Vitamin D verbinden die meisten Menschen mit Knochen und Muskeln. Doch der Stoff ist an weit mehr Vorgängen im Körper beteiligt – auch im Nervensystem und bei der Regulation des Schlafs. Gerade im Alter wird das interessant, denn schlechter Schlaf und nachlassende geistige Fähigkeiten treten häufig gemeinsam auf.

Eine kleine Untersuchung mit älteren Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen und Schlafproblemen fand nun einen bemerkenswerten Zusammenhang: Teilnehmer, die täglich mindestens 5.000 Internationale Einheiten (125 Mikrogramm) Vitamin D einnahmen, erzielten in einem Denktest mehr als 13 Prozent höhere Werte. Ob das Vitamin dafür verantwortlich war, lässt sich aus der Untersuchung allerdings nicht ableiten.

Die Untersuchung der Emory University, veröffentlicht im Fachjournal Sleep Medicine, umfasste 54 ältere Erwachsene mit diagnostizierter oder vermuteter leichter kognitiver Beeinträchtigung, kurz MCI. Im Durchschnitt waren sie 67,2 Jahre alt, 46 Prozent waren Männer.

Alle Teilnehmer litten zusätzlich unter Schlafproblemen. Diese Kombination ist besonders relevant, weil sowohl MCI als auch gestörter Schlaf mit einem erhöhten Risiko für weiteren geistigen Abbau verbunden sind. Die Wissenschaftler wollten deshalb wissen, ob sich bei der Vitamin-D-Einnahme Unterschiede in der kognitiven Leistungsfähigkeit zeigen.

Höhere Vitamin-D-Einnahme geht mit besseren Denktest-Werten einher

Für die geistige Leistungsfähigkeit nutzten die Wissenschaftler den Montreal Cognitive Assessment, kurz MoCA. Der Test erfasst unter anderem Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und räumliches Denken. Im statistischen Modell lagen die Werte der Teilnehmer mit höherer Vitamin-D-Einnahme im Durchschnitt 3,78 Punkte über denen der Vergleichsgruppe. Alter, Geschlecht, Bildungsstand, BMI und die verwendete Vitamin-D-Form wurden dabei berücksichtigt.

Die Teilnehmer erhielten keine festgelegte Vitamin-D-Dosis, sondern gaben selbst an, ob und wie viel sie täglich einnahmen. Die Forscher verglichen diese Angaben anschließend mit den Ergebnissen des Denktests. Ein ursächlicher Effekt von Vitamin D auf die höheren Testwerte lässt sich daraus nicht ableiten.

Niedrigere Vitamin-D-Dosen bleiben ohne messbaren Effekt

Bei niedrigeren Vitamin-D-Mengen zeigte sich kein statistisch bedeutsamer Zusammenhang mit besseren MoCA-Werten. Erst ab einer täglichen Einnahme von mindestens 5.000 IE lagen die Testwerte höher als bei Teilnehmern ohne Vitamin-D-Einnahme. Ob Vitamin D2 oder Vitamin D3 verwendet wurde, machte dabei keinen erkennbaren Unterschied.

Untersucht wurden ausschließlich Menschen mit MCI und Schlafproblemen. Schlafstörungen kommen in dieser Gruppe häufig vor: Nach den in der Arbeit zitierten Daten sind etwa 36 Prozent betroffen, bei objektiven Messungen sogar rund 46 Prozent. MCI wird zugleich bei schätzungsweise jedem fünften älteren Erwachsenen festgestellt. Schlechter Schlaf und geistiger Abbau können sich gegenseitig verstärken. Als mögliche Mechanismen werden unter anderem Entzündungsprozesse im Nervensystem und Ablagerungen von Amyloid-beta im Gehirn diskutiert.

Vitamin D könnte in einer frühen Phase des geistigen Abbaus relevant sein

Seniorautorin Victoria Pak sieht vor allem die frühe Phase kognitiver Veränderungen als möglichen Ansatzpunkt. „Bei älteren Erwachsenen mit Schlafstörungen und leichter kognitiver Beeinträchtigung könnte dies ein wichtiges Zeitfenster für Interventionen sein, in dem kognitive Veränderungen beginnen, aber Möglichkeiten zur Unterstützung der Gehirngesundheit noch bestehen“, erklärt die Wissenschaftlerin von der Emory University.

Vitamin D ist dabei auch deshalb interessant, weil der Nährstoff an Muskel- und Nervenfunktionen beteiligt ist und mit Schlaf sowie dem Schlaf-Wach-Rhythmus in Verbindung steht. Frühere Untersuchungen brachten einen Vitamin-D-Mangel sowohl mit Schlafproblemen als auch mit einem höheren Risiko für kognitiven Abbau in Zusammenhang. Ob Vitamin-D-Präparate die Denkleistung tatsächlich verbessern, ist bislang jedoch nicht eindeutig geklärt. Auch die dafür geeignete Dosis ist offen.

Vitamin D bei Demenz-Risiko: Ergebnisse bleiben vorläufig

Mit 54 Teilnehmern war die Untersuchung klein. Eine Empfehlung für täglich 5.000 IE Vitamin D lässt sich daraus nicht ableiten. Auch ob Vitamin D eine Demenz verhindern oder behandeln kann, bleibt offen.

Neben der Vitamin-D-Einnahme zeigten sich weitere statistische Zusammenhänge: Teilnehmer mit Hochschulabschluss erzielten im Mittel 3,14 MoCA-Punkte mehr, bei übergewichtigen Personen lagen die Werte um 3,59 Punkte höher. Wegen der kleinen Stichprobe sind auch diese Unterschiede nur vorsichtig zu bewerten.

Pak hält weitere Forschung zu beeinflussbaren Faktoren in frühen Stadien des kognitiven Abbaus für sinnvoll: „Leicht zugängliche und veränderbare Faktoren wie die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten in frühen Stadien des kognitiven Abbaus zu identifizieren, könnte zunehmend an Bedeutung gewinnen.“

Kurz zusammengefasst:

In einer kleinen Studie mit 54 älteren Menschen mit MCI und Schlafproblemen war eine tägliche Einnahme von mindestens 5.000 IE Vitamin D mit mehr als 13 Prozent höheren Denktest-Werten verbunden.

Die Untersuchung belegt nicht, dass Vitamin D die geistige Leistung verbessert oder Demenz verhindert, weil sie nur einen Zusammenhang erfasst hat.

Niedrigere Vitamin-D-Dosen zeigten keinen messbaren Vorteil; weitere Studien müssen klären, ob Vitamin D bei frühem kognitivem Abbau tatsächlich helfen kann.

Übrigens: Vitamin D steht nicht nur wegen möglicher Effekte aufs Gehirn im Fokus – eine große Auswertung stellt seinen Nutzen für stabile Knochen infrage. Für die meisten älteren Menschen schützt es kaum vor Brüchen oder Stürzen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Magnific

Tags: Altern,Alzheimer,Demenz,Gedächtnis,Gehirn,kognitive Leistung,leichte kognitive Beeinträchtigung,MCI,Nahrungsergänzungsmittel,Schlafstörungen,Smart Up News,Vitamin D,Vitamin-D-Mangel

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