Singapurs Geburtenrate ist 2025 auf den Rekordtiefstwert von 0,87 Kindern pro Frau gesunken.Als Gegenmassnahme plant die Regierung unter Premierminister Lawrence Wong ein umfassendes Familienpaket mit bis zu 45’000 Franken pro Kind.Das Paket umfasst auch günstigere Kitaplätze, mehr Betreuungsurlaub und bessere Chancen bei der staatlichen Wohnungsvergabe.
Singapur plant eine Ausweitung der Unterstützung für Familien. Im Zentrum stehen mehr Betreuungsurlaub, laufende finanzielle Beiträge, günstigere Kitas und bessere Chancen auf staatlich geförderte Wohnungen. Premierminister Lawrence Wong kündigte das Paket an der National Day Rally 2026 an. Eine Übersicht:
Mehr Betreuungsurlaub
Erwerbstätige Eltern mit Kindern bis 12 Jahre sollen künftig pro Person jährlich acht Tage bei einem Kind, zehn Tage bei zwei Kindern und zwölf Tage bei drei oder mehr Kindern erhalten. Gemeint ist zusätzlicher Urlaub für Betreuung, Arzttermine oder Schulpflichten, nicht Mutter- oder Vaterschaftsurlaub. Der Starttermin ist noch nicht festgelegt.
So läufts in der Schweiz
In der Schweiz gibt es keinen vergleichbaren Anspruch auf Betreuungsurlaub. Bei Krankheit oder Unfall eines Kindes besteht grundsätzlich bezahlter Betreuungsurlaub von höchstens drei Tagen pro Ereignis. Für ein schwer gesundheitlich beeinträchtigtes Kind sind bis zu 14 Wochen möglich.
Singapur baut wegen der rekordtiefen Geburtenrate von 0,87 Kindern pro Frau seine Unterstützung für Familien aus. (Symbolbild)20min/Celia Nogler
70’000 Dollar Staatsgelder pro Kind
Jedes singapurische Kind soll laut Wong von der Geburt über 17 Jahre insgesamt rund 70’000 Singapur-Dollar erhalten, umgerechnet fast 45’000 Franken. Das Paket umfasst unter anderem 10’000 Dollar zur Geburt, jährlich 2000 Dollar im Alter von eins bis 16 Jahren, Beiträge für Gesundheits- und Bildungskosten sowie 10’000 Dollar für die nachobligatorische Bildung mit 17. Ein Teil der Unterstützung ist zweckgebunden.
So läufts in der Schweiz
In der Schweiz liegen die gesetzlichen Mindestansätze für Familienzulagen bei 215 Franken pro Monat für Kinder bis 16 Jahre und bei 268 Franken für Personen in Ausbildung. Kantone können höhere Ansätze sowie Geburts- oder Adoptionszulagen vorsehen.
Kita-Gebühren à 150 Dollar pro Monat
Bis 2030 sollen Ganztagsplätze in staatlich unterstützten Einrichtungen monatlich 150 Singapur Dollar (95 Franken) für Kinder und 300 für Säuglinge kosten. Die Umsetzung beginnt schrittweise ab 2028. Volle Vorschulsubventionen sollen zudem unabhängig davon gelten, ob die Eltern erwerbstätig sind.
Zudem sollen staatlich unterstützte Kita-Plätze bis 2030 deutlich günstiger werden. Familien mit Kindern erhalten ausserdem bessere Chancen auf staatlich gefördertes Wohneigentum. (Symbolbild)Sebastian Kahnert/dpa
So läufts in der Schweiz
Kita-Tarife und Subventionen sind kantonal und kommunal geregelt. Einen schweizweit einheitlichen Preis gibt es nicht. Das neue Bundesgesetz zur familienergänzenden Kinderbetreuung sieht zwar eine Betreuungszulage und Beiträge an die Kantone vor, ist aber noch nicht in Kraft.
Bessere Chancen auf staatlich gefördertes Wohnen
Singapur will Familien den Zugang zu günstigerem, staatlich gefördertem Wohneigentum erleichtern. Bei solchen Wohnungen entscheidet in Singapur oft das Los. Ab Februar 2027 erhalten Familien pro Kind unter 18 Jahren eine zusätzliche Loschance – auch eine bestätigte Schwangerschaft zählt. Drei Kinder bedeuten somit drei zusätzliche Chancen in derselben Auslosung.
So läufts in der Schweiz
In der Schweiz gibt es kein nationales Losverfahren für staatlich geförderte Eigentumswohnungen. Wohnbauförderung, gemeinnütziger Wohnungsbau und Vergaberegeln liegen vor allem bei Kantonen, Städten und Gemeinden. Einzelne Anbieter können Familien oder tiefe Einkommen bevorzugen, doch es gibt keine schweizweit einheitliche Regel nach Kinderzahl.
Wieso macht Singapur das?
Auslöser ist die Demografie: Singapurs Geburtenziffer lag 2025 bei rekordtiefen 0,87 Kindern pro Frau, deutlich unter dem Bestandserhaltungsniveau von rund 2,1. Die Schweiz lag 2025 laut dem Bundesamt für Statistik bei 1,28 Kindern pro Frau. Die Geburtenrate in der Schweiz ist seit Jahren rückläufig.
Lynn Sachs (sac) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin des Ressorts News.
