Ekel in Spaniens Freibädern: Die «braune Herausforderung»

Die «braune Herausforderung» sorgt in Spaniens Freibädern für Chaos: Polizei, hohe Bussgelder und Hausverbote – doch die Täter sind erfinderisch. Was steckt hinter dem Trend?

Publiziert heute um 05:22 Uhr

LinkedIn Link kopiert Error occurred Facebook Link kopiert Error occurred X Link kopiert Error occurred E-Mail Link kopiert Error occurred Link kopieren Link kopiert Error occurred Jugendlicher springt vom Sprungbrett ins Freibad Stuttgart-Möhringen – Wasserfontäne spritzt im Sommer hoch auf.

Die Täter auf «frischer Tat» zu erwischen, ist schwierig. Manche bringen die Fäkalien sogar in Plastiktüten mit, die sie in der Badehose verstecken und dann im Wasser entleeren.

imago/7aktuell

In Spaniens Freibädern verbreitet sich ein ekliger und gesundheitsschädlicher Social-Media-Trend. Beim sogenannten «reto marrón», der «braunen Herausforderung», verrichten Kinder und Jugendliche absichtlich ihr grosses Geschäft im Schwimmbecken. Anschliessend filmen sie die Räumung des Bads, den Polizeieinsatz und den Ärger der Badegäste – in der Hoffnung auf viele Likes in sozialen Netzwerken.

Obwohl Bussen von bis zu 20’000 Euro sowie hohe Schadenersatzforderungen und jahrelanger Hausverbote drohen, berichten spanische Medien fast täglich über neue Fälle. Eine zentrale Erfassung der Vorfälle in den meist kommunalen Bädern gibt es nicht, aber im vergangenen Jahr sollen es rund 300 Fälle gewesen sein, in diesem Jahr bisher schon «Hunderte», wie der Sender Cadena Ser berichtete.

Die Täter auf «frischer Tat» zu erwischen, ist jedoch schwierig. Manche brächten die Fäkalien sogar in Plastiktüten mit, die sie in der Badehose versteckten und dann im Wasser entleerten, berichtete etwa die Zeitung «La Razón». In der nordspanischen Stadt Burgos wurde nun ein Verfahren gegen die Eltern von vier Kindern im Alter von 11 bis 13 Jahren, wie die Stadtverwaltung dpa bestätigte. Sie wurden von einem Erwachsenen dabei beobachtet, wie sie ihre braune Hinterlassenschaft im Schwimmbad El Plantío freisetzten. Der Mann alarmierte sofort die Polizei, die die Personalien der Kinder aufnahm.

Bussgelder und Schadenersatz drohen

Den Eltern drohen nun Bussen von je 3000 Euro und Schadensersatzforderungen der Kommune für die Reinigung und Desinfektion des Freibads. Das kann im schlimmsten Fall, wenn das Beckenwasser ausgetauscht werden muss, mehrere Tausend Euro kosten. Und die Kinder selbst müssen sich auf ein mehrjähriges Hausverbot gefasst machen. Die Bürgermeisterin von Burgos, Cristina Ayala, betonte, das Verfahren werden «bis zur letzten Konsequenz» durchgezogen. Es sei in diesem Jahr bereits der sechste Fall dieser Art in Freibädern der Stadt gewesen.

Andrés López, als Psychiater und Koordinator für psychische Gesundheit im Gesundheitsbezirk von Osuna, erklärte in einem Interview mit Cadena Ser, hinter dieser Art von Verhalten könne ein emotionales Problem bei einer besonders schutzbedürftigen Gruppe wie Jugendlichen und jungen Erwachsenen stecken. Diese würden soziale Netzwerke benutzen, um Anerkennung zu finden oder Gefühle der Einsamkeit zu bekämpfen. López betonte, dass soziale Netzwerke bestimmte suchterzeugende Mechanismen aufwiesen, die einen Mitläufereffekt begünstigen und dazu verleiten können, ein solches unsoziales Verhalten nachzuahmen.