Im professionellen Straßenradsport hat sich Van Rysel mittlerweile etabliert. Als Partner des World-Tour-Teams Decathlon-CMA-CGM stattet der im flämischen Lille ansässige Hersteller die französische Equipe mit Rennrädern aus. Mit den neuen Modellen RCR-G und EDR-G überträgt Van Rysel diese Entwicklungsarbeit nun auch auf den Gravel-Einsatz. Statt ein universelles Kompromissmodell anzubieten, das sowohl Bikepacking-Abenteuer als auch schnelle Wettkämpfe abdecken soll, präsentiert Van Rysel zwei eigenständige Rahmenplattformen mit klar getrennten Anforderungsprofilen.
RCR-G: Die Aero-Plattform für den Rennsport
Das RCR-G basiert technisch auf dem Straßenmodell RCR-R Pro. Im Zentrum der Entwicklung standen eine sehr gute Aerodynamik, eine hohe Agilität und ein direktes Handling sowie ein geringes Gesamtgewicht. Mittels Strömungssimulationen, virtueller Prototypen und Messungen im Windkanal wurde die Aero-Formgebung gezielt optimiert. Laut Hersteller bringt die Konstruktion eine Leistungs-„Ersparnis“ von 8,6 Watt gegenüber dem bisherigen Gravelmodell GCR.
Der Rahmen aus High-Modulus-Carbon wiegt unlackiert 885 Gramm in der Rahmengröße M, die zugehörige Carbongabel wird mit 415 Gramm angegeben. In der Topausstattung mit Sram Red AXS XPLR liegt das Gesamtgewicht des Komplettrads bei 7,7 Kilogramm in der Größe M. Trotz der aerodynamischen Rohrformen des Rahmens beträgt die maximale Reifenfreiheit 50 Millimeter. Der Rahmen nutzt den UDH-Standard und nimmt Kettenblätter mit bis zu 50 Zähnen bei Einfach-Antrieben sowie 52 Zähnen bei Zweifach-Systemen auf. Für die Verpflegungsmitnahme im Rennen stehen drei Flaschenhalteraufnahmen sowie Befestigungspunkte für eine Oberrohrtasche zur Verfügung. Entwickelt wurde das Rad in enger Abstimmung mit den Profis des Teams Decathlon-CMA-CGM, darunter der Gravel-Spezialist Stan Dewulf.

© Van Rysel
Das neue Van Rysel RCR-G ist auf Geschwindigkeit, Agilität und eine aerodynamische Sitzposition ausgelegt.
Geometriedaten Van Rysel RCR-G
Die Geometrie des RCR-G ist auf eine gestreckte, aerodynamische Sitzposition ausgelegt. Ein steiler Lenkwinkel soll für ein agiles Lenkverhalten sorgen, während die mit 426 Millimetern über alle Größen hinweg kurz gehaltenen Kettenstreben eine hohe Steifigkeit im Hinterbau gewährleisten und zudem auch eine gute Laufruhe ermöglichen sollen.
Geometrie
XS
S
M
L
XL
Sitzrohrlänge
465 mm
475 mm
495 mm
520 mm
550 mm
Steuerrohrlänge
103 mm
115 mm
130 mm
150 mm
175 mm
Oberrohrlänge
515 mm
538 mm
555 mm
570 mm
595 mm
Lenkwinkel
70°
71,2°
73°
73°
73°
Sitzwinkel
75°
74°
73,5°
73,5°
73,5°
Kettenstrebenlänge
426 mm
426 mm
426 mm
426 mm
426 mm
Tretlagerabsenkung
74 mm
74 mm
74 mm
74 mm
74 mm
Stack
521 mm
537 mm
554 mm
573 mm
597 mm
Reach
375 mm
384 mm
391 mm
400 mm
412,5 mm
Radstand
1010,8 mm
1014 mm
1019 mm
1034,5 mm
1054,5 mm
Alle Werte laut Herstellerangaben.
EDR-G: Langstrecke & Geländegängigkeit
Mit dem EDR-G verfolgt Van Rysel den Ansatz, Ermüdungserscheinungen durch eine gezielte Schwingungsdämpfung zu reduzieren. Ein modifiziertes Carbon-Layup soll Stöße vom Untergrund abfangen und den Fahrer auf langen Distanzen entlasten. Wie beim RCR-G erlaubt der Rahmen den Einsatz von Reifen bis zu einer Breite von 50 Millimetern.
Für den Langstrecken- und Bikepacking-Einsatz ist das EDR-G mit mehr als 15 Montagepunkten am Rahmen und an der Gabel ausgestattet. Vom Endurance-Rennrad EDR übernimmt das Bike das integrierte Staufach im Unterrohr. Die Rahmen-Werkzeugbox bleibt auch bei montierten Rahmentaschen erreichbar und nimmt ein Reparaturset bestehend aus Schlauch, Multitool, Reifenhebern, Pumpe sowie einer spezifischen Tasche auf.
Das Cockpit nutzt einen Deda-Gera-Aluminiumlenker mit 24 Grad Flare für variable Handpositionen im technischen Gelände. Neben Varianten mit Starrgabel ist das EDR-G auch mit einer RockShox-Rudy-XPLR-Federgabel mit 40 Millimetern Federweg erhältlich. Das Modell wurde im Rahmen von 25.000 Testkilometern mit 30 Fahrern erprobt sowie während einer 10.000 Kilometer langen Unsupported-Fahrt durch Europa getestet.

© Vam Rysel
Das neue Van Rysel EDR-G kombiniert eine komfortorientierte Geometrie mit hoher Geländegängigkeit und zahlreichen Befestigungsmöglichkeiten.

© Van Rysel
Das EDR-G ist optional mit einer RockShox-Rudy-XPLR-Federgabel mit 40 Millimetern Federweg erhältlich.

© Van Rysel
Das EDR-G GRX kombiniert eine Shimano-GRX-610-Schaltgruppe mit DT-Swiss-G-1800-Laufrädern.

© Van Rysel
Deda-Gera-Aluminiumlenker mit 24 Grad Flare

© Van Rysel
RCR-G sowie EDR-G erlauben eine maximale Reifenbreite von 50 Millimetern
Geometriedaten Van Rysel EDR-G
Die Geometrie des EDR-G unterscheidet sich deutlich vom RCR-G: Ein höherer Stack und ein kürzerer Reach sorgen für eine aufrechtere Oberkörperhaltung. Ein flacherer Lenkwinkel sowie längere Kettenstreben mit 435 Millimetern erhöhen den Radstand und sollen die Laufruhe auf unruhigem Untergrund spürbar verbessern.
Geometrie
XS
S
M
L
XL
Sitzrohrlänge
464 mm
495 mm
506,3 mm
550 mm
564 mm
Steuerrohrlänge
115 mm
125 mm
150 mm
170 mm
196 mm
Oberrohrlänge
510 mm
530 mm
550 mm
570 mm
590 mm
Lenkwinkel
68°
69°
71°
71,5°
71,5°
Sitzwinkel
72°
72,5°
72,5°
72,5°
72,5°
Kettenstrebenlänge
435 mm
435 mm
435 mm
435 mm
435 mm
Tretlagerabsenkung
73,9 mm
73,9 mm
73,9 mm
73,9 mm
73,9 mm
Stack
520 mm
545 mm
574 mm
595 mm
620 mm
Reach
346 mm
358 mm
380 mm
382 mm
394 mm
Radstand
990 mm
1004 mm
1033,7 mm
1022 mm
1042 mm
Alle Werte laut Herstellerangaben.
Erste Fahr-Eindrücke aus dem Praxistest
Wir hatten die Möglichkeit, beide neuen Modelle im Rahmen des Van-Rysel-Gravel-Retreats im südfranzösischen Le Castellet zu testen. Auf den Testrunden kamen auch die neuen Ausrüstungskomponenten des Herstellers zum Einsatz. Der Belüftungsschwerpunkt des RCR-R-Mips-Helms unterscheidet sich spürbar vom stark auf Dämpfung und Tragekomfort ausgelegten EDR-Ultra-Mips-Modell. Die Radbrille Kware Kategorie 3 überzeugte durch einen guten Sitz und ein weites Sichtfeld. Zudem zeigten die Hosen der EDR-Serie mit ihren Elastic-Interface-Sitzpolstern und praktischen Cargo-Taschen eine hohe Qualität und überzeugten mit ihrem Langstreckenkomfort.

© Van Rysel
Der Van Rysel RCR-R MIPS ist auf eine hohe Belüftungsleistung ausgelegt und kostet 89,99 Euro.

© Van Rysel

© Van Rysel

© Van Rysel
Auf der 66 Kilometer langen Testrunde des RCR-G, die zu etwa 70 Prozent über Schotter führte, verhielt sich das Testrad in der Rahmengröße L mit einer Sram-Force-AXS-Schaltgruppe extrem agil. Das Stack-to-Reach-Verhältnis von 1,43 in der Rahmengröße L führt zu einer tiefen, aerodynamischen Sitzposition. In Antritten und Sprints zeigte sich der Rahmen sehr verwindungssteif, die Kraftübertragung erfolgte ohne spürbaren Verzug. Durch die kurzen Kettenstreben zeigt sich das Heck wendig in engen Kurven, verlangt jedoch eine aufmerksame Steuerung. Der Dämpfungskomfort der runden 27,2-Millimeter-Carbon-Sattelstütze fällt funktional, aber eher mäßig aus.

© Van Rysel
Das RCR-G ist das neue auf Geschwindigkeit ausgelegte Aero-Gravelbike von Van Rysel.

© Van Rysel
Auf schnellen Schotterpassagen überzeugt das RCR-G mit hoher Steifigkeit, direkter Kraftübertragung und agilem Handling.

© Van Rysel
Die kurzen Kettenstreben machen das RCR-G in engen Kurven besonders wendig, verlangen jedoch eine aufmerksame Steuerung.

© Van Rysel
Beim Gravel-Retreat in Le Castellet konnten wir das neue Van Rysel RCR-G über 66 Kilometer ausführlich testen.
Auf der 62 Kilometer langen Vergleichsrunde mit dem EDR-G zeigte das Bike einen völlig anderen Charakter. Das Stack-to-Reach-Verhältnis von 1,56 in Größe L führt zu einer deutlich aufrechteren und komfortableren Sitzposition. Der flachere Lenkwinkel von 71,5 Grad resultiert in einer sehr hohen Laufruhe – auch im harten Geländeeinsatz. In Verbindung mit den 45 Millimeter breiten Schwalbe G-One R Pro Reifen filtriert das Gesamtsystem Schläge gut heraus, ohne dabei im Anstieg träge zu wirken.

© Van Rysel
Mit mehr als 15 Befestigungspunkten bietet das Van Rysel EDR-G zahlreiche Möglichkeiten für die Gepäckmitnahme.

© Van Rysel
Testfahrt mit dem Van Rysel EDR-G in der Landschaft Südfrankreichs
Event-Engagement: Legend of the Halde
Begleitend zur Markteinführung engagiert sich Van Rysel als Sponsor des Bergzeitfahrens Legend of the Halde im Rahmen des Gravel Ground Festivals in Herten. Am Freitag, den 11. September 2026, wird auf der Halde Hoheward ein Einzelzeitfahren über 2,6 Kilometer und 80 Höhenmeter ausgetragen. Der Start erfolgt ab 17:30 Uhr auf dem Doncaster Platz an der Zeche Ewald. Die Wertungen werden getrennt für Frauen und Männer geführt.
Unter allen Teilnehmenden verlost Van Rysel ein Exemplar des neuen RCR-G. Die Teilnahme an der Verlosung erfolgt durch die Abgabe der Startnummer nach dem Rennen und ist unabhängig von der Platzierung. Die Anmeldung ist bis zum 10. September über die Plattform Racement möglich, die Startgebühr beträgt 19,00 Euro zuzüglich Gebühren.
Van Rysel RCR-G: Ausstattungen und Preise
Modell
Ausstattung
Gewicht*
Preis
Modell
Ausstattung
Gewicht*
Preis
RCR-G Red AXS
Sram Red AXS XPLR 13-fach
VR-50-Carbon-Laufräder, integriertes RCR-R-Carbon-Cockpit
7,7 kg
6599 Euro
RCR-G Force AXS
Sram Force AXS XPLR 13-fach
VR-35-Carbon-Laufräder, VR-Carbon-Lenker
7,9 kg
4199 Euro
RCR-G Rival AXS
Sram Rival AXS XPLR 13-fach
VR-30-Aluminium-Laufräder
8,5 kg
3199 Euro
* Herstellerangaben für Rahmengröße M.
Van Rysel EDR-G: Ausstattungen und Preise
Modell
Ausstattung
Gewicht*
Preis
Modell
Ausstattung
Gewicht*
Preis
EDR-G Force AXS
Federgabel
Sram Force AXS XPLR 13-fach
RockShox Rudy XPLR, 40 mm Federweg,
VR-32-Carbon-Laufräder
9,7 kg
3499 Euro
EDR-G Force AXS
Sram Force AXS XPLR 13-fach
Carbon-Starrgabel, VR-32-Carbon-Laufräder
8,85 kg
3199 Euro
EDR-G GRX
Shimano GRX 610 12-fach
Carbon-Starrgabel, DT Swiss G 1800-Laufräder
8,75 kg
2199 Euro
* Herstellerangaben für Rahmengröße M.
Fazit
Van Rysel positioniert sich mit der zweigeteilten Modellpalette klar im Leistungssegment des Gravelmarktes. Während das RCR-G durch eine sehr hohe Steifigkeit und Agilität sowie eine kompromisslose Race-Geometrie für schnelle Wettkämpfe ausgelegt ist, bietet das EDR-G eine ausgewogene Dämpfung und hohe Funktionalität für lange Strecken und Bikepacking-Abenteuer. Beide Modelle überzeugten im ersten Praxistest durch eine sehr gute Verarbeitung und eine durchdachte Komponentenwahl.
Einen ausführlicheren Praxistest des RCR-G veröffentlichen wir in der RennRad-Ausgabe 10/2026, die am 22. September erscheint.