„Eine der größten Sicherheitsfragen, mit denen wir uns während des gesamten Verfahrens beschäftigten, war, ob das Einspritzen von Mitochondrien ins Auge eine Immunreaktion auslösen würde“, erklärt Dr. David Putrino.

Beide Präparate erfüllten die festgelegten Freigabekriterien, und nach den Injektionen fanden die Forscher weder eine Entzündung im Augeninneren noch erhöhten Augeninnendruck, eine Endophthalmitis oder eine Netzhautablösung. Auch die systemischen Entzündungs- und Immunmarker blieben unverändert, wobei sich aus einem einzelnen Fall noch kein allgemeines Sicherheitsprofil ableiten lässt.

Pupillen reagieren zeitweise wieder

Vor der Behandlung hatten 45 Pupillenmessungen in 71 Tagen keine normale Lichtreaktion gezeigt. Danach erfüllten 6 von 28 Messungen am rechten und 7 von 24 am linken Auge das vorab festgelegte Kriterium für eine normale Reaktion. Im rechten Auge trat die erste solche Messung am vierten Tag auf, im linken am zweiten Tag.

Die Reaktionen waren aber nicht dauerhaft, denn im linken Auge lag die letzte Messung über dem Kriterium an Tag 11, im rechten an Tag 39. Ab Tag 29 etablierte sich in keinem Auge ein neuer stabiler Ausgangswert, und der verwendete Pupillenindex hängt zudem stark von der Ausgangsgröße der Pupille ab.

Auch Hirnstrommessungen lieferten nach dem Eingriff ein verändertes Bild, nachdem in zwei Sitzungen vor der Behandlung keine organisierte mehrkanalige Antwort der Sehrinde im Hinterhaupt auf visuelle Reize zu erkennen war. In allen drei Sitzungen danach, an den Tagen 3, 44 und 45, war eine solche organisierte Antwort vorhanden, doch wegen der großen Messabstände lässt sich daraus keine kontinuierliche Reaktion ableiten.

„Nach der Transplantation stellten wir außerdem fest, dass im Gehirn als Reaktion auf visuelle Reize ein visuell evoziertes Potenzial auftrat, was bedeutet, dass das Gehirn nun auf präsentierte visuelle Reize reagiert“, erklärt Dr. David Putrino.

Entscheidend ist, dass sich die messbare Sehschärfe nicht besserte, obwohl die Lichtwahrnehmung im rechten Auge nach der Behandlung konsistenter wurde und im linken vor wie nach dem Eingriff erhalten blieb. Beobachtungen, die Patientin habe anschließend gezielter nach Gegenständen gegriffen, waren unblind und nicht quantifiziert, zugleich besserten sich Motorik, Aufmerksamkeit und Kognition im Rahmen ihrer allgemeinen neurologischen Erholung.

Wirksamkeit bleibt offen

Der Fall kann nicht zeigen, dass die Injektion die beobachteten Veränderungen verursacht hat, denn es gab nur eine Patientin und keine Kontrollgruppe. Zudem wurden parallel Rot- und Nahinfrarotlicht, ein schwaches Magnetfeldverfahren sowie Memantin weiter eingesetzt. Die Autoren halten den zeitlichen und augenspezifischen Verlauf zwar für vereinbar mit einem Behandlungseffekt, betonen aber selbst, dass Pupillenreaktionen und Antworten der Sehrinde nur Surrogatmarker, also indirekte Messgrößen, sind und kein Sehen messen.

„Obwohl wir anfangs eine wirklich spannende Reaktion sahen, beobachteten wir bei einer Nachbeobachtung von mehr als 100 Tagen auch, dass diese Reaktion wieder nachließ“, erklärt Dr. David Putrino.

Für die Methode ist damit vor allem die technische Machbarkeit bei dieser Patientin dokumentiert. Ob sie geschädigte, aber noch lebende Nervenzellen tatsächlich stabilisiert und daraus eine klinisch relevante Sehverbesserung entsteht, müssen kontrollierte Studien mit mehreren Patienten klären. Der Preprint nennt Dosis, Abstand zwischen Anwendungen, Wiederholungen und die Auswahl von Patienten mit erhaltenem neuronalem Substrat als zentrale offene Fragen.

Quellen:

25. August 2026

– Robert Klatt