Sechs Wochen war das Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg geschlossen. Zum 40. Jubiläum des Hauses präsentiert es nun eine überarbeitete Dauerausstellung – unter dem Titel: «Mensch, Meister, Modernist. Feininger im Fokus».
Feininger Museum zeigt seine Sammlung aus neuer Perspektive
Man wolle die Geschichte noch einmal neu erzählen, sagte Adina Christine Rösch MDR KULTUR, inhaltlich wie formal: «Es ist in einer anderen Farbe, es ist frecher, frischer, freier in der Präsentation.» Unter den neu ausgestellten Werken befänden sich echte Highlights von Feininger, die man nur sehr selten zu sehen bekäme, etwa «Der stille Tag am Meer» oder «Glasscherbenbild».
Für die neue Präsentation der hauseigenen Sammlung hat das Museum nicht nur das Farbdesign verändert, jeweils passend zu den Werken selbst, sondern auch andere Schwerpunkte gesetzt: «Vorher hingen die Werke hier chronologisch. Jetzt wird auch die Person hinter den Bildern sichtbar in den verschiedenen Kapiteln der Ausstellung», so Rösch.
Es ist in einer anderen Farbe, es ist frecher, frischer, freier in der Präsentation.
Adina Christine Rösch, Museumsleiterin
Moderner Künstler zwischen Familie und Bauhaus
So lerne man Feininger über seine Werke mal ernsthaft, mal humoristisch oder auch satirisch kennen. Zitate an der Wand, historische Fotografien und Medienstationen informierten zudem über die persönlichen Hintergründe und die Genese seines Schaffens. Auch der Fahrradliebhaber und liebende Familienvater Lyonel Feininger, der seinen Söhnen eine Holzeisenbahn schnitzt, ist dargestellt.
Feiningers Familienkosmos wird außerdem durch Werke seiner Söhne und seiner Frau Julia ergänzt. Für ihren Mann habe Julia ihre eigene Karriere aufgegeben, erklärt die Museumsleiterin, um ihn zu managen. Sie habe Feininger auch dazu gebracht, nicht mehr als Karikaturist für Zeitschriften zu arbeiten, sondern mit einem Ortswechsel nach Paris als freischaffender Künstler einen eigenen Stil zu entwickeln, den Prismaismus: das heißt, «wenn die Farben und die Formen in einzelne Flächen aufbrechen und eben sehr splitterig wirken.»
Ein anderer Schwerpunkt liegt auf Feiningers Phase am Bauhaus. Aus seiner Zeit ab 1919 sind zahlreiche Werke versammelt – auch hier wieder mit Mitmachelementen. An einer Magnetwand zum Beispiel können die Besucherinnen und Besucher Feininger-Grafiken mit einzelnen schwarzen Magnetstreifen nachlegen. «Also auch hier kann man sich nochmal als Feininger fühlen», verspricht Adina Christine Rösch.
Publikumsnahe Ausstellung zum 40. Geburtstag
MDR-Kunstkritikerin Sandra Meyer bemerkt, dass für Kenner des Museums Lyonel Feininger zwar die meisten Exponate nicht neu seien – die Neukonzeption überzeugt sie trotzdem: Die Ausstellung sei vor allem spielerisch und publikumsnah.
Mit der Eröffnung der Ausstellung begeht das Museum Lyonel Feininger seinen 40. Geburtstag. Am 17. Januar 1986 wurde zunächst die Lyonel-Feininger-Galerie eröffnet. Daraus entstand das einzige Feininger-Museum weltweit. Gefeiert wird am 30. März 2026 – mit offiziellen Gästen und zwei Sonderausstellungen zum Kunstsammler Hermann Klumpp, der die meisten Werke zusammentrug, die das Museum heute zeigt.