Wildberries im Fokus

Selenskyj: Deshalb greifen wir das «russische Amazon» an

23.08.2026 – 12:58 UhrLesedauer: 2 Min.

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Wolodymyr Selenskyj (Archivbild): Er begründet die Angriffe. (Quelle: Michael Kappeler)

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Die Ukraine nimmt mit ihren Angriffen zunehmend auch Russlands Logistik ins Visier. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt nun, warum dabei der Onlinehändler Wildberries zum Ziel geworden ist.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erklärt, warum sein Land den russischen Onlinehändler Wildberries gezielt angreift. Der Konzern werde auch für die Lieferung von Militärgütern genutzt und erwirtschafte große Einnahmen für Russland, sagte Selenskyj. Die Operation sei «sehr sorgfältig kalkuliert» gewesen.

Als weiteren Grund nannte der ukrainische Präsident russische Angriffe auf die Logistik seines Landes. Russland attackiere seit 2022 unter anderem ukrainische Unternehmen sowie die Zustelldienste Ukrposhta und Nova Poshta. «Es waren ihre Angriffe auf unsere Logistik, die uns dazu brachten, auf dieselbe Weise, logistisch, zu reagieren», erklärte Selenskyj.

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Die direkten russischen Verluste durch den Angriff auf Wildberries-Lager bezifferte Selenskyj auf rund eine Billion Rubel (etwa 10,3 Milliarden Euro). Rechne man Schulden, Schäden bei anderen Unternehmen und Privatpersonen sowie Kosten für den Wiederaufbau und die Neuorganisation hinzu, könnten die Folgen nach seiner Darstellung drei Billionen Rubel (rund 30,9 Milliarden Euro) erreichen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Zahlen anhand der Stellungnahmen nicht.

Wildberries ist der größte Onlinehändler Russlands und wird deshalb mitunter als «russisches Amazon» bezeichnet. Das Unternehmen wurde 2004 von Tatjana Kim gegründet und hat sich zu einem zentralen Bestandteil des russischen Onlinehandels entwickelt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP läuft inzwischen etwa die Hälfte aller Onlinebestellungen in Russland über die Plattform, auf der Hunderttausende Händler ihre Waren anbieten.

Selenskyj warnt vor Raketenproduktion

Selenskyj erklärte zudem, die ukrainische Führung beobachte die gesellschaftlichen Folgen ihrer Angriffe in Russland. Nach ukrainischen Erhebungen wollten mehr als 60 Prozent der Russen ein Ende des Krieges oder einen Waffenstillstand. Zugleich behauptete Selenskyj, die Unterstützung für die russische Regierungspartei Einiges Russland gehe zurück und die Partei Jabloko sei wegen steigender Zustimmungswerte von einer Wahl ausgeschlossen worden.

Als eine der größten militärischen Gefahren bezeichnete Selenskyj Russlands Produktion ballistischer Raketen. Moskau verfüge derzeit über 600 bis 630 solcher Raketen und könnte nach ukrainischer Einschätzung langfristig bis zu 1.300 pro Jahr herstellen. Die Ukraine versuche deshalb mit Angriffen auf militärische Ziele und Sanktionen, die russische Rüstungsproduktion zu schwächen.

Zugleich fordert Kiew weitere Flugabwehrraketen und zusätzliche Finanzhilfen. Selenskyj will 300 Patriot-Abfangraketen für den Winter sichern und hofft dabei auch auf einen kleinen Teil der US-Bestände. Zudem wartet die Ukraine laut Selenskyj auf 30 Milliarden Euro aus Europa; im Verteidigungshaushalt fehlten derzeit weitere 27 Milliarden Dollar (etwa 23,1 Milliarden Euro), unter anderem für Waffen, Soldzahlungen und die Vorbereitung auf das Jahr 2027.