi A5 den T7250 und das Motorola Moto E13 den T606. Die grundlegende Modem-Schwachstelle aus dem März-Bericht betrifft laut SSD zudem den Chip T616. Diesen Chip verbauen auch andere Hersteller in weiteren Geräten, daher könnten theoretisch mehr Modelle für Angriffe vom unbekannten Anrufer*innen anfällig sein. Eine vollständige, bestätigte Liste gibt es bislang aber nicht. Nicht jedes Gerät mit einem der genannten Chips ist automatisch nachweislich angreifbar.
Nutzer*innen müssen für den Angriff keinen Link anklicken und keine App installieren. Der reale Ablauf ist trotzdem deutlich aufwendiger, als der Begriff „Anruf“ vermuten lässt. Für ihre Demonstration bauten die Forschenden ein eigenes, kontrolliertes Mobilfunknetz auf, inklusive programmierbarer SIM-Karte und spezieller Funkhardware. Bevor der eigentliche Videoanruf erfolgt, verschicken unbekannte Anrufer*innen im Beispiel bereits vorbereitete Signalisierungsdaten. Erst wenn das Opfer den anschließenden Videoanruf annimmt, wird die Attacke im Modem aktiv. Ob die komplette Angriffskette auch über ein reguläres, kommerzielles Mobilfunknetz funktioniert, haben die Forschenden nicht gezeigt.
Topaktuell
Noch kein Patch in Sicht
Für die Schwachstelle gibt es bislang keinen offiziellen Fehlerbehebungs-Code. SSD Secure Disclosure gibt an, Unisoc über mehrere Kanäle kontaktiert, aber keine Rückmeldung erhalten zu haben. Auch die aktuellen Sicherheitsbulletins des Herstellers erwähnen das Problem bislang nicht. Ein aktuelles Sicherheitsupdate am Smartphone belegt deshalb nicht automatisch, dass Hersteller die Lücke geschlossen haben, denn herstellerspezifische Chip-Probleme behandeln Hersteller oft getrennt von den monatlichen Android-Sicherheitspatches.
Besitzer*innen der drei bestätigten Modelle sollten alle verfügbaren System- und Firmware-Updates installieren und die Update-Kanäle ihres Herstellers im Blick behalten. Bis zur Klärung der Lage ist es zudem sinnvoll, Videoanrufe von einem unbekannten Anrufer oder einer unbekannten Anruferin nicht anzunehmen.
Quellen: SSD Secure Disclosure
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