Trotz mehr Aufträgen bleibt die Erholung fragil. Swissmem fordert neue Abkommen, doch die Politik bremst. Die Übersicht.

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Sven Zaugg

Das sagen die Halbjahreszahlen: Die jüngsten Zahlen der Schweizer Tech-Industrie, dem mit rund 330’000 Beschäftigten grössten Industriezweig des Landes, klingen auf den ersten Blick vielversprechend. Von Januar bis Juni verzeichnete die Branche bei den Auftragseingängen ein Plus von 12.1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch Umsätze (+2,5 %)und Exporte (+1,7 %) legten leicht zu. Doch die Freude ist getrübt. Swissmem-Präsident Martin Hirzel dämpft die Erwartungen und betont, dass dieses Wachstum vor allem von Grossunternehmen getragen wird. Die Kapazitätsauslastung liegt mit 81.1 Prozent weiterhin deutlich unter dem langjährigen Mittelwert.

Person kniet vor offener Maschine in Fabrikumgebung.

Legende:

Als grosser Hoffnungsträger gilt das frisch aktualisierte Freihandelsabkommen mit China. Durch den Abbau verbleibender Zölle könnte die Schweizer Exportwirtschaft jährlich rund 250 Millionen Franken einsparen.

Keystone / Gaëtan Bally

KMU unter Druck: Eine Swissmem-Umfrage zeigt eine tiefe Zweiklassengesellschaft. Während die Umsätze der Grossen zulegen, sinken jene der kleinen und mittleren Unternehmen im ersten Halbjahr um 3.8 Prozent. Da KMU überwiegend in der Schweiz produzieren, treffen sie die hohen hiesigen Produktionskosten mit voller Wucht. Nach Jahren mit schwacher Konjunktur in Europa und sinkenden Margen sind die finanziellen Polster vieler Betriebe schlicht weggeschmolzen. Ein Viertel der Firmen schreibt mittlerweile rote Zahlen. Der anhaltende Druck hat bereits zu spürbarem Stellenabbau geführt.

Exporte Tech-Industrie Januar bis Juni 2026 (Balken (gruppiert))

Unsicherheit USA: Die USA waren für die Schweizer Tech-Industrie stets ein Schlüsselmarkt, doch der zunehmende US-Protektionismus bereitet der Branche heftiges Kopfzerbrechen. Die USA erheben neu einen Zollsatz von 12.5 Prozent auf Schweizer Tech-Güter – das sind 2.5 Prozentpunkte mehr als für Produkte aus der EU. Eine US-Untersuchung wegen angeblicher Überkapazitäten könnte diesen Nachteil noch vergrössern (siehe Box). Sollte sich die Zolldifferenz weiter erhöhen, wäre das US-Geschäft für fast die Hälfte der Schweizer Firmen ernsthaft gefährdet. Die Unternehmen müssen deshalb auf andere Märkte ausweichen.

Was untersuchen die USA eigentlich?

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Die US-Regierung hat unter dem sogenannten «Section 301»-Mechanismus des US-Handelsgesetzes Untersuchungen gegen die Schweiz und rund 15 weitere Handelspartner (darunter auch die EU, China und Japan) eingeleitet.

Der Vorwurf lautet, diese Länder würden durch staatliche Beihilfen und Subventionen künstliche industrielle Überkapazitäten und Überproduktionen schaffen. Da diese Produktionsmengen die jeweilige Inlandnachfrage dauerhaft übersteigen, führe dies zu massiven Exportüberschüssen und verzerre den Wettbewerb auf dem US-Markt.

Für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft und die Politik ist dieser Vorwurf kaum durch eigenes Handeln zu entkräften. Die USA nutzen die Untersuchung offensichtlich als handelspolitisches Druckmittel.

Freihandel mit China: Als grosser Hoffnungsträger gilt das frisch aktualisierte Freihandelsabkommen mit China. Durch den Abbau verbleibender Zölle könnte die Schweizer Exportwirtschaft jährlich rund 250 Millionen Franken einsparen. Davon würde insbesondere der Maschinenbau stark profitieren. Allerdings warnt der Nachrichtendienst vor Spionage und gefährlichen Abhängigkeiten bei Lieferketten. Swissmem-Präsident Hirzel wischt diese Bedenken beiseite und argumentiert: «Sollte China tatsächlich in der Schweiz Spionage betreiben, tut sie das mit oder ohne Freihandelsabkommen, mit oder ohne Aktualisierung des bereits existierenden Freihandelsabkommens.» Ganz reibungslos dürfte es dennoch nicht gehen, denn die Grünen haben bereits ein Referendum angekündigt.

Exporte Tech-Industrie Januar bis Juni 2026 (Balken (gruppiert))

Mercosur-Abkommen blockiert: Eigentlich wollte die Schweizer Tech-Branche auch im südamerikanischen Mercosur-Raum mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay Fuss fassen. Doch das Abkommen liegt auf Eis, weil der Nationalrat die Notbremse gezogen hat. Schweizer Bauern fürchten die billige Agrarkonkurrenz aus Übersee, während linke Kreise kritisieren, dass Umwelt- und Klimaschutzanliegen im Abkommen zu kurz kommen. Für Martin Hirzel ist die Blockade unverständlich: «Die EU hat bereits ihr Freihandelsabkommen in Kraft, sodass also unsere EU-Konkurrenz bereits von tieferen Zöllen in Südamerika profitiert, wir aber nicht. Das ist unverständlich und muss jetzt vom Ständerat korrigiert werden.»