Während die Jugendarbeitslosigkeit in Europa und Nordamerika steigt, steht die Schweiz gut da. Aber wie lange noch?
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Susanne Schmugge
Sorgenkind Jugendarbeitslosigkeit: Die Arbeitsorganisation der UNO (IAO) ist beunruhigt wegen des weltweiten Anstiegs der Jugendarbeitslosigkeit. Die Schweiz schneidet im Vergleich zu ähnlichen Ländern in Europa und Nordamerika gut ab. Das sieht man am Verhältnis von Jugendarbeitslosigkeit zur generellen Arbeitslosigkeit: Im EU-Raum etwa beträgt die Jugendarbeitslosenquote das Zweieinhalbfache der generellen Arbeitslosenquote. In der Schweiz beläuft sich dieser Wert lediglich auf das Anderthalbfache.
Warum Arbeitslosenquoten unterschiedlich hoch sind
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Die Arbeitslosigkeit wird in der Schweiz auf zwei Arten ausgewiesen: Das Seco wertet monatlich die Daten der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren zu den angemeldeten und vermittelbaren Arbeitslosen aus.
Für die internationale Vergleichbarkeit befragt zudem das BFS vierteljährlich eine Stichprobe der Wohnbevölkerung und macht eine Hochrechnung. Diese Quote ist international vergleichbar mit den IAO-Zahlen und ist stets höher als die des Seco. Besonders deutlich ist das bei der Jugendarbeitslosigkeit (15- bis 24-Jährige): 2024 betrug sie gemäss Seco 2.3 Prozent, gemäss IAO 8.2 Prozent.
Pluspunkt Berufsbildung: Das Schweizer Berufsbildungssystem verbindet Theorie mit viel Praxis. Dadurch können junge Leute, die eine Lehre machen, auf dem Arbeitsmarkt punkten. Auch schulisch Schwächere erhalten eine Chance. Mit Anfang 20 haben Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger dann bereits Berufserfahrung. Und falls sie möchten, bringt der Lehrabschluss auch die Möglichkeit, an einer Hochschule oder Fachhochschule zu studieren. All dies erleichtert den Arbeitsmarkteinstieg deutlich gegenüber rein schulischen Systemen.
Legende:
In puncto Jugendarbeitslosigkeit steht die Schweiz im internationalen Vergleich gut da.
KEYSTONE / Michael Buholzer
Kein kontraproduktiver Kündigungsschutz: Die Schweiz hat einen im Vergleich zu anderen Ländern schwachen Kündigungsschutz. Vor allem älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern hilft ein Kündigungsschutz, junge Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger haben das Nachsehen. Wenn Unternehmen hohe gesetzliche Hürden haben, Angestellte zu entlassen, stellen sie auch weniger Leute ein. Einsteiger haben es dann besonders schwer. In der Schweiz ist die Arbeitslosigkeit bei jungen Leuten zwar höher als bei älteren Arbeitnehmerinnen, aber sie ist kaum je von Dauer.
Was Fachleuten Sorgen bereitet: Die Berufslehre ist weniger gefragt als auch schon. Der Anteil junger Menschen, die nach der obligatorischen Schule eine Lehre beginnen, ist innert gut dreissig Jahren um gut zehn Prozentpunkte zurückgegangen. Der Anteil von Gymnasiastinnen und Gymnasiasten hat sich im gleichen Zeitraum fast spiegelbildlich erhöht. Bildungsökonom Stefan Wolter von der Universität Bern macht sich deshalb Sorgen: «Bei einem geringen, aber stetigen Rückgang über längere Zeit, droht man den Moment zu verpassen, in dem man noch gegensteuern kann.»

Deutschland als abschreckendes Beispiel: Nach Ansicht des Bildungsökonomen passiert genau das gerade in Deutschland: Einst galt die dortige Berufsbildung als Paradebeispiel, heute sei sie am Kränkeln. Dabei hätten verschiedene Phänomene sich gegenseitig verstärkt: Die Zahl der Abiturientinnen und Abiturienten ist in den letzten Jahren stark gestiegen und beträgt mittlerweile über 40 Prozent. Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger gibt es immer weniger. Dadurch bieten auch weniger Unternehmen Lehrstellen an. Ruf und Renommee der Berufslehre leiden.
Die Berufslehre wieder gross machen: Damit das in der Schweiz nicht passiert, will der Bildungsökonom bei den Individuen und den Institutionen ansetzen: Junge Leute und vor allem deren Eltern müssten besser Bescheid wissen, wie die Berufslehre hierzulande funktioniert: welche Chancen, Anschlussmöglichkeiten und Karriereoptionen sie biete. In der Pflicht seien aber auch die Kantone, die mit den Gymnasien die Konkurrenzprodukte zur Berufsbildung betrieben: «Jeder Entscheid, im Kanton eine vollschulische Ausbildung aufzubauen, bedeutet auf lange Sicht einen Abbau des Berufsbildungssystems.»
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