Viermal sechs Punkte – schlechter hätte die Woche für Manuela Piccirillie-Caputi kaum enden können. Die Gastronomin aus Ulm-Söflingen tritt mit ihrem Restaurant „Il Sapore“ derzeit bei der Kabel-eins-Sendung „Mein Lokal, Dein Lokal“ an. Am Ende wird sie auf dem letzten Platz landen. Ausgerechnet Manuela, die bei den anderen besonders genau hinschaut, muss sich der harten Kritik ihrer Konkurrenten stellen – und deshalb in der Küche einige Tränen verdrücken. „Es war keine schöne Erfahrung“, sagt die 48-Jährige hinterher. „Ich wurde ein bisschen fertiggemacht.“
Fünf Gastronomen aus dem Ulmer Raum sind seit Montag jeden Abend mit ihren fünf unterschiedlichen Konzepten auf Kabel Eins und Joyn zu sehen. Zu den Kontrahenten gehören David vom „AMI“ im Designhotel Löwen in Ulm-Söflingen, Steffi vom „Waldvogel“ in Leipheim, Fabian vom „Heinrichs 161“ in Neu-Ulm, Mahir vom „Gasthof Blautopf – Das Steakhaus“ in Blaubeuren – und eben Manuela vom „Ristorante Il Sapore“ in Söflingen. Vor den Dreharbeiten wussten die Teilnehmer offenbar noch nicht, wer ihre vier Konkurrenten sein würden.

Einen ganzen Tag lang wurde bei Manuela (Mitte) im „Il Sapore“ gedreht. Die anderen Teilnehmer – Fabian, David, Mahir und Steffi (von links) – sollten mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert verwöhnt werden. So zumindest der Plan. (Foto: Just Friends Productions GmbH)
„Mein Lokal, Dein Lokal“ in Ulm: TV-Dreh stoppt Betrieb
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Für Manuela, die ihr Restaurant seit zweieinhalb Jahren führt und dieses selbst als „authentisch italienisch“ beschreibt, begann das TV-Experiment zunächst ganz unkompliziert. Die Redaktion schrieb sie vor einigen Monaten an und fragte, ob sie teilnehmen möchte. Ihre spontane Antwort: „Warum nicht?“ Im Mai wurde schließlich einen ganzen Tag lang bei ihr in Söflingen gedreht. Wegen der Kameras konnte der normale Betrieb nicht weiterlaufen, wie sie nun im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung erzählt.
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Gleich in der ersten Folge, als die Kandidaten bei David im „AMI“ zu Gast sind, zeigt sich, dass Manuela selbst kein Blatt vor den Mund nimmt und in der Show zu einer scharfen Kritikerin avanciert. Eine Rinderkraftbrühe mit Sellerie, Lauch und Trüffel soll 16 Euro kosten. Für Manuela ist das zu viel. Sie bezeichnet sich selbst als Trüffelkennerin und sagt: „Für mich ist es das nicht wert.“ Außerdem vermutet sie, dass neben frischem Trüffel auch Trüffelöl verwendet worden sei. „Nein, das geht nicht.“

Kochprofi Christian Henze zu Besuch bei Manuela in Söflingen. Was hält der Experte von ihrer italienischen Küche? (Foto: Just Friends Productions GmbH)
Kochprofi Christian Henze, der die Sendung aus dem Off als Experte begleitet, widerspricht dieser Vermutung. Er glaube nicht, dass Öl verwendet worden sei. Gleichzeitig räumt er Manuela das Recht auf ihre Kritik ein: Wenn ihr ein Gericht nicht schmecke, dürfe sie das selbstverständlich sagen. Geschmäcker seien selbstredend verschieden.
Spannungen am Set: „Vielleicht lag es an meiner Art“
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Doch Manuela erlebte den Dreh mit den anderen Gastronomen aus dem Raum Ulm als zunehmend angespannt, wie sie hinterher erzählen wird. „Die haben mich schon bisschen fertiggemacht“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie habe das Gefühl gehabt, von ihren vier Kollegen „ein bisschen zu negativ beurteilt“ worden zu sein. Vielleicht, vermutet sie, sei ihre direkte Art nicht gut angekommen. So schaukelte sich während der Dreharbeiten bei Fabian im „Heinrichs 161“ etwa eine Pizza-Pinsa-Diskussion mit Mahir nach oben.
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In der vierten Folge ist Manuela selbst an der Reihe. Für sie ist das „Il Sapore“ nicht einfach ein Restaurant, wie sie gegenüber Kochprofi Henze betont. Sie beschreibt ihre Küche als „Nonna-Küche“, geprägt von dem, was sie von Oma und Mama gelernt habe. Schon als kleines Kind habe sie zu Hause leidenschaftlich Gnocchi gemacht. Gastronomie sei für sie „eine liebevolle Art, einen Menschen glücklich zu machen“.
Tränen nach Kritik: „Perfektionistin“ zeigt Emotionen
Im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern steht die 48-Jährige aber selbst nicht in der Küche, sondern ihre Köche Tanino und Alberto, von denen sie in der Sendung als „Perfektionistin“ beschrieben wird. Entsprechend emotional fällt Manuelas Reaktion aus, als die Konkurrenten ihr Feedback abgeben. Die 48-Jährige verzieht sich daraufhin in die Küche und verdrückt dort ein paar Tränen. „Das sieht man leider auch im Fernsehen“, erzählt sie hinterher.

Kontrahent Mahir (hinten) aus Blaubeuren schaut sich die Küche von Manuela ganz genau an. Hält das Entrecôte, was es verspricht? (Foto: Just Friends Productions GmbH)
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Was hat den anderen nicht gefallen? Mahir bemängelt etwa die Fleischqualität des Entrecôtes und rät Manuela, ihren Zulieferer darauf anzusprechen. Fabian hält den Rand des Pizzateiges für zu hart. Und Steffi vermisst einen roten Faden im Konzept und sagt, sie habe das „wilde und laute Italien“ auf dem Teller vermisst. Beim Dessert stören sich die Gastronomen unter anderem an exotischen Früchten, die für sie nicht recht zum italienischen Konzept passen. Auch die Preise vieler Gerichte stoßen den anderen auf.
Kochfehler kostet Manuela Punkte für „Il Sapore“
Dazu kommen handwerkliche Patzer. Kochprofi Christian Henze hatte Manuela und ihr Team bereits beim Vorkochen darauf hingewiesen, den kross gebratenen Lachs nicht in die Soße zu legen. Beim eigentlichen Essen mit den Konkurrenten passiert derselbe Fehler erneut. Am Ende sind sich die vier Konkurrenten einig: Jeder gibt dem „Il Sapore“ sechs von zehn Punkten. Damit landet Manuela auf dem letzten Platz.
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Henze sieht das Restaurant derweil etwas positiver. Er gibt Manuela sieben Punkte. Sein Fazit fällt grundsätzlich wohlwollend aus: Er habe sich bei ihr wohlgefühlt, lobt den Style des Restaurants, den mediterranen Touch und die Größe. In der Küche habe es allerdings kleine Schwächen gegeben, die sich verbessern ließen. Sein Rat an Manuela: Kritik wertschätzend annehmen.
Lernen aus der TV-Panne: Manuela will weitermachen
Trotz der Enttäuschung vor laufender Kamera will Manuela aus der Erfahrung etwas mitnehmen, wie sie im Gespräch deutlich macht. „Natürlich gibt es immer etwas zu lernen in dieser Branche“, sagt sie. Und nach den sechs Punkten der Konkurrenten kündigt sie an: „Das, was schiefgelaufen ist, wollen wir wiedergutmachen.“

Gute Miene zum bösen Spiel? Hinterher berichtet Manuela (Zweite von rechts) von einer angespannten Stimmung unter den Teilnehmern. (Foto: Just Friends Productions GmbH)
Ihr Restaurant wolle sie deshalb nicht grundsätzlich verändern. Sie mache es aus Leidenschaft, sagt sie. Ihre Gäste seien für sie wie eine Familie. Und sie weiß auch: „Man muss akzeptieren, dass es nicht jedem gefallen kann.“ Aus ihrer Sicht sei das auch das Problem an der TV-Sendung, wo Köche mit andersartigen Konzepten gegeneinander antreten sollen. „Jeder hat seinen eigenen Geschmack. Wie soll man das vergleichen?“
Was sagen die anderen Teilnehmer?
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Was die mutmaßlich angespannte Stimmung angeht, erklärt etwa der Neu-Ulmer Teilnehmer Fabian Müller auf Nachfrage: „Der Austausch unter uns Gastronomen war sehr freundlich und absolut fair. Wir haben uns gut verstanden und eine schöne gemeinsame Woche mit unserer Leidenschaft – dem Kochen und dem Essen – verbracht. Aber natürlich spielte der Wettkampf mit, gewinnen möchte ja jeder.“ Er selbst wurde am Ende Vorletzter, den Sieg holte sich David Prost mit dem „AMI“.
Bleibt die Frage: Würde Manuela Piccirillie-Caputi nach der für sie unschönen Erfahrung noch einmal bei „Mein Lokal, Dein Lokal“ mitmachen? Die 48-Jährige muss kurz überlegen – und sagt dann: „Ja, würde ich.“ Warum? „Weil dann wahrscheinlich andere Kontrahenten dabei wären.“