Das Naturhistorische Museum Bern ist nicht nur Ausstellungsort. Rund 20 Forschende erforschen dort weiterhin die Natur.

Ein Grossteil der Nasssammlung ist in der Ausstellung «Wunderkammer» zu sehen.Ein Grossteil der Nasssammlung ist in der Ausstellung «Wunderkammer» zu sehen. – NMBE / Nelly Rodriguez

Wer sich im Naturhistorischen Museum Bern an der Bernastrasse einen ersten Überblick verschafft, tut dies auf drei oberirdischen und einer unterirdischen Etage – dort, wo die öffentlichen Räume mit Dioramen, Dauer- und Wechselausstellungen über die Vielfalt, die Zusammenhänge und Entwicklungen in der Natur informieren.

Ob Minerale der Erde, Tiere Afrikas oder das Insektensterben: All diesen Ausstellungen ist gemein, dass Erkenntnisse und Ausstellungstücke aus der hauseigenen Sammlung die Grundlage bilden.

Und diese kann sich sehen lassen: rund 6.5 Millionen Objekte aus den Bereichen Wirbeltiere, wirbellose Tiere und Erdwissenschaften umfasst sie!

MuseumsnachtForschende führen regelmässig durch die Sammlung. Der Ornithologe Manuel Schweizer anlässlich der Berner Museumsnacht. – NMBA / Nelly Rodriguez

Grosse Teile dieser Sammlung verbergen sich in den Tiefen des Berner Kirchenfeldquartiers, genauer in den Untergeschossen Nummer zwei und drei des Museums, zu denen das Publikum meistens keinen Zutritt hat.

Führungen hinter die Kulissen

Möglichkeiten, hinter die dicken Sicherheitstüren der Sammlungsdepots zu werfen, bieten sich monatlich im Rahmen der «Führungen hinter die Kulissen» oder an Aktionstagen und während der Berner Museumsnacht.

Dann erzählen die Forschenden des Museums unter anderem, warum es überhaupt wichtig ist zu sammeln, warum präparierte Tiere nicht ausgestopft sind, was uns die verschiedenen Gesteinsschichten über die Entstehung des Planeten verraten und warum naturhistorische Sammlungen digitalisiert werden.

LaborDurch die Ausstellung «Wunderkammer» können Besuchende Arbeiten im DNA-Labor beobachten. – NMBE / Nelly Rodriguez

Natürlich können die Biologinnen und Biologen sowie die Erdwissenschaftlerinnen und Erdwissenschaftler bei diesen Gelegenheiten auch mit Fragen gelöchert werden – ihre Expertise der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und weiter zu vermitteln ist nämlich ein wichtiger Aspekt ihrer Tätigkeit.

Darum arbeitet das Museum auch eng mit der Universität Bern zusammen und nicht wenige der Forschenden dozieren am Institut für Ökologie und Evolution oder am Institut für Geologie.

Neue Arten und frische Meteoriten

Die Mitarbeitenden des Museums forschen zu Teilen im Museum selbst, wo ihnen dafür moderne Labors zur Verfügung stehen. Für umfangreiche Studien oder für die Herkunftsforschung an Sammlungsobjekten greifen sie zusätzlich auf die Kooperation mit internationalen Experten zurück.

Nicht selten fliegen sie aber auch selbst aus und führen ihre Arbeit auf Forschungs- und Sammlungsreisen auf aller Welt fort.

3D-ScannerDie Säugetierkuratorin Anne-Claire Fabre erstellt ein Schädelmodell mittels eines 3D-Scanners. – NMBE / Nelly Rodriguez

Was sie bei ihrer Arbeit alles über die Evolution und Erdgeschichte herausfinden, oft in Zusammenarbeit mit internationalen Teams, publiziert das Museum regelmässig in wissenschaftlichen Zeitschriften, Mitteilungen, auf der Website oder dem NMBE-Science-Kanal auf Social Media (@nmbescience).

Dazu gehörten unlängst international zirkulierende Meldungen über die Entwicklung der Hundezucht, über eine neuentdeckte Fischart und einen frischgefallenen Meteoriten im Oman.

Zudem ist das NMBE das Zuhause des Weltspinnenkatalogs (Word Spider Catalog), in dem alle bekannten Spinnenarten verzeichnet sind, von einer international bedeutenden Gewebesammlung mit 80’000 Samples und von 30 Rio-Pescado-Stummelfusskröten (Atelopus balios) – eine Erhaltungszucht dieser beinah ausgestorbenen südamerikanischen Krötenart.

Nasssammlung in der Ausstellung

Die Kröten sind im Museum zu sehen, ebenso ein grosser Teil der Nasssammlung, die in der Ausstellung «Wunderkammer» präsentiert wird.

Besuchst du regelmässig ein Museum?

1Ja.

2Nein.

Dort lagern Tiere, eingelegt in Flüssigkeit, in runden Gläsern – und nicht wenige davon hüten noch Geheimnisse über die Evolution des Lebens, die vielleicht eines Tages von NMBE-Forschenden entschlüsselt werden.

Wie sie dabei vorgehen, können die Besuchenden in der «Wunderkammer» live mitverfolgen. Durch ein Schaufenster lassen sich im DNA-Labor die Wissenschaftler oder die Studierenden der Universität Bern dabei beobachten, wie sie das Erbgut von Tieren entschlüsseln.