Luis Manuel Aviles (48) aus Nicaragua sitzt in Abschiebehaft – obwohl er seit 19 Jahren in den USA lebt und eine US-Arbeitserlaubnis besitzt.Sein Sohn Joshua dient seit über 250 Tagen als Marinesoldat auf dem Flugzeugträger «USS Abraham Lincoln» im Nahen Osten.Die Trump-Regierung fährt den Einwanderungsschutz für Militärfamilien zurück – Dutzende Eltern und Ehepartner aktiver Soldaten wurden bereits festgenommen.

Als Luis Manuel Aviles von US-Grenzschutzbeamten festgenommen wurde, befand sich sein Sohn bereits im neunten Monat seines Einsatzes auf See. Er dient auf dem Flugzeugträger «USS Abraham Lincoln», der kürzlich den Rekord für die längste ununterbrochene Zeit eines US-Militärschiffs auf See aufstellte. Berichten zufolge führte die lange Einsatzdauer zu Versorgungsengpässen und belastete die psychische Gesundheit der Soldaten.

Der 48-jährige Luis Manuel Aviles aus Nicaragua wurde festgenommen, nachdem er sein Haus verlassen hatte, wie seine Frau Argelia Aviles schildert. Ihr Mann arbeite als Handwerker in Key West, Florida, habe eine US-Arbeitserlaubnis und lebe seit 19 Jahren in den USA. «Er widmet sich ausschliesslich der Arbeit, damit er zu Hause Essen auf den Tisch bringen kann. Er ist ein guter Vater. Er liebt seine Kinder von ganzem Herzen», sagt die 47-Jährige.

Schutz für Militärfamilien wird zurückgefahren

Die Festnahme erfolgt in einer Zeit, in der die Trump-Regierung den Einwanderungsschutz für Militärfamilien zurückfährt, um ihre Politik der Massenabschiebungen voranzutreiben. Im Zuge der Verschärfungen wurden bereits Dutzende Eltern und Ehepartner aktiver US-Soldaten festgenommen.

Dabei geht es um eine Regelung, die Militärfamilien bislang besonderen Schutz gewähren konnte. Die sogenannte «Military Parole-in-Place» kann Ehepartnern, Kindern und Eltern von aktiven Soldaten und Veteranen ermöglichen, ihren Aufenthaltsstatus innerhalb der USA zu regeln. Es gibt jedoch Ausnahmen: Wer etwa sein Visum überzogen oder bereits an der Grenze einen legalen Status beantragt hat, hat keinen Anspruch auf die Regelung.

Sohn kämpft für die USA – Vater sitzt in Abschiebehaft

Das Heimatschutzministerium wirft Aviles vor, illegal in die USA eingereist zu sein. Es bestätigte, dass Grenzschutzbeamte ihn am vergangenen Samstag festgenommen hätten. Er bleibe in Gewahrsam der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE, während die Regierung seine Abschiebung anstrebe, hiess es am Sonntag in einer Erklärung. «Ein Familienmitglied beim Militär zu haben, ist kein Freifahrtschein, um gegen die Gesetze unseres Landes zu verstossen.»

Aviles‘ Sohn Joshua erfuhr am Samstag in einem Anruf von der Festnahme seines Vaters. In einem Facebook-Beitrag schrieb er danach, er leiste auf der im Nahen Osten eingesetzten «Lincoln» seit mehr als 250 Tagen Zwölfstundenschichten. Er befinde sich weiterhin auf dem Flugzeugträger, «im Kampf für ein Land, das mir alles gegeben hat».

«Es bricht mir das Herz»

Die Festnahme seines Vaters habe ihm das Herz gebrochen, schrieb der junge Mann. «Ich weiss nicht, wie ich psychisch weiterhin mehr als zwölf Stunden am Tag arbeiten soll, in dem Wissen, dass mein Vater irgendwo ist und möglicherweise wie ein Krimineller behandelt wird.»

Joshuas Schwester Catherine Delgado sagt, ihr Bruder sei auch zum Militär gegangen, weil er geglaubt habe, dies würde die Chancen seines Vaters auf die US-Staatsbürgerschaft verbessern. So müsse dieser «nicht länger in Angst vor einer Verhaftung leben». Die lange Trennung von Joshua, den sie als ihren «besten Freund» bezeichnet, sei für sie verheerend.

Nicht genug zu essen an Bord?

«Ich habe Wochen damit verbracht, ohne zu wissen, wo er war», sagt die 28-Jährige. Als sie endlich von ihm gehört und erfahren habe, dass er nicht genug zu essen bekomme, habe sie Hunderte Dollar für Care-Pakete ausgegeben. Einige davon seien nie angekommen. Der lange Einsatz auf See soll unter anderem zu Engpässen bei Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln geführt haben.

Das Pentagon verwies Anfragen an die Marine. Diese reagierte am Sonntag zunächst nicht auf eine Anfrage der AP. Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte zuvor erklärt, die Zustände an Bord der «Lincoln» würden «völlig falsch dargestellt».

«Er wollte seinen Sohn umarmen»

Nach jüngsten Berichten soll der Flugzeugträger bald von einem anderen abgelöst werden und mit seiner Besatzung heimkehren können. Ihr Mann sei ganz aufgeregt gewesen, als er davon gehört habe, sagt Argelia Aviles. «Er wollte seinen Sohn umarmen, da er ihn seit neun Monaten nicht gesehen hatte.»

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