Die Priesterbruderschaft St. Pius X. will den «ursprünglichen Glauben» bewahren, ist gegen den Dialog mit anderen Kirchen und weiht eigene Priester und Bischöfe. Für den Papst und den Vatikan sind sie Abtrünnige. Ein Dokumentarfilm gibt Einblick in ihre Welt.

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Josef Jeindl ist mit neun Geschwistern in der österreichischen Steiermark aufgewachsen. Mit zehn Jahren kommt er in ein Knabeninternat nach Deutschland. Die Lehrer sind mehrheitlich Geistliche. Er sagt: «Ich konnte mich nicht in die Schöne der Klasse verlieben, weil es die gar nicht gab.»

Mann in einem Raum mit Blumen im Hintergrund.

Legende:

In einer Disco war er noch nie: Josef Jeindl, einer von rund einer halben Million Anhängern der erzkonservativen Priesterbruderschaft St. Pius X.

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Heute ist er mit einer Frau verheiratet und arbeitet als Lehrer. Jeindl war noch nie in einer Disco und sagt: «Ich habe auf vorehelichen Geschlechtsverkehr und auf Alkohol verzichtet.»

Josef Jeindl ist ein sogenannter Piusbruder, ein Anhänger der Priesterbruderschaft St. Pius X., einer konservativen Gemeinschaft am Rande der römisch-katholischen Kirche, die vom Vatikan nicht anerkannt wird.

Wer sind die Piusbrüder?

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Die Priesterbruderschaft St. Pius X. gibt es seit 1970. Gegründet wurde sie vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre, der mit den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht einverstanden war: Anerkennung des liberalen Rechtsstaats, der Gewissens- und Religionsfreiheit sowie Pflege des Dialogs mit Ostkirchen, Protestanten, Juden und später auch mit Muslimen.

Lefebvre und seine Anhänger waren überzeugt, dass diese Entwicklung zu einer «Protestantisierung», für sie also zu einer Verwässerung der römisch-katholischen Kirche geführt habe. Sie begannen, eigene Geistliche auszubilden und zu weihen, was zu einem Zwist mit dem Vatikan führte.

Die Piusbrüder betreiben eigene Priesterseminare, darunter eines in Ecône VS. Allein in Europa zählen sie hunderttausende Gläubige. Mit ihrem Weltbild sind sie «päpstlicher als der Papst», wie es im Dokumentarfilm «Aufstand der Piusbrüder» heisst.

Verzicht und Selbstbescheidung

So sagt denn auch Antonia Jeindl, eine von Josefs Schwestern: «Ich hoffe, dass ich einmal Kinder haben darf und für sie da sein kann. Wenn ich arbeiten müsste, fände ich das sehr schlimm.» Auch sie war in einem von den Piusbrüdern geführten Internat, allerdings in Frankreich.

Verzicht und Selbstbescheidung, um geistlich zu reifen und dem Entscheidenden im Leben näherzukommen: Darum gehe es, erklärt Markus Ries, emeritierter Professor für Kirchengeschichte an der Uni Luzern: «Man schränkt sich ein, um ein höheres Ziel zu erreichen.»

Das könne man mit einem Model vergleichen, das nichts Süsses isst. Oder mit einer «Jungunternehmerin», die auf Familienferien verzichtet, um ihr Geschäft voranzubringen. Das gibt es auch in anderen Religionen.

«Anbiederung an eine gottlose Welt»

«Die Piusbrüder wollen auf dem Pfad dessen bleiben, was sie als authentisch katholisch verstehen», erklärt Markus Ries. «Den Wandel der Haltungen, die sich aus dem Glauben ergeben, wie er seit 1965 in der Kirche eingetreten ist, denunzieren sie als Anbiederung an eine gottlose Welt.»

Gruppe von Menschen steht betend in einem Wohnzimmer.

Legende:

Grossfamilie Jeindl beim gemeinsamen Gebet: Piusbrüder seien wie Models, die kein Süsses essen, sagt Markus Ries, emeritierter Professor für Kirchengeschichte.

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Um diese «gottlose Welt» möglichst auszublenden, haben sich Josefs und Antonias Eltern für ein Leben auf dem Land entschieden: «Die Kinder sollen in einer natürlichen Umgebung aufwachsen und einen gesunden Menschenverstand entwickeln», sagt Vater Ferdinand Jeindl in der Doku.

Sie haben es wieder getan

Der Umgang des Vatikans mit den Abtrünnigen, die sich selbst nicht als Abtrünnige sehen, war in den vergangenen 50 Jahren unterschiedlich. Papst Benedikt XVI. gab sich dialogbereit, Franziskus zuerst auch. Leo XIV. rief den Piusbrüdern kürzlich zu: «Kehrt um!», als publik wurde, dass sie eigene Bischöfe weihen wollten.

Am 1. Juli 2026 haben sie genau das getan. In Ecône weihte die Bruderschaft vier Priester zu Bischöfen. Rund 15’000 Gläubige wohnten der Weihe bei.

Nach aktuellem Kirchenrecht sind die Weihenden und die Geweihten nun exkommuniziert, wie Markus Ries erklärt: «Die Piusbrüder können natürlich ihre Kirchen und Seminare weiterhin betreiben. Doch es sind dann aus römisch-katholischer Sicht Einrichtungen einer anderen Konfession.»

Für die Jeindls ist das kein Grund, ihren Weg zu ändern. Sie verstehen ihren Glauben als Abgrenzung von einer Welt, die sich zu weit von katholischen Traditionen entfernt hat.