Japanische Optikerketten machen mittlerweile einen großen Teil ihres Geschäfts mit ausländischen Touristen, die japanische Brillen wegen des schwachen Yen günstigen Preis und die Möglichkeit, ohne ärztliches Rezept ein Modell direkt im Geschäft anfertigen zu lassen.

Im Hauptgeschäft von Megane Ichiba im Einkaufsviertel Shinsaibashi in Osaka stammen mehr als 60 Prozent des Umsatzes von ausländischen Touristen. Die Kette verlegte die Filiale im Juli an einen neuen Standort und vergrößerte die Verkaufsfläche. Rund 2.000 Modelle stehen zur Auswahl, die eigenen Brillen beginnen bei 15.000 Yen (ca. 81 Euro). Von der Messung der Sehstärke bis zur fertigen Brille können im günstigsten Fall nur 25 Minuten vergehen.

Rekordtourismus bringt mehr Kunden in die Geschäfte

Die Optikerketten profitieren von der hohen Zahl ausländischer Touristen in Japan. Im Juli 2026 kamen 3,44 Millionen Menschen aus dem Ausland ins Land, so viele wie noch nie in einem Juli. Allein zwischen April und Juni gaben ausländische Reisende insgesamt rund 2,51 Billionen Yen (ca. 13,5 Milliarden Euro) in Japan aus. Pro Besucher waren es durchschnittlich 244.000 Yen (ca. 1.310 Euro).

Osaka gehört bei Japan-Reisenden zu den wichtigsten Zielen. 2024 besuchten rund 14,64 Millionen ausländische Touristen die Präfektur und gaben dort etwa 1,39 Billionen Yen (ca. 7,5 Milliarden Euro) aus. Shinsaibashi gehört gemeinsam mit dem südlich angrenzenden Dotonbori zu den stark von Touristen besuchten Einkaufsvierteln der Stadt.

Megane Ichiba hat seine Filiale deshalb auch technisch auf ausländische Kunden ausgerichtet. Das neue Gerät zur Messung der Sehstärke bietet eine Sprachausgabe in neun Sprachen, darunter Englisch und Chinesisch. Beide Augen können gleichzeitig gemessen werden, wodurch die Untersuchung nach Angaben des Unternehmens nur etwa halb so lange dauert wie mit dem bisherigen Verfahren.

Weitere Optikerketten eröffnen Geschäfte in Osaka

Auch Washin eröffnete im April in Shinsaibashi sein erstes großes Geschäft in der Kansai-Region und folgte im Mai mit einer Filiale in Umeda. Dort arbeiten Fachkräfte mit der staatlichen Qualifikation „Brillenherstellungs-Fachkraft erster Klasse“, die unter anderem Sehstärken messen, Gläser bearbeiten und Fassungen anpassen.

Japan führte diese staatliche Berufsprüfung 2021 ein, die ersten Prüfungen fanden 2022 statt. Die Qualifikation umfasst neben der Messung der Sehstärke auch die Auswahl und Bearbeitung der Gläser sowie die Anpassung der Fassung. Washin wirbt bei ausländischen Kunden damit, Brillen an unterschiedliche Gesichtsformen anzupassen.

Owndays eröffnete bereits im November vergangenen Jahres eine Filiale in Umeda. Zwischen Juni und September des Vorjahres stieg der Umsatz des Unternehmens in der Kansai-Region um 30 Prozent. Mit weiteren Geschäften will die Kette mehr ausländische Besucher erreichen.

Sabae ist das Zentrum der japanischen Brillenproduktion

Die japanische Brillenindustrie konzentriert sich seit mehr als einem Jahrhundert auf die Präfektur Fukui. Rund um die Stadt Sabae werden mehr als 90 Prozent der in Japan produzierten Brillenfassungen hergestellt. Die Produktion begann dort 1905 und entwickelte sich über mehrere Jahrzehnte von einer zusätzlichen Beschäftigung für Bauern zu einem Industriegebiet für Metallverarbeitung und Brillenherstellung.

Hersteller aus der Region arbeiten unter anderem mit Titan und anderen Metalllegierungen und beliefern auch Märkte in Europa und den USA. Die Fertigung in Sabae trägt zum Ruf japanischer Brillen bei, allerdings ist nicht jede Brille, die eine japanische Kette verkauft, auch in Japan hergestellt. Die Händler führen neben eigenen und japanischen Produkten ebenfalls importierte Fassungen und Bauteile.

Brillenkauf funktioniert ohne ärztliches Rezept

Für ausländische Touristen spielt außerdem das japanische Verkaufssystem eine Rolle. Für den Kauf einer Brille ist in Japan kein ärztliches Rezept vorgeschrieben.

Hideyuki Araki vom Resona Research Institute sieht in der Kombination aus Fertigungsqualität, Service und dem Kauf ohne Rezept gute Voraussetzungen für das Geschäft mit ausländischen Touristen.