Bernhard Bestattung eröffnet in Bigenthal

Ende August eröffnet in Bigenthal ein Bestattungslokal mit einer neuartigen Idee: Adrian Bernhard und Alexandra Frauchiger füllen die Asche Verstorbener in Schafwollsäcklein und setzen sie zu den Wurzeln eines jungen Baums. Diesen können die Hinterbleibenen in ihrem Garten pflanzen. «Evergreen» heisst das Konzept.



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Alexandra Frauchiger und Adrian Bernhard beim Einpflanzen eines Jungbaums. Rund um die Wurzeln sind die Aschesäcklein gebettet. (Bild: Screenshot TeleBärn)

Abschiednehmen nach einem Todesfall ist schwer, aber auch wichtig. Ein junges Paar aus dem Emmental hat sich vorgenommen, dafür die regionalen Traditionen wieder stärker einzubeziehen: Adrian Bernhard und Alexandra Frauchiger bieten mit dem Projekt «Evergreen» die Möglichkeit, die Asche der Verstorbenen buchstäblich in der Region verwurzeln zu lassen, und so aus Vergänglichem etwas Bleibendes zu schaffen.

 

Ein greifbares Erinnerungsstück …

Dafür füllen sie die Kremationsasche sorgfältig in kleine Schafwollsäcklein ab und betten diese rund um den Wurzelballen eines kleinen Bäumchens nach Wunsch. Dabei werde die Kremationsasche «zu einem bleibenden, greifbaren Erinnerungsstück verdichtet», beschreiben die beiden das Projekt: «So entsteht für Angehörige eine würdevolle und dauerhafte Form des Erinnerns – ein bewusstes Zeichen dafür, dass Verbundenheit über den Tod hinaus weiterlebt.»

 

… und die Idee dahinter

Wir wollten wissen, wie das junge Paar auf die Idee für eine traditionsbewusste Bestattungsart gekommen ist. Umso mehr, weil Adrian Bernhard und Alexandra Frauchiger eigentlich aus der Sportbranche kommen.

 

BERN-OST: Aus der Sportbranche zum Bestattungsdienst – ein grosser Schritt. Wie kamst du dazu?

Adrian Bernhard: Das Thema Sterben und Tod fasziniert mich schon seit meiner Kindheit – ohne bestimmten Auslöser dafür, ohne aussergewöhnlichen Schicksalsschlag. Trotzdem haben mich der Tod und alles, was damit zusammenhängt, schon früh beschäftigt.



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Alexandra Frauchiger (links) und Adrian Bernhard (rechts) mit Rosmarie Bernhard, die bei der Biogärtnerei Huplant arbeitet: Das ist die Partnergärtnerei der Bestattungsfirma. (Foto: zvg)

Das ist ein eher belastendes Thema …

Ich sah nie nur die traurige Seite. Trauer und Verlust gehören genauso dazu wie Erinnerungen, besondere Begegnungen, manchmal auch Humor und durchaus etwas Morbides. Sterben und Tod waren für mich nie einfach nur etwas Düsteres, das man möglichst weit von sich wegschieben sollte.

 

Und daher hast du ein erstes Bestattungsunternehmen in Sumiswald eröffnet.

Vor meiner Selbstständigkeit arbeitete ich im Krematorium Bern. Diese Zeit hat meine Sicht auf das Thema nochmals stark geprägt. Dort hatte ich viele Gespräche mit Bestatterinnen und Bestattern und mit Angehörigen, die mir zeigten, wie unterschiedlich Menschen mit Tod, Abschied und der Asche eines geliebten Menschen umgehen.

 

Wie denn zum Beispiel?

Immer wieder bekam ich mit, dass Urnen nach der Abholung mit nach Hause genommen werden und dort teilweise über Jahre in einem Schrank stehen bleiben. Der Gedanke dahinter beschäftigte mich.

Was daran gab dir zu denken?

Für mich hat das etwas Symbolisches: Wenn die Urne eines geliebten Menschen über Jahre in einem Schrank verschlossen bleibt, kann damit sinnbildlich auch ein Teil des Verlusts weggeschlossen werden. Aus vielen Gesprächen und Gedanken entstand für mich eine sehr einfache Frage: Wie können wir die Asche wieder in einen Kreislauf bringen?

 

Und du hast die Antwort gefunden …

Ja, für mich gab es darauf nur eine logische Antwort: durch die Einbettung in eine Pflanze. In etwas Lebendiges, das weiterwächst, sich verändert und über Jahre bestehen bleibt.

 

Ein schöner Gedanke.

Ja, vielleicht steckt darin auch der Wunsch, dem Tod etwas entgegenzusetzen, ihn vielleicht sogar ein wenig zu umgehen. Natürlich können wir den Tod nicht verhindern. Aber die Vorstellung, dass aus dem Ende eines Lebens wieder etwas Lebendiges entstehen und weiterwachsen kann, hat mich fasziniert. Aus diesem Antrieb heraus lancierten wir das Projekt Evergreen.



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In solchen Schafwollsäcklein wird die abgefüllte Asche zu den Baumwurzeln gebettet. (Foto: zvg)

Wie läuft das genau?

Evergreen sollte nicht einfach eine schöne symbolische Idee bleiben. Deshalb suchten wir die Zusammenarbeit mit einer Biogärtnerei und beschäftigten uns intensiv damit, wie die Asche in Verbindung mit dem Wurzelwerk eines Baumes oder Strauches eingebettet werden kann.

 

Und so wächst die Asche quasi in den Baum hinein.

Genau, ein Baum oder Strauch wird zu einem lebendigen Erinnerungsort. Etwas, das wächst, sich mit den Jahreszeiten verändert und für die Angehörigen sichtbar bleibt.

 

Findet die Idee Anklang?

Mittlerweile ist Evergreen bei den Menschen angekommen. Die Reaktionen und Begegnungen haben uns gezeigt, dass unsere Gedanken nicht bei Evergreen aufhören. Der Schritt zum eigenen Bestattungsunternehmen war deshalb fast unausweichlich. Denn die Philosophie hinter Evergreen lässt sich für uns nicht auf eine Pflanze oder eine einzelne Form der Beisetzung reduzieren. Sie zieht sich mittlerweile durch unser gesamtes Unternehmen.

Ihr bietet also nebst dem «Aschepflanzen» den gesamten Service eines Bestattungsunternehmens.

Ja, mit Bernhard Bestattung möchten wir Menschen ganzheitlich rund um Sterben, Tod und Abschied begleiten. Dabei wollen wir traditionelle Bestattungsformen keineswegs verdrängen, Tradition und neue Möglichkeiten können für uns sehr gut nebeneinander bestehen. Zudem möchten wir Menschen das Thema Sterben und Tod näherbringen und Berührungsängste abbauen.

 

Bald startet ihr in Bigenthal …

Ja, Ende August folgt für uns der nächste Schritt: Mit der Eröffnung unseres Bestattungslokals in Bigenthal erhält unsere Philosophie auch einen eigenen Ort. Dort können wir Hinterbliebenen in einer Situation zur Seite stehen, die häufig von Trauer, aber auch von vielen Fragen und Unsicherheiten geprägt ist. Am Anfang stand aber keine Geschäftsidee, sondern die Frage: Wie kann aus dem, was am Ende eines Lebens zurückbleibt, wieder etwas entstehen, das weiterlebt?

Eröffnung in Bigenthal

Die Bernhard Bestattung wird von Adrian Bernhard und Alexandra Frauchiger geführt und begleitet Familien im Emmental und der Region würdevoll und individuell durch Abschied und Trauer. Das Unternehmen ist Teil der Cap.Ink GmbH mit Sitz in Sumiswald. Zur Eröffnungsfeier sind alle Interessierten herzlich willkommen.

Wann: Samstag, 29. und Sonntag, 30. August 2026, jeweils 10.00–16.00 Uhr

Wo: Bestattungslokal Bernhard Bestattung, Küebiweg 2, 3513 Bigenthal bei Walkringen

 

Kurzer Fernsehbeitrag

Wer wissen möchte, wie die Asche in Säcklein abgefüllt und zu jungen Bäumen eingebettet wird, kann dies im Beitrag auf TeleBärn sehen.