Joyriding-Videos in sozialen Medien stehen im Verdacht, zwei schwere Unfälle mit 12 Toten mitverursacht zu haben.Auf der A66 in England starben sieben Menschen, darunter fünf Teenager; auf der M9 in Irland kamen ebenfalls fünf Jugendliche ums Leben.Detective Mark Farris kritisiert Social-Media-Unternehmen: Sie ermöglichten das gefährliche Verhalten und müssten zur Rechenschaft gezogen werden.
Am Wochenende sind auf der A66 nahe Middlesbrough in England sieben Menschen bei einem Frontalcrash gestorben. Fünf von ihnen sind Teenager. Ein ähnlicher Unfall ereignete sich eine Woche zuvor auf der M9 in Irland. Auch in diesem Fall starben fünf Teenager im Alter zwischen 15 und 18.
In beiden Fällen prüfen die Ermittelnden, ob «Joyriding»-Videos eine Rolle gespielt haben. Hierbei handelt es sich um Aktionen, bei welchen sich meist junge Menschen bei riskanten Fahrmanövern filmen und die Videos danach in den sozialen Medien verbreiten.
Auf der M9 in Irland kamen fünf Jugendliche ums Leben.Niall Carson/PA Wire/dpa
Kamil P. (17), der im Crash in Irland getötet wurde, war bereits polizeibekannt wegen solcher Aktionen in gestohlenen Autos. «Er war die Art von jungem Burschen, die nur aufgehört hätte, wenn er jemanden getötet hätte oder selbst getötet worden wäre», wird eine Quelle von der «Irish Times» zitiert.
Jugendliche waren polizeibekannt
Zum Zeitpunkt des Unfalls befand sich Kamil auf Kaution auf freiem Fuss – er wurde wegen Joyridings strafrechtlich verfolgt. Jack K.(17), der ebenfalls im Unfallauto sass, war zudem bereits im Juli in einen Unfall verwickelt, bei welchem während eines riskanten Überholmanövers ein Töff-Fahrer überfahren und schwer verletzt worden war. Es waren jedoch noch forensische Untersuchungsergebnisse ausstehend, um Anklage erheben zu können.
Kritik an den sozialen Medien
Der schwere Vorfall in Irland sorgte für heftige Kritik an Social-Media-Plattformen. Sie würden es versäumen, Nutzer zu sperren, die in ihren Videos das Joyriding verherrlichen. Detective Mark Farris sagte laut der «Irish Times», die Jugendlichen würden durch das Teilen der Videos motiviert, da sie dadurch Anerkennung erhielten. «Social-Media-Unternehmen ermöglichen das und müssen ebenfalls zur Rechenschaft gezogen werden.»
Snapchat und Tiktok gehören zu solchen Plattformen. Sie teilten nach dem Unfall auf der M9 mit, sie hätten Videos vom Unfall und damit zusammenhängende Inhalte entfernt. Es seien zudem einige Nutzer gesperrt worden.
Beim Crash in Middlesbrough starben auch zwei Polizisten.PA Images via Getty Images
Tiktok wurde zudem zur Aussage im Medienausschuss der irischen Regierung vorgeladen, lehnte dies jedoch ab. Alan Kelly, die Vorsitzende des Ausschusses, bezeichnete die Ablehnung als «Schlag ins Gesicht». Die PR-Abteilung von Tiktok erklärte, es wäre «nicht angemessen» als alleinige Vertreterin der Video-Sharing-Branche vor dem Ausschuss auszusagen.
Die Regierung warnt nach dem Unfall auf der M9 junge Menschen: «Ihr landet im Gefängnis oder im Grab, wenn ihr nicht aufhört.»
Unfallopfer hat Flashback
Róisín Stakelum war vor drei Jahren in einen Unfall mit einem Auto verwickelt, das auf der falschen Spur gefahren war. In irischen Medien sagt sie, sie könne «absolut nicht glauben, dass es wieder passiert ist.» Seit sie die Nachricht gehört habe, könne sie nicht mehr richtig schlafen. Sie sei nach dem Unfall damals ein völlig anderer Mensch und habe körperliche und psychische Narben davongetragen.
«Ich kann einfach nicht glauben, dass es wieder passiert ist und dass ich nicht das Gefühl habe, es sei wirklich etwas unternommen worden, um so etwas künftig zu verhindern.» In einigen Ländern existierten Falschfahrer-Warnsysteme.
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Justin Arber (jar), Jahrgang 1999, arbeitet seit 2022 als Redaktor am Newsdesk. Zeitweise übernimmt er da die Schichtleitung im Früh- und Spätdienst.
