Die nachfolgenden Aussagen und Empfehlungen ersetzen nicht die individuelle Abklärung oder Diagnose bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Chat-Protokoll
Lohnt sich das Einfrieren mit 36 noch? Ich war immer recht sicher, keine Kinder zu wollen. Auch habe ich aktuell nicht viel Optimismus auf die weitere Entwicklung der Welt. Aber was, wenn sich die Welt doch noch zum Guten wendet? Oder der Mutterinstinkt doch noch kommt?
Mischa Schneider: Das Einfrieren von Eizellen lohnt sich auch noch mit 36. In diesem Alter können meistens immer noch genügend Eizellen von einer guten Qualität gefunden werden. Damit besteht auch die Möglichkeit, später schwanger zu werden.
Wie viele Eizellen einfrieren, damit die Chance auf mindestens ein Kind wirklich relevant steigt?
Eva Müller-Stucki: Guten Abend, die Anzahl der eingefrorenen Eizellen, aber insbesondere auch das Alter bei Entnahme sind entscheidend für die Chancen auf ein Kind. Daher ist die Empfehlung, ein Social Egg Freezing idealerweise vor dem 35. Lebensjahr in Angriff zu nehmen. Daher ist eine generell gültige Mengenangabe nicht möglich.
Hallo Team Ich bin 23 Jahre alt, habe aber das Gefühl dass ich noch etwas länger brauchen werde um meine grosse Liebe zu finden. Sie wissen sicher wie das ist in der aktuellen Dating Szene! Ab Wann lohnt sich Sozial Freezing überhaupt? Also ab welchem Alter wenn man seinen Traummann noch nicht gefunden hat sollte man überlegen sicherheitshalber etwas in den Tiefkühler zu werfen? Vielen Lieben Dank.
Samia El-Hadad: Danke für die Frage. Es ist fast nicht möglich eine konkrete Zahl zu nennen. Jedoch zum Beispiel 23 Jahre ist in der Regel noch sehr jung, und aus medizinischer Sicht besteht normalerweise kein Anlass, vorsorglich Eizellen einzufrieren. Zudem dürfen Eizellen in der Schweiz derzeit grundsätzlich nur begrenzt gelagert werden (aktuell maximal 10 Jahre). Bei einem Einfrieren mit 23 Jahren wäre man also bereits mit etwa 33 wieder mit der Frage konfrontiert, ob man sie denn noch verwenden möchte. Aktuell schlagen viele Paare den Weg der Elternschaft erst dann oder später ein.
Eine Beratung zum Social Freezing wird eher Ende 20 bis Anfang 30 sinnvoll, optimalerweise vor 35. Allerdings gibt es kein fixes Alter, das für alle Frauen gilt. Wenn wir beispielsweise feststellen, dass eine Frau bereits in jungen Jahren eine sehr geringe Eizellreserve hat – aus unterschiedlichen möglichen Gründen – kann ein früheres Egg Freezing durchaus sinnvoll sein.
Viele Frauen entscheiden sich auch noch nach 35 dafür und es ist erfolgreich. Entscheidend ist letztlich die individuelle Situation und Lebensplanung.
Guten Tag, ich bin 40, habe einen Kinderwunsch und bin kritisch eingestellt gegenüber reproduktionsmedizinischen Verfahren. Einerseits, weil es als Frau in der Regel nicht ohne Hormonbehandlung geht, ich bereits stark unter Hormonschwankungen leide (Stichwort PMDS) und ich meine psychische Gesundheit auch für meinen Kinderwunsch nicht riskieren möchte. Andererseits zeigt die Datenlage erhöhte Risiken für Fehlbildungen beim Kind und für Fehlgeburten. Das wiederum ist erneut belastend für die Psyche und wirft zudem die Frage auf, wie weit darf/soll ich gehen, um mir den Wunsch zu erfüllen. Für Social Freezing ist es für mich zu spät, das wäre jedoch auch keine Option gewesen, als ich noch jünger war. Meine Frage: Was empfehlen sie im Prozess der Entscheidungsfindung (an Literatur, Ansprechpersonen)? Nur weil es möglich ist, heisst es noch lange nicht, dass es stimmig ist. Sich jedoch gegen eine Option zu entscheiden, die von so vielen in Anspruch genommen wird, ist jedoch auch schwierig, da die Frage auftaucht: kann ich damit leben, nicht „alles“ für meinen Wunsch getan zu haben..?
Mischa Schneider: Guten Abend Es ist eine komplizierte Entscheidung, sich für eine Reproduktionsmedizin zu entscheiden. Der wichtigste ist sicher die Beratung in einem anerkannten Zentrum. Die von Ihnen erwähnte Datenlage hinsichtlich Fehlbildungen und Fehlgeburten ist kontrovers und so sind zum Beispiel Fehlgeburten nach einer Kinderwunsch Behandlung praktisch gleich tief wie bei natürlich eingetretenen Schwangerschaften. Auch wenn mit 40 Jahren die Situation nicht ideal ist, kann eine so genannte IVF-Naturelle erfolgen, also eine künstliche Befruchtung mit nur minimaler Hormongabe. Dies senkt die Risiken und Nebenwirkungen. Ich erlebe in meiner Praxis immer wieder, dass Patientin genau vor dem Dilemma stehen, ob sie alles für den Kinderwunsch getan haben. Hier ist eine ausführliche Beratung bei einem Reproduktionsmediziner sicher der beste, erste Schritt.
Grüezi mitenand Was ich mich seit dem ersten Auftauchen des Begriffs «social freezing» frage: Was ist an diesem Verfahren sozial ? Beste Grüsse
Mélanie Levy: «Sozial» meint: aus persönlichen statt medizinischen Gründen (anders als zum Beispiel vor einer Krebstherapie). Der Begriff ist aber irreführend – er klingt nach Lifestyle, dabei stecken oft gesellschaftliche Gründe dahinter: ein fehlender Partner, Arbeits- und Lebenswege, die frühe Elternschaft erschweren. Treffender wäre schlicht «Einfrieren unbefruchteter Eizellen».
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Haben Frauen mit Eierstock-Endometriose mehr Schmerzen bei den Hormonspritzen für das Eizellwachstum zu erwarten?
Mischa Schneider: Aus meiner Erfahrung kann ich im Moment nicht bestätigen, dass Endometriose am Eierstock zu vermehrten Schmerzen bei den Hormonspritzen führt. Allerdings haben Patientinnen mit Endometriose insgesamt etwas mehr Unterleibsbeschwerden bei der Behandlung und vor allem bei der Entnahme der Eizellen. Da Letzteres aber in Narkose erfolgt, ist die Behandlung insgesamt mit wenig Schmerzen verbunden.
Meine Frau ist 34 Jahre alt und recht modern unterwegs. Sie trägt zum Beispiel Jeans statt Röcke. Nun hat sie ihr Mobiltelefon meistens in den vorderen Jeanstaschen. Wir wollen beide unbedingt noch Kinder später und ich frage mich ob diese Mobiltelefon in der Hosentasche Geschichte nicht doch noch unfruchtbar macht. Ich habe mein Mobiltelefon aus demselben Grund immer nur in einer Art Bleihülle im Auto dabei und benutze es möglichst selten. Es wird schon Gründe geben warum die Spermienzahl bei jungen Männern wie mir immer tiefer sinkt. Und zahlt eventuell die Krankenkasse?
Mélanie Levy: Grüezi und danke für die Frage. Zur Handy-Frage und den Spermienwerten sage ich als Juristin bewusst nichts Halbes – das beantworten Ihnen die Kolleginnen und Kollegen aus der Reproduktionsmedizin fundiert. Zur Kasse aus rechtlicher Sicht: Die Grundversicherung übernimmt nur Leistungen zur Behandlung einer Krankheit, und auch dort ist die Fortpflanzungsmedizin nur begrenzt gedeckt. Ein rein vorsorgliches Einfrieren ohne medizinischen Grund («Social Freezing») muss man selbst bezahlen. Was in einem konkreten Fall übernommen wird, klärt man am besten mit der behandelnden Ärztin und der Krankenkasse ab.
– Gibt es einen Unterschied in der Erfolgschance beim Einfrieren von befruchteten bzw. unbefruchteten Eizellen? Erfolgschance allgemein? – Wie viele Monate/Wochen vor der Behandlung zur Entnahme sollte man die Verhütungspille absetzen? – Wie viele Jahre können die Eizellen in der Schweiz eingefroren bleiben und können sie bei gleichgeschlechtlichen Paaren in die andere Beziehungsperson eingesetzt werden? – Wie hoch sind ca. die Kosten? (Behandlung, Einfrieren und jährlicher Aufebwahrungsbetrag – ohne befruchten/einsetzen) – Kennen Sie gute Kliniken im Ausland, die liberaler bzgl. gleichgeschlechtlichen Paaren und Samenbank sind? (Z.B. in den Niederlanden oder in Dänemark / Europa allgemein)
Eva Müller-Stucki:
Die Erfolgschancen sind etwas besser beim Einfrieren von befruchteten Eizellen (Embryonen, typischerweise im Blastozytenstadium), und immer abhängig vom Alter bei Entnahme. Je nach Verhütungsmethode kann/soll die Verhütung bis zum Stimulationsbeginn fortgeführt werden. Aktuell ist in der Schweiz die Lagerung auf 10 Jahre begrenzt. In der Schweiz ist die Eizellspende nicht erlaubt, dies gilt auch für die gerichtete Eizellspende (eine Partnerin spendet die Eizellen, die (nach erfolgreicher Befruchtung und Transfer) bei der anderen Partnerin zu einer Schwangerschaft führen). Für einen Zyklus muss etwa 6000 bis 9000 CHF gerechnet werden, dazu kommen jährlich Lagerkosten von circa 400 bis 800 CHF.
Ich bin 42 und ich habe Kinderwunsch noch so viele Kinder wie möglich zu haben. Macht es Sinn Eier einzufrieren oder zu stimulieren oder andere Fruchtbarkeitstipps, wie aufwendig ist, was sind die Risiken und Kosten? Was ist das Risiko des Schadens durch das einfrieren und dann das implanitieren?
Samia El-Hadad: Mit 42 sollte man ein Einfrieren von Eizellen sehr individuell und kritisch abwägen. Entscheidend ist, wie viele reife Eizellen bei einer Stimulation überhaupt noch gewonnen werden können – das ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Gleichzeitig nimmt die Eizellqualität mit dem Alter deutlich ab, sodass man für eine realistische Chance auf ein späteres Kind häufig eine grössere Anzahl Eizellen benötigt. Daher können mehrere Stimulationszyklen notwendig sein, was sowohl körperlich als auch finanziell belastend sein kann. Das Einfrieren selbst verursacht nach heutigem Wissen keinen relevanten zusätzlichen Schaden. Die entscheidende Herausforderung ist vielmehr die Qualität der Eizellen zum Zeitpunkt des Einfrierens – diese entscheidet dann ob das Implantieren erfolgreich sein kann. Das Implantieren selbst ist nicht risikoreich.
Ich frage mich, warum wir so viele Autisten und andere Menschen, die eine gestörte Empathie haben. Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, einen Zusammenhang mit gefrorenen Ei- und Samenzellen einen Zusammenhang bestehen könnte. Ist das noch ein Tabu. Bei Fruchtwasserpunktionen hat man ja auch schon einen Zusammenhang gefunden, aber es darf nicht laut gesagt werden. Ich jedenfalls hätte ein Problem, wenn ich aus gefrorenen Zellen produziert worden wäre.
Mischa Schneider: Guten Abend und vielen Dank für Ihre Frage. Es gibt Dutzende von Studien, die die Gesundheit von Neugeborenen im Zusammenhang mit gefrorenen Ei- und Samenzellen untersucht haben. Es gibt keinen Zusammenhang mit dem Auftreten von autistischen Störungen. Allerdings gibt es einen bekannten Zusammenhang zwischen dem fortgeschrittenen Alter des Mannes und der Wahrscheinlichkeit für Autismus. Dies ist unabhängig davon, ob Spermien frisch oder aufgetaut verwendet werden. Studien belegen klar, dass es KEINEN Zusammenhang gibt zwischen Fruchtwasserfunktionen und Autismus.
SocialFreezing um der Medizin Zeit zu geben? Wir sind seit 5 Jahren in KiWu-Kliniken (Wechsel nach 4.5 Jahren, brauchten frischen Wind & neuen Mut), in beiden Kliniken top betreut und anfangs ein vermeintlich einfacher Fall. O-Ton: sie bekommen wir schnell schwanger. Ich bin jetzt 34 Jahre alt. Bisher haben drei ICSIs und viele Blastos nicht zum Erfolg geführt. 3x PGT-A gemacht, also nach allen ICSIs. Alle Diagnostik durch (Genetik & Gerinnung diesen Sommer). 7 Kryos, davon 5 euploide Blastos, 1x Fehlgeburt (1. TF Juli 23), 1x Biochemische SS (Jan 26). Nun fragen wir uns, auch in Anbrecht meines Alters, ob Social Freezing sinnvoll wäre und darauf zu hoffen, dass die Medizin in der Schweiz in zb 3 Jahren weiter ist als aktuell? Spanien ist für uns aktuell logistisch kaum machbar, auch wenn wir dort vielleicht die höheren Erfolgschancen hätten. Daher der Gedanken ans Social Freezing, um so Zeit gewinnen für vielleicht neue medizinische Möglichkeiten in ein paar Jahren. Jetzt Eizellen einfrieren, pro ICSI habe ich jeweils ca 30 reife Eizellen. Sinnvoll? Unsere Verzweilfung ist mittlerweile riesengross genauso wie die Angst, dass unser Kinderwunsch für immer unerfüllt bleibt. Obwohl jedes Mal alles perfekt aussieht.
Mischa Schneider: Guten Abend und vielen Dank für die komplexe Frage. Ich versuche hier die Fragen gebündelt zu beantworten:
Da sie gerade in Behandlung sind, würde ich diese fortführen und kein Social Freezing beginnen. Wir gehen davon aus, dass eingefrorene Eizellen ein Potenzial von 70 Prozent haben im Vergleich zu frischen Eizellen. Ich sehe aktuell keinen Vorteil für eine Behandlung in Spanien. Solange keine Eizellspende nötig ist, ist die Behandlung in der Schweiz qualitativ gleich gut. Da sie sich anscheinend in einem guten Kinderwunschzentrum befinden, würde ich der dortigen Expertise folgen und mit der angefangenen Therapie weiterfahren.
Hierfür wünsche ich Ihnen viel Erfolg.
Guten Tag, vor 4 Wochen wurde mir (32) eine 3,5 cm Zyste (Endometriom) am rechten Eierstock, eine kleinere Zyste am linken Eierstock sowie weitere Endometrioseherde an der Beckenwand entfernt. Da zurzeit kein Kinderwunsch besteht, nehme ich Dienogest 2mg ein. Jetzt wo ich die Sendung zu Social Egg Freezing anschaue, frage ich mich, ob das sinnvoll wäre. Ich könnte mir vorstellen, dass ich vielleicht später doch noch einen Kinderwunsch entwickle. Würden Sie mir empfehlen diesen Weg zu gehen mit diesen Voraussetzungen?
Eva Müller-Stucki: Guten Abend, vielen Dank für die Frage. Ich würde Ihnen bei Interesse empfehlen, ein Kinderwunschzentrum aufzusuchen und im persönlichen Gespräch mehr darüber zu erfahren. Ich würde Ihnen sehr empfehlen, diesen Weg zu begehen; dagegen entscheiden können Sie sich ja immer, wenn es auf dem Weg nicht stimmt… Alles Gute!
Hallo liebes Team, Ich bin 36 Jahre und nehme zur Zeit Medikamente – Lithium, Lamotrigin und Quetiapin. Meine Frauenärztin hat empfohlen jetzt social freezing zu machen gerade weil im Dezember 2024 bei mir festgestellt wurde dass beide Eileiter voller Flüssigkeit sind und ich nicht auf natürlichem Weg schwanger werden kann. Sollte man bevor man social freezing macht, die Medikamente abgesetzt haben? Welche Kliniken für social freezing können Sie in Zürich und Umgebung empfehlen? Hätte ich eine Chance auf medical freezing mit meiner Vorgeschichte? Vielen Dank für Ihre Antwort.
Samia El-Hadad: Guten Abend. Die genannten Medikamente müssen für ein Egg Freezing nicht abgesetzt werden. Wichtig ist vielmehr, dass Sie psychiatrisch gut eingestellt sind und begleitet werden, weil die Medikation eventuell bei einer Stimulation angepasst werden muss. Vor einer späteren Schwangerschaft sollte die Medikation dann nochmals gemeinsam mit Psychiaterin und Kinderwunschzentrum/Gynäkologe geprüft und gegebenenfalls geändert oder angepasst werden. Auch die Flüssigkeit in den Eileitern bedeutet nicht automatisch, dass eine natürliche Schwangerschaft ausgeschlossen ist. Je nach Befund kann man dies zunächst im Verlauf kontrollieren und die Eileitersituation nochmals genauer beurteilen. In Zürich und Umgebung gibt es mehrere gute Kinderwunschzentren, bei denen Sie unkompliziert ein Erstgespräch vereinbaren können. Dort kann man sowohl das Egg Freezing als auch die Eileitersituation individuell nochmals beurteilen.
Guten Abend. Gemäss Gutachten im Auftrag des BAG stellt das Einsetzen der befruchteten Eizelle der Lebenspartnerin schon nach heutigem Recht keine Eizellenspende dar und sollte entsprechend erlaubt sein. Richten sich Kinderwunschzentren nach dieser Einschätzung und führen das durch? Falls nicht und die Eizellen eingefroren werden (befruchtet oder unbefruchtet), werden diese auf Anfrage in ein Kinderwunschzentrum ins Ausland versendet? Danke für die Auskunft und einen schönen Abend.
Mischa Schneider: Guten Abend und vielen Dank für Ihre Frage. Eigentlich müsste ich jetzt zurückfragen, ob es sich bei Ihnen um eine Partnerschaft zwischen zwei Frauen handelt. Soweit ich weiss, werden diese Paare in der Schweiz mit einer Samenspende behandelt, aber jede Frau erhält ihre eigene Eizelle zurück. Die Zentren halten sich klar an die rechtlichen Vorgaben. Falls Eizellen eingefroren werden (gilt auch für befruchtete Eizellen), so können diese auf Anfrage ins Ausland versandt werden. Bei einer unbefruchteten Eizelle kann die Patientin alleine entscheiden. Ich wünsche Ihnen alles Gute!
Der Frauenkörper ist so geschaffen, dass mit ca. 35 Jahren, weniger Eizellen vorhanden. Die Natur hat das gut gedacht. Das Alter der Mutter ist auch gut für das Kind. Für mich ist das eine ethische Frage.
Mélanie Levy: Danke – das ist tatsächlich eine ethische Kernfrage. Für mich ist «natürlich» aber nicht automatisch «richtig»: Fast die ganze Medizin greift in die Natur ein, von der Brille bis zur Krebstherapie. Entscheidend ist für mich nicht «natürlich oder nicht», sondern: Ist eine Entscheidung gut informiert, freiwillig und fair? Interessanterweise macht es auch das Schweizer Recht so: Das Fortpflanzungsmedizingesetz legt gar keine fixe Altersgrenze für die Nutzung fest, sondern verlangt, dass die Eltern voraussichtlich bis zur Volljährigkeit des Kindes für es sorgen können – eine bewusst «weiche» Grenze. Dass mit dem Alter medizinische Risiken steigen, stimmt und gehört offen angesprochen – aber daraus eine allgemeine Norm abzuleiten, finde ich heikel. Auffällig ist, dass diese «natürliche Grenze» fast nur bei Frauen betont wird, kaum je bei älteren Vätern.
Bieten befruchtete Eizellen (Embryonen) höhere Erfolgschancen beim Auftauen und für eine spätere Schwangerschaft im Vergleich zu unbefruchteten Eizellen?
Eva Müller-Stucki: Guten Abend Ja. Aber es ist unvollständig, eingefrorene Embryonen mit Eizellen zu vergleichen, etwa wie wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht.
Damit ein Embryo eingefroren werden kann, hat er bereits viele Hürden auf dem Weg zu einer Schwangerschaft genommen, die einer Eizelle noch bevor stehen. Somit hinkt der Vergleich. Wichtiger Punkt: über eingefrorene Eizellen entscheidet die Frau, über eingefrorene Embryonen das Paar. Oder anders gesagt: Nur eingefrorene Eizellen erhalten die fertilitätstechnische Unabhängigkeit.
Guten Abend Ich (weiblich,34) würde gerne wissen ob die Krankenkasse auch bei psychischen Erkrankungen das Social Eggfreezing bezahlt? Was wenn man gerade gar nicht in der Lage ist eine Beziehung einzugehen oder sich um Kinder zu kümmern, doch die Chancen sehr gut stehen, dass dies in ein paar Jahren möglich sein wird?
Mischa Schneider: Guten Abend Das Social Egg Freezing wird in der Schweiz bisher nicht von der Krankenkasse bezahlt. Es spielt auch keine Rolle, wieso ein Social Freezing durchgeführt wird. Lediglich im Rahmen einer Krebsbehandlung (was wir als Medical Freezing bezeichnen), übernehmen die Krankenkasse die Behandlung mit Einfrieren der Eizellen. Es tut mir leid, dass ich Ihnen hier keine erfreulichere Antwort geben kann. Ich wünsche Ihnen alles Gute.
Rückfrage zur Antwort von Dr. Mischa Schneider: vielen herzlichen Dank für die Einsschätzung, meine Sorge bezog ich sich noch mehr auf mein Alter. Wir können mit unseren aktuellen Blastos noch 9 Transferversuche machen, danach ist wohl Schluss. Eine 4. ICSI ist aktuell kein Thema. Und ich frage mich, ob ich mit 37/38 (wenn es vielleicht neue medizinische Möglichkeiten gibt) dann noch Eizellen habe oder ob ich jetzt vorsorgen müsste, weil es bei uns auch die gesunden Blastos nicht schaffen zu bleiben. Ist ein Neustart mit 37/38 ohne jetzt eingefrorene Eizellen noch möglich? Aktuell ist mein AMH-Wert noch sehr gut…
Mischa Schneider: Wenn ich die Angaben aus ihrer ersten Frage noch richtig im Kopf habe, haben Sie eine gute Einzelreserve. Somit wäre auch eine künstliche Befruchtung mit 37 oder 38 Jahren noch ein gangbarer Weg. Da sie aktuell aber noch neun Embryonen zur Verfügung haben, sehe ich keinen Grund, jetzt Eizellen einzufrieren. Ein Social Freezing ist eine Behandlung, um Zeit zu gewinnen und den Kinderwunsch auf später zu verschieben. Da sie aber jetzt schon in der Kinderwunschbehandlung sind, rate ich von einem Social Freezing ab. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht gegen ein Social Freezing. Aber für jede Behandlung muss eine entsprechende Begründung vorliegen, wir nennen dies Indikation. Und in ihrem Fall sollte die Kinderwunsch-Behandlung weitergeführt werden, weswegen ich vom Social Freezing abrate.
Wenn ich die Beiträge hier lese greaut es mir echt was mir noch bevorstehen (soll?) Kann dieser unerfüllte Kinderwunsch (sich unbedingt SELBST reproduzieren zu müssen) so stark sein dass man all die Mühe und Kosten auf sich und andere nimmt? Das ist doch einfach ein Riesenbusiness, und Adoption oder einfach Akzeptanz bzw. sich auch an anderen Kinderleben von Familie und Freunden beteiligen ist auch eine Option! Irgendwie scheint das bei all dem medizinisch (theoretisch) Möglichen total unterzugehen.
Verena Ehrbar: Vielen Dank für Teilen Ihrer Gedanken und Ihres Empfindens. Ich kann gut nachvollziehen, dass in einem ersten Moment der Auseinandersetzung des Themas überwältigende Emotionen aufkommen können. Der Wunsch nach einem Kind ist sehr individuell ausgeprägt und so entstehen auch sehr viele unterschiedliche Wege zu einem Kind… oder zu einem Leben ohne eigenem Kind. Dieses Prozess beansprucht viel Zeit und Raum, insbesondere wenn die Situation nicht diejenige ist, die man sich initial für sich gewünscht hat. Wenn dafür professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden möchte, gibt es Psychotherapeutinnen und Beraterinnen, die sich in diesem Bereich (Reproduktionsmedizin) spezialisiert haben und sie in diesem Prozess begleiten können. Schauen Sie sonst bei Interesse auf der Webseite der Schweizerischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin nach Fertiforum für mehr Informationen und Adressen.
Da mein Partner Hodenkrebs hatte, können wir nicht auf natürliche weise schwanger werden. Er hat noch eingefrorene Spermien. Für eine Schwangerschaft käme ich (34) somit nicht um eine Eizellentnahme herum. Würde in diesem Fall die Krankenkasse bezahlen?
Mischa Schneider: Vielen Dank für diese Frage. Wenn Spermien eingefroren sind, können diese auch für eine Insemination verwendet werden. Dabei wird der Zyklus der Frau überwacht und am Eisprung werden die aufgetauten Spermien in die Gebärmutter eingespritzt. Dies ist schmerzfrei und eine insgesamt einfache Behandlung. Dafür müssen aber die Spermien eine gewisse Qualität aufweisen. Eine Inseminationsbehandlung mit eingefrorenen Spermien wird für drei Zyklen von den Krankenkassen übernommen. Falls die Spermien nicht für eine Insemination ausreichen, muss eine künstliche Befruchtung erfolgen. Leider gibt es aktuell keine Kostenübernahme durch die Krankenkassen für diese Form der Behandlung. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.
Ich möchte unbedingt Kinder, Social Freezing könnte mir bei diesem Wunsch sicherlich helfen. Was kostet das Verfahren ungefähr? Mein konkretes Problem besteht darin, dass ich ein Mann im besten Alter bin, 47 Jahre alt und aktuell Single. Wie stehen die Chancen beim wiedereinpflanzen der befruchteten Eizelle?
Mischa Schneider: Vielen Dank, dass sie mit ihrer Frage auch das Thema Social Freezing beim Mann ansprechen. Bei Männern ist der Zusammenhang zwischen Alter und Spermienqualität weniger ausgeprägt als bei Frauen und der entsprechenden Eizellqualität. Deswegen können Männer auch noch in höherem Alter Schwangerschaften erzeugen. Das Einfrieren von Spermien ist vor allem vor einer Hormon- oder Chemotherapie zu empfehlen. Die Kosten für das Einfrieren von Spermien belaufen sich auf circa 500 bis 800 CHF. Dies ist abhängig von der Anzahl Samenproben, die abgegeben werden. Dazu kommen Lagerkosten von 400 CHF pro Jahr. Bei einer guten Spermienqualität sind die Chancen für die Befruchtung einer Eizelle nach dem Auftauen gut. Hier spielt dann die Qualität der Eizelle eine ganz entscheidende Rolle.
Guten Abend, «social freezing» bei erhaltener Fertilität dient als Reserve für allfällige Schwierigkeiten bei einem zukünftigen Kinderwunsch. Beim Entscheid wie viele Eizellen eingefroren werden, wird mit einbezogen wie viele Kinder man sich wünscht?
Mischa Schneider: Guten Abend und danke für diese Frage. Wir beraten die Frauen immer hinsichtlich des jetzigen Alters und fragen, wie viele Kinder gewünscht werden. Je mehr Kinder gewünscht werden, desto mehr Eizellen sollten bei einem Social Freezing eingefroren werden. Hier kann ich auch ein Beispiel geben: Mit 35 bis 37 Jahren reichen 16 eingefrorene Eizellen in 70 Prozent für ein Kind. Um die gleiche Chance (also 70 Prozent) für zwei Kinder zu haben, braucht es zwischen 28 und 30 Eizellen.
Ich (36) habe vor drei Jahren Eizellen eingefroren aufgrund damals (noch gerade) fehlendem Partner. In drei Anläufen habe ich 5 Eier zusammenbekommen und mir wurde gesagt, dass meine Reserve nicht mehr gross ist. Ich glaube, die Behandlungen haben bei mir alles wieder angekurbelt und ich wurde (nun mit Partner) gleich beim ersten Versuch schwanger. Mein Kind ist jetzt 1 Jahr alt. Ich hätte gerne ein zweites Kind und nun beschäftigen mich zwei Dinge: 1. Sollte ich nicht allzu lange warten, um wieder schwanger zu werden, da meine Reserve nicht hoch ist? Ist ein halbes Jahr mehr schon zu viel? 2. Falls es klappen sollte mit dem zweiten Kind, wie geht es mit den eingefrorenen Zellen weiter? Wenn man sie der Forschung überlässt, was wird damit gemacht? Wie kann ich sicher sein, was damit geschieht, wenn ich sie «vernichten» will?
Mischa Schneider: Guten Abend und auch ihnen vielen Dank für die Frage.
Zuerst einmal gratuliere ich Ihnen, dass es gleich beim ersten Versuch geklappt hat und dass Sie jetzt ein einjähriges Kind haben.
Zur ersten Frage: Bei einer eingeschränkten Eizellreserve sollte tatsächlich nicht allzu lange mit einer Behandlung gewartet werden. Trotzdem empfiehlt es sich, nach einer Schwangerschaft ein Jahr abzuwarten, damit sich die Gebärmutter und der Körper von einer Schwangerschaft erholen können. Ich kann Ihnen aber auch sagen, dass es nicht auf den einen oder anderen Monat ankommt. Am Schluss hängt es vom Bauchgefühl ab, ob man für eine Therapie oder eine zukünftige Schwangerschaft wieder bereit ist.
Nun zu Ihrer zweiten Frage: Falls Sie erfolgreich schwanger werden und die Eizellen nicht benötigen, bleiben diese vorerst eingefroren. In der Schweiz dürfen die Eizellen für maximal zehn Jahre eingefroren werden. Falls Sie die Eizellen nicht mehr benötigen, können Sie die Lagerung beenden. Meistens erfolgt dies über einen schriftlichen Auftrag an das Kinderwunschzentrum. Die Eizellen werden dann aufgetaut und vernichtet. Das Einfrieren und Auftauen von Eizellen muss dem Kantonsarzt gemeldet werden, so dass hier eine behördliche Überprüfung vorliegt.
In der Schweiz ist aktuell das Spenden von Eizellen untersagt, und meines Wissens gibt es keine Forschung an Eizellen, sodass diese auch nicht an die Forschung gespendet werden können.
Welchen Einfluss hat MIgräne auf die Erfolgswahrscheinlichkeit der Hormonstimulation (Anzahl & Qualität Eizellen)? Welchen Einfluss haben die zusätzlichen Hormone auf die Migräne? Welchen Einfluss haben Migränemedikamente, insbesondere Triptane und CGRP-Antikörper auf die Stimulation? Muss ich die CGRP Antikörper Behandlung absetzen und falls ja wann?
Samia El-Hadad: Migräne an sich hat keinen negativen Einfluss auf die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Egg Freezings. Wir haben keine Hinweise dafür, dass Frauen mit Migräne weniger oder qualitativ schlechtere Eizellen gewinnen. Die Stimulation kann allerdings durch die starken hormonellen Schwankungen bei einem Teil der Patientinnen die Migräne triggern oder verstärken. Triptane können bei Bedarf zur Akutbehandlung eingesetzt werden; ein negativer Einfluss auf die Eizellqualität ist nicht bekannt. Bei CGRP-Antikörpern ist die Situation anders: Hier fehlen direkte Daten zu Eizellstimulation und Eizellkryokonservierung vollständig. Es gibt bisher keinen Nachweis, dass diese Medikamente die Zahl oder Qualität der Eizellen beeinträchtigen. Lediglich in einer Schwangerschaft dürfen sie nicht gegeben werden, weshalb man oft auch bei einem Egg Freezing vorsichtig ist. Wegen der langen Halbwertszeit bleibt der Wirkstoff allerdings über mehrere Monate im Körper. Deshalb kann bei einem Egg Freezing ein Absetzen 3 bis 4 Monate vor der Stimulation erwogen werden. Das ist jedoch eher eine Vorsichtsmassnahme, als eine Regel. Ob und wie lange pausiert werden sollte, muss sicher ganz individuell entschieden werden – insbesondere muss man die Schwere der Migräne abwägen, da bisher kein negativer Effekt für die Eizellqualität bewiesen wurde.
Danke Herr Dr. Mischa Schneider für Ihre Antwort, auch wenn bei uns aktuell keine Indikation für ein Social Freezing besteht. Irgendwie macht man sich, nach so vielen negativen künstlichen Befruchtungen, aus Verzweiflung die skurrilsten Gedanken! Aber Sie haben mir Mut gemacht, an die 9 Embroys zu glauben und sonst dann eine 4. ICSI zu machen, ohne jetzt schon ein Social Freezing zu machen. Meine KiWu-Ärztin ist zum Glück auch weiterhin optimistisch! Danke Ihnen von Herzen für Ihre grossartige Arbeit!
Mischa Schneider: Vielen, lieben Dank. ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft.