Inhaltsverzeichnis
E-Bike von 2016 – ein Blick zurück
2016: eMTB-News.de wurde offiziell gelauncht, Specialized stellte das bahnbrechende Levo vor, Shimano stieg mit einem eigenen Motorsystem in den E-Bike-Markt ein, ich ging bei der Enduro One in der E-Bike-Wertung an den Start, 27,5+ (650B+) war der neueste heiße Scheiß, Haibike stellte die dritte Generation der Xduro-Serie vor, M1 hatte das Spitzing Plus mit TQ HPR120S im Programm, Fazua zeigte den evation-Antrieb als Studie, hier und da versuchte man mit eigenwilligen Konzepten, den Bosch-PowerPack-Akku irgendwie in den Rahmen zu integrieren – was, Achtung, Spoiler, nicht wirklich gelang – und bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gewann Nino Schurter Gold im XCO der Männer und Jenny Rissveds Gold bei den Frauen.
Nachdem Haibike 2010 auf der Eurobike mit dem eQ Xduro eines der ersten wirklich trailtauglichen E-Mountainbikes mit Mittelmotor vorgestellt hatte, glaubten nicht alle in der Branche an den Erfolg, den diese Fahrräder auslösen würden. Von manchem Mitbewerber müde belächelt, fokussierte sich das Schweinfurter Unternehmen frühzeitig auf die Entwicklung neuer E-Bikes und E-Mountainbikes.
#
2016 war ein extrem spannendes Jahr für moderne E-Bikes. – Specialized launchte das erste Levo, Haibike zeigte die dritte Generation des Xduro und eMTB-News ging an den Start.
#
Alex rockt das Cube.
#
Tom macht sich mit dem Moterra nass.
#
An einem ziemlich rustikalen Bike-Stand hängen einige E-Bike-Highlights von 2016.
#
Die E-Mountainbikes von damals wurden trailtauglicher und es wurde dank neuer Motoren und immer mehr Marken in diesem Segment immer spaßiger, E-Bike zu fahren.
Herkömmliche Mountainbikes waren Mitte der 2010er-Jahre bereits recht ausentwickelt. Hier und da wurden natürlich kleinere Innovationen oder spannende Neuentwicklungen präsentiert, die aber meist eher Weiterentwicklungen waren. Generell war das Mountainbike „fertig“.
Anders beim E-Mountainbike: Weder die Bikes noch die Motorsysteme waren besonders weit entwickelt, und vor den Entwicklungs- und Designabteilungen lag ein weites, unbestelltes Feld. Spannender konnte es für die Design- oder Entwicklungsteams eigentlich gar nicht sein.
Ich durfte die Entwicklung damals hautnah als Grafik- und Produktdesigner miterleben, maßgeblich mitgestalten und trage eine Mitverantwortung dafür, dass wir bei Haibike ein paar Jahre vorher den Motor ins Rahmendreieck gedreht und damit den Weg für potente E-MTBs geebnet haben.
Rico Haase, E-Bike Pionier & Chefredakteur eMTB-News.de
Es dauerte ein paar Jahre, bis auch andere große Marken auf den Zug aufsprangen und mit ihren E-Bikes den Mitte der 2010er-Jahre von Bosch, Brose und Yamaha dominierten Markt aufmischten. Mullet war ebenso noch in weiter Ferne wie flächendeckend integrierte Akkus oder elektronische Schaltmodi.
Allen voran möchte ich hier die mit viel Innovationskraft ausgestattete Marke Specialized nennen, die 2016 das erste Levo präsentierte und direkt auf maximale Integration setzte. Ich meine, man muss sich das mal vorstellen: In einer Zeit, in der die meisten anderen E-Bikes noch mit externen Akkus herumfuhren – was in etwa so aussah, als hätte man einen Tetrapack an einen Strohhalm gepappt –, integrierte Specialized den Akku beim Levo bereits formschön in den Rahmen.
Der Akku war entnehmbar im nach unten offenen Unterrohr versteckt, das Display wurde durch LEDs rund um den On/Off-Button am Akku ersetzt und das E-Bike sah fast wie ein motorloses, normales Mountainbike aus. Klar, etwas üppiger dimensioniert, wenn man das Unterrohr betrachtete, aber durch die Integration sah es dennoch ziemlich „normal“ aus.
Aus heutiger Sicht wirken manche E-Bikes, die gerade einmal zehn Jahre alt sind, wie grobschlächtige Design-Fails, während andere noch immer erstaunlich modern aussehen. Ich möchte einige E-Bikes, die damals angesagt waren, noch einmal kurz vorstellen, damit wir sehen, was sich in dieser Zeit getan hat und wie rasant die Entwicklung vorangeschritten ist.
Warum gerade 2016? Die Antwort ist einfach und besteht aus zwei Teilen. Zum einen ist 2016 mittlerweile zehn Jahre her, zum anderen finde ich gerade die jeweiligen Unterschiede der hier gelisteten E-Bikes als historischen Rückblick auf 2016 besonders spannend: Haibike ging Richtung E-Enduro und gab die Richtung vor, M1 übertrieb bei Rahmendesign, Motor und Akku beinah hemmungslos, Specialized revolutionierte die Integration, Rotwild setzte auf einen besonders sauber integrierten Brose-Antrieb nebst im Unterrohr verstecktem Akku und Trek, Scott und Co. entwickelten eher vielseitige, allroundige E‑Fullys. Genau daran lässt sich gut erkennen, dass 2016 noch längst nicht klar war, wie ein modernes E-MTB eigentlich auszusehen hatte.
💵 Jobs in der Bikebranche
Diashow: 14 E-Bikes von 2016: Welche sehen heute noch modern aus – und welche wie Oldtimer?
Audi Sport e-tron
Leichtbau und eine sportliche Optik standen bei diesem E-Bike klar im Mittelpunkt. Mit gerade einmal 18,2 kg zählt das vollgefederte Audi e-tron zu den leichtesten E-Mountainbikes seiner Zeit. Der besonders leichte und steife Carbon-Monocoque-Rahmen bildet dabei das ideale Chassis für ein solches High-End-Bike. Carbonrahmen waren im E-Bike-Bereich zu dieser Zeit noch längst keine Selbstverständlichkeit – insbesondere bei vollgefederten Modellen.
Wer bei der Entwicklung des e-tron federführend war, erkennt man auf den ersten Blick. Das Bike weist eine verblüffende Ähnlichkeit zu einem anderen E-MTB auf, das bei seiner Vorstellung für ordentlich Aufsehen sorgte. Kein Zufall: Haibike stand bei der Entwicklung und Umsetzung des e-tron Pate. In enger Zusammenarbeit mit den Ingenieuren von Haibike entwickelten die Ingenieure von Audi Sport ein Cross-Country-/Marathon-eMTB, das damals seinesgleichen suchte.
Motorsystem Bosch Performance Line CX
Akkukapazität 500 Wh
#
Audi e-tron – wer genauer hinsieht, erkennt direkt, wer dieses E-Bike für Audi gebaut hat. – Generell handelt es sich bei diesem E-Bike um ein kurzhubiges Trailbike, welches mit Carbonrahmen und 500er-Akku nur etwas über 18 Kilogramm wog.
Cannondale Moterra
Mit dem Moterra betrat Cannondale 2016 den Markt der E-Bikes und ging einen überaus eigenwilligen Weg. Das Team platzierte den Akku an dem üppig dimensionierten, vollgefederten Aluminiumrahmen nicht auf oder im, sondern unter dem Unterrohr. Davon versprach man sich ein besseres Handling, einen extrem niedrigen Schwerpunkt und eine Top-Performance auf dem Trail.
Cannondale hatte direkt zwei Modellreihen im Portfolio, die unterschiedliche Einsatzzwecke abdeckten. Während das Moterra auf den Allround-Einsatz getrimmt ist und mit 130 mm Federweg und 27,5+‑Bereifung bestückt wurde, war das Moterra LT mit 160 mm Federweg und klassischer 27,5″‑Bereifung für den harten Enduro Einsatz gedacht.
Motorsystem Bosch Performance Line CX
Akkukapazität 500 Wh
#
Cannondale Moterra – ein gewagtes Konzept mit eigenwilligem Design. – Hier wurde der 500-Wh-Akku von unten ans Unterrohr montiert und optisch ziemlich stimmig integriert. Zur damaligen Zeit, ein absoluter Meilenstein.
#
Beim Motor wurde gar nicht versucht ihn zu integrieren. Man baute ihn „einfach“ ein, ohne auf besonders schönen Formschluss zu achten. – Optisch zwar etwas „grobschlächtig“, aber so bekam der Motor wenigstens immer genug kühlende Frischluft.
#
Ein farbiger Gummistripe schützte und …
#
… fixierte den Akku von unten.
Conway EMF
Mit dem EMF wagte Conway 2016 den Schritt in eine damals noch vergleichsweise junge und vor allem bei sportlich orientierten Bikern zunehmend beliebte Kategorie: das vollgefederte E‑Mountainbike. Die EMF-Baureihe war Conways Premiere im E-Fully-Segment und sollte zeigen, dass sich die Vorteile eines klassischen Fullys – Komfort, Traktion und Kontrolle – durchaus mit dem zusätzlichen Schub eines Motors kombinieren lassen.
Die Basis bildete ein Aluminiumrahmen mit 130 mm Federweg, der klar auf Touren und moderate Trail-Einsätze ausgelegt war. Für Vortrieb sorgte Boschs damals noch vergleichsweise frischer Performance CX-Mittelmotor, gespeist von einem 500-Wh-Akku. Damit war das EMF 327 beziehungsweise EMF 427 technisch ziemlich genau dort angesiedelt, wo sich viele E-Mountainbikes dieser Zeit bewegten: robust, komfortabel und mit ausreichend Reserven für längere Touren und erste Abstecher ins anspruchsvollere Gelände.
Aus heutiger Sicht wirken 130 mm Federweg und 500 Wh vielleicht unspektakulär. 2016 waren sie jedoch eine durchaus zeitgemäße Kombination und machten das Conway EMF zu einem interessanten Vertreter der frühen E-Fully-Generation. Es war weniger die kompromisslose Trail-Maschine als vielmehr ein vielseitiger Allrounder – und damit ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Hersteller damals Schritt für Schritt an das neue Segment herantasteten.
Motorsystem Bosch Performance Line CX
Akkukapazität 500 Wh
#
Conway EMF – optisch noch nicht auf dem Level, wo die Bikes der Marke heute sind.
Cube Stereo Hybrid
Cube gehörte 2016 zu den Herstellern, die das Potenzial vollgefederter E-Mountainbikes bereits früh erkannt hatten. Für das Modelljahr baute die Marke ihr Angebot deshalb konsequent aus und schickte unter anderem neue Enduro-Modelle mit satten 160 mm Federweg ins Rennen. Gleichzeitig hielt mit 27,5+ beziehungsweise 650B+ eine damals noch junge Laufradgröße Einzug in die Stereo-Hybrid-Familie. Die Idee dahinter: mehr Aufstandsfläche, mehr Traktion und damit noch mehr Sicherheit und Komfort auf anspruchsvollen Trails.
Die Stereo Hybrid-Modelle werden bei Cube grundsätzlich nach ihrem Federweg gegliedert, so auch 2016. Mit 120, 140 oder 160 mm deckte die Baureihe unterschiedliche Einsatzbereiche ab – vom komfortablen Touren-Fully bis hin zum deutlich potenteren E‑Enduro. Zielgruppe waren Biker, die auch auf langen Touren vor technischen Anstiegen, ruppigen Abfahrten und anspruchsvollerem Gelände nicht zurückschreckten.
Bei den Laufrädern herrschte dagegen noch klare Ordnung: Cube setzte je nach Modell entweder auf 27,5 oder 29 Zoll. Eine Kombination verschiedener Laufradgrößen, wie sie später mit dem Mullet-Konzept zum Standard werden sollte, war damals noch kein Thema. Auch die heute selbstverständliche Integration des Akkus steckte noch in den Kinderschuhen. Cube setzte beim Aluminiumrahmen bereits auf einen teilintegrierten Akku, der ein Stück weit im Unterrohr verschwand. Dadurch wirkte das Bike deutlich aufgeräumter und kompakter als viele E-MTBs jener Zeit, bei denen der Akku noch prominent auf dem Rahmen thronte.
Aus heutiger Sicht ist gerade dieser Mix spannend: Technisch bereits erstaunlich ausgereifte Fahrwerke und kraftvolle Antriebe trafen auf Lösungen, die sich beim Design und bei der Integration noch deutlich von modernen E-Mountainbikes unterschieden. Die Stereo Hybrid-Modelle von 2016 waren damit ein gutes Beispiel für eine Zeit, in der sich das E-MTB gerade vom motorisierten Tourenrad zum ernsthaften Mountainbike entwickelte.
Motorsystem Bosch Performance Line CX
Akkukapazität 500 Wh
#
Cube Stereo Hybrid 160 – viel Federweg und optisch irgendwie hochbeinig. – Eigenwillig hierbei: der leicht schräg ins Unterrohr versenkte Akku. Mit diesem Kniff versuchte man den externen Akku etwas besser zu integrieren. In der nächsten Evolutionsstufe sollte dies dann besser gelingen …
#
Das Unterrohr war breit und abgeflacht, sodass man den Akku ein wenig im Rohr verstecken konnte.
Flyer Uproc 3
Wow! Hier war Flyer der Zeit voraus, denn das Uproc 3 kam mit 160 mm Federweg vorne und hinten und setzte 2016 auf Mullet. Allerdings nicht auf den heute weit verbreiteten Mix aus 29 und 27,5 Zoll, sondern auf ein 27,5-Zoll-Vorderrad, während am Heck 26“ verbaut wurde. Beim Motor verbaute Flyer in dieser Modellreihe den Bosch Performance CX, der damals 75 Nm maximales Drehmoment generierte, und kombinierte den Motor mit dem markant winzigen Kettenblatt, je nach Modell, mit einem Bosch PowerPack-Akku mit 400 oder 500 Wh Kapazität.
Motorsystem Bosch Performance Line CX
Akkukapazität 400/500 Wh
#
Flyer Uproc – filigrane Rohrdimmensionen treffen auf einen wuchtigen Akku und Motor.
Focus Thron²
Das Focus Thron² gehört zu den E-Mountainbikes, die ziemlich gut zeigen, wie sich das Segment Mitte der 2010er-Jahre entwickelte. 2016 war ein vollgefedertes E-MTB längst keine völlige Kuriosität mehr, doch von den heutigen Trail- und Enduro-Bikes waren die meisten Modelle noch ein gutes Stück entfernt. Das Thron² setzte deshalb weniger auf maximale Fahrperformance als auf Komfort, Reichweite und Vielseitigkeit.
Mit 27,5-Zoll-Laufrädern und 120 bzw. 130 mm Federweg an Front und Heck war das Thron als Touren- und All-Mountain-Fully konzipiert. Für den Vortrieb sorgte der damals noch vergleichsweise exotische Impulse Evo RS. Besonders auffällig war der 612-Wh-Akku – eine Kapazität, mit der Focus bereits 2016 klar auf Reichweite setzte. Im Test kletterte das Thron Pro damit unter hoher Unterstützung sogar bis auf knapp 1.900 Höhenmeter.
Spannend ist das Thron deshalb weniger als radikales Innovations-Bike, sondern als Zeitdokument einer wichtigen Entwicklungsphase: Ein leistungsfähiger Mittelmotor, ein riesiger Akku und ein vollgefedertes Fahrwerk waren bereits vorhanden – nur die Integration, die Geometrien und das Verständnis dafür, was ein E-MTB im Gelände tatsächlich leisten sollte, waren noch längst nicht dort, wo sie heute sind.
Motorsystem Impulse Evo RS
Akkukapazität 612 Wh
#
Das Focus Thron² gehört zu den E-Mountainbikes, die ziemlich gut zeigen, wie sich das Segment Mitte der 2010er-Jahre entwickelte. – Als Motorsystem setzte man hier auf ein Impulse Evo RS mit 612-Wh-Akku.
Ghost Teru FS
Ghost bezeichnete seine E-Mountainbikes 2016 noch als „E-Hybride“. Ganz oben im Programm standen die vollgefederten Teru FS X-Modelle, die wahlweise mit 27,5- oder 29-Zoll-Laufrädern erhältlich waren und sich mit ihrem 140-mm-Hinterbau bereits deutlich in Richtung anspruchsvolleres Gelände orientierten.
Aus heutiger Sicht ist vor allem die Einordnung spannend. 150 mm Federweg vorne und 140 mm hinten klangen 2016 bereits nach E-Enduro – tatsächlich war das Teru aber noch deutlich tourenorientierter. Der kräftige Bosch-Motor und das agile Handling machten es zu einem starken Kletterer, während Geometrie und Ausstattung bergab noch klare Grenzen setzten. Das Teru FS X zeigt damit ziemlich gut, wie weit sich das Verständnis eines E-MTBs in nur wenigen Jahren verändert hat.
Motorsystem Bosch Performance Line CX
Akkukapazität 500 Wh
#
Ghost Teru FS – das Kürzel FS bedeutet übrigens nichts weiter als: Full Suspension.
Haibike XDURO NDURO
Seit 2010 zeigte Haibike beinahe in jedem Jahr auf der Eurobike eine neu definierte, vorher nicht dagewesene Kategorie. Sei es E-Road, E-Downhill oder E‑Enduro. Mit dem XDURO NDURO zeigte Haibike 2016, wie ernst die Marke das Thema E-Enduro bereits nahm. Das Bike war länger, flacher und deutlich aggressiver gezeichnet als sein Vorgänger und rollte erstmals mit 27,5-Zoll-Laufrädern, wovon man sich eine perfekte Symbiose auf Handling und Trailperformance versprach. Das Haibike NDURO Pro verfügte über satte 180 mm Federweg vorne und hinten und kombinierte diese mit dem damals neuen Bosch Performance CX mit 75 Nm. Dazu kam erstmals ein 500-Wh-Akku, nachdem Haibike zuvor noch mit 400 Wh gearbeitet hatte. Damit war das NDURO eines der E-MTBs jener Zeit, die den Begriff E-Enduro tatsächlich mit Leben füllten – auch wenn Geometrie und Fahrwerk aus heutiger Sicht noch deutlich weniger radikal ausfielen.
Motorsystem Bosch Performance Line CX
Akkukapazität 500 Wh
#
2016 eines der angesagtesten E-MTBs: das Haibike Xduro Nduro mit 180 mm Federweg!
#
Da der Bosch-Motor mit einem winzigen Ritzel ausgestattet war, wagte Haibike den Kunstkniff und …
#
… lenkte die Kette über ein zusätzliches Ritzel im Drehpunkt um. Damals exotisch, heute mit High-Pivot beinah Standard.
#
Der Bosch PowerPack-Akku hatte eine Kapazität von 500 Wh und wurde im Unterrohr semiintegriert.
#
Bei der Integration des Motors zeigte Haibike, wie es gehen kann und hauste den Motor mit einer formschlüssigen Skid-Plate ein.
M1 Spitzing Plus
Das M1 Spitzing Plus war 2016 ein E-MTB aus einer völlig anderen Welt. Während die großen Hersteller gerade erst begannen, sich auf leistungsfähige E-MTBs einzuschießen, setzte M1 bereits auf einen Vollcarbonrahmen, 27,5+-Laufräder und einen geradezu brachialen TQ/Cleanmobile HPR 120S-Mittelmotor. Der Antrieb stellte schon 2016 gewaltige 120 Nm Drehmoment bereit und beeindruckte mit einer enormen Kraftentfaltung. Dazu kam ein für damalige Verhältnisse geradezu gigantischer 880-Wh-Akku. Mit 120 mm Federweg vorne und hinten war das Spitzing Plus eher ein komfortables, extrem kräftiges All-Mountain-Bike als ein modernes E-Enduro. Besonders kurios: Es war sowohl als Pedelec als auch als S-Pedelec erhältlich – die stärkeren Varianten unterstützten bis 45 beziehungsweise sogar 70 km/h.
Motorsystem TQ HPR120S
Akkukapazität 880 Wh
#
Brachialer ging es damals nicht! M1 Spitzing mit 880-Wh-Akku und TQ HPR120S-Motor, der extreme 120 Nm maximales Drehmoment genrierte.
Mondraker E-Crafty
Mondraker brachte mit dem e-Crafty+ 2016 ein E-MTB auf den Markt, das bereits einige Ideen vorwegnahm, die später für die Marke typisch werden sollten. Der Aluminiumrahmen kombinierte Mondrakers markante Forward Geometry mit dem Zero-Suspension-System und breiten 27,5+‑Reifen. Für den Vortrieb sorgte der Bosch Performance CX, der damals 75 Nm Drehmoment bereitstellte. Beim Akku konnte zwischen 400 und 500 Wh gewählt werden. Gerade die Kombination aus langem, modern wirkendem Rahmen, Plus-Reifen und kräftigem Bosch-Antrieb machte das e-Crafty+ zu einem der interessanteren E-MTBs seiner Generation. Es zeigte bereits deutlich, wohin die Reise bei Mondraker gehen sollte: mehr Laufruhe, mehr Traktion und mehr Reserven auf dem Trail.
Motorsystem Bosch Performance Line CX
Akkukapazität 400–500 Wh
#
Mondraker zeigte beim e-Crafty schon 2016 wie ein modernes E-Mountainbike aussehen und welche Geometrie es haben sollte.
Rotwild R.E1+
Rotwild gehörte 2016 zu den Herstellern, die beim E-Mountainbike bereits deutlich weiter dachten als „Motor dran und fertig“. Mit dem R.E1+ zeigte die Marke, wie konsequent sich ein E-MTB um den Antrieb herum entwickeln ließ. Statt den Motor möglichst auffällig am Rahmen zu platzieren, integrierte Rotwild den damals noch relativ jungen Brose-Mittelmotor erstaunlich sauber in das Gesamtkonzept. Der Antrieb leistete 250 Watt und bis zu 90 Nm Drehmoment und wurde von einem 461-Wh-Akku gespeist.
Bei der Akkukapazität konnte Rotwild damit zwar nicht mit den damals verbreiteten 500-Wh-Systemen von Bosch oder dem gewaltigen Akku des M1 Spitzing mithalten. Dafür wirkte das R.E1+ deutlich aufgeräumter und näher an einem klassischen Mountainbike. Genau diese Philosophie war eine der großen Stärken des Bikes: Der Motor sollte unterstützen, aber nicht das komplette Erscheinungsbild des Fahrrads bestimmen.
Mit seinen 27,5-Zoll-Laufrädern und dem üppigen Fahrwerk war das R.E1+ klar auf sportliches Fahren und anspruchsvollere Trails ausgelegt. Rotwild legte großen Wert auf ein agiles und direktes Fahrverhalten und versuchte, die zusätzlichen Kilos des Antriebs möglichst harmonisch in das Fahrwerk und die Geometrie einzubinden.
Aus heutiger Sicht wirkt das R.E1+ deshalb bemerkenswert modern. Natürlich sind Motor, Akkuintegration und Geometrie inzwischen deutlich weiterentwickelt worden, doch die grundlegende Idee war schon 2016 erstaunlich aktuell: Das E-Mountainbike sollte nicht wie ein Fahrrad mit nachträglich eingebautem Motor wirken, sondern von Anfang an als eigenständiges Mountainbike konzipiert werden.
Motorsystem Brose
Akkukapazität 461 Wh
#
10 Jahre alte, aber optisch noch imme recht frisch: Rotwild R.E1+
#
Rotwild integrierte den Akku vollständig und formschön im Unterrohr und setzte hier auf einen Mittelmotor von Brose.
Scott E-Spark
Mit dem E-Spark 710 zeigte Scott 2016, wie ein E-Fully mit möglichst wenig optischem Ballast aussehen konnte. Das Bike basierte auf dem aus den normalen Mountainbikes bekannten Spark-Konzept und kombinierte den Hinterbau mit einem Bosch Performance CX. Gespeist wurde der Motor von einem 500-Wh-PowerPack, das damals noch außen am Unterrohr saß. Das E-Spark war mit seinem vergleichsweise kompakten Fahrwerk deutlich stärker auf Tour und Trail als auf extremes Enduro ausgelegt. Gerade diese Nähe zum klassischen Spark machte es interessant: Scott versuchte, die zusätzlichen Kilos und den Motor möglichst harmonisch in ein bereits etabliertes Mountainbike-Konzept zu integrieren.
Motorsystem Bosch Performance Line CX
Akkukapazität 500 Wh
#
Beim Scott E-Spark versuchte man den Akku mittels großem Schriftzug und Farbflächen zu integrieren. – Kein Wunder, war der Akku zur damaligen Zeit generell doch optisch eher ein Fremdkörper.
Specialized Levo
Wenn man ein E-Mountainbike nennen müsste, das die Entwicklung der gesamten Kategorie nachhaltig verändert hat, wäre das Specialized Turbo Levo ganz sicher ein Kandidat. Als Specialized das Levo 2016 präsentierte, war sofort zu erkennen, dass hier nicht einfach ein vorhandenes Mountainbike genommen und mit Motor und Akku ausgestattet worden war. Das Levo war von Grund auf als E-Mountainbike gedacht – und genau dieser Unterschied sollte die Branche nachhaltig prägen.
Specialized ging bei der Entwicklung einen konsequenten Weg und stellte die Integration in den Mittelpunkt. Der speziell abgestimmte Brose-Mittelmotor leistete 250 Watt und wurde vollständig in das Chassis integriert. Der ebenfalls im Unterrohr untergebrachte Akku bot 460 Wh und konnte trotz der eleganten Integration entnommen werden. Was heute selbstverständlich klingt, war 2016 beinahe revolutionär. Bei vielen E-Bikes jener Zeit saß der Akku noch gut sichtbar auf oder unter dem Unterrohr und verlieh den Bikes die typische, klobige E-Bike-Optik. Beim Levo hingegen musste man schon genauer hinschauen, um überhaupt zu erkennen, dass hier ein Motor im Spiel war.
Auch die übrige Konstruktion war konsequent auf sportliches Fahren ausgelegt. Das Turbo Levo FSR 6Fattie rollte auf den damals brandneuen 27,5+-Laufrädern und bot 140 mm Federweg. Breite Reifen, moderner Hinterbau und die für Specialized typische Fahrwerkskonstruktion machten deutlich, dass dieses Bike nicht nur möglichst komfortabel bergauf fahren, sondern vor allem auch bergab richtig Spaß machen sollte. Das war ein wichtiger Schritt: Das E-MTB wurde nicht länger als komfortabler Ersatz für ein normales Mountainbike verstanden, sondern zunehmend als eigenständiges Sportgerät.
Mindestens genauso wichtig war die Elektronik. Über die Mission Control App ließ sich das Antriebssystem detailliert konfigurieren. Unterstützungsstufen konnten individuell angepasst, Reichweite und Leistungsentfaltung beeinflusst und die Charakteristik des Motors auf den eigenen Fahrstil abgestimmt werden. Damit hielt beim E-MTB eine Form der digitalen Individualisierung Einzug, die heute längst zum Standard gehört.
Und genau darin liegt die eigentliche Bedeutung des Levo. Specialized veränderte 2016 nicht nur ein einzelnes E-MTB, sondern die Erwartung daran, wie ein modernes E-Mountainbike aussehen und sich fahren sollte. Plötzlich war ein E-Bike möglich, das optisch kaum noch von einem klassischen Mountainbike zu unterscheiden war, gleichzeitig aber die zusätzliche Leistung eines Motors und die Reichweite eines großen Akkus bot. Viele Hersteller mussten darauf reagieren und ihre eigenen Konzepte überdenken.
Aus heutiger Sicht mag das erste Levo nicht mehr spektakulär wirken. 2016 war es jedoch ein echter Blick in die Zukunft. Integration, sportliche Geometrie, große Reifen, ein leistungsfähiger Mittelmotor und eine App zur individuellen Abstimmung – vieles von dem, was heute ein zeitgemäßes E-Mountainbike ausmacht, war beim ersten Turbo Levo bereits angelegt. Das Levo war damit nicht einfach ein weiteres E-MTB des Modelljahres 2016, sondern eines der Bikes, die den Weg für die nächste Generation ebneten.
Motorsystem Brose
Akkukapazität 460 Wh
#
Heute noch modern: das Specialized Levo. – Hier zeigte der Hersteller eindrucksvoll, welche Innovationskraft in ihm steckt und wie ein E-Bike aussehen muss, damit es sexy ist.
#
Am On/Off-Button auf dem Akku war auch eine LED-Bar angebracht, die über den Akkuladestand und den gewählten Modus informierte.
#
Specialized setzte beim ersten Levo auf einen Motor von Brose, den man natürlich modifizierte.
#
Specialized Levo – optisch immernoch sexy, oder?
Trek Powerfly FS
Trek setzte 2016 mit dem Powerfly+ FS ebenfalls auf ein vollgefedertes E-MTB, ging beim Konzept aber bereits deutlich in Richtung Trail-Bike. Das Bike besaß 120 mm Federweg vorne und hinten, 27,5-Zoll-Laufräder und den damals neuen Bosch Performance CX mit 75 Nm. Der 500-Wh-PowerPack saß noch klassisch außen am Unterrohr – Integration war bei Trek zu diesem Zeitpunkt also noch deutlich weniger weit fortgeschritten als etwa beim Specialized Levo. Interessant war dafür das Fahrwerk: Mit Boost-Standard, breiten Reifen und einem eigens entwickelten Hinterbau war das Powerfly bereits erstaunlich trailtauglich. Noch spannender wurde es im selben Modelljahr mit dem neuen Powerfly FS 9 Plus, das auf 27,5+ setzte und damit den Trend zu breiteren Reifen und mehr Traktion aufgriff.
Motorsystem Bosch Performance Line CX
Akkukapazität 500 Wh
#
Beim Trek Powerfly ließ die Integration und ein formschönes Design 2016 noch auf sich warten.
Meinung @eMTB-News
Kaum ein Fahrradsegment hat sich in den vergangenen zehn Jahren so rasant verändert wie das E‑Mountainbike. Neue Motorsysteme, elektronische Fahrwerke, Schaltungen, die mit dem Motor kommunizieren, und Apps, mit denen sich die Leistungsentfaltung individuell anpassen lässt, bringen ständig neue Innovationen auf den Markt.
Doch was heute selbstverständlich wirkt, war vor zehn Jahren noch Zukunftsmusik. Ein Blick zurück zeigt eindrucksvoll, welche gewaltigen Entwicklungssprünge die E-Bike-Welt in nur einem Jahrzehnt gemacht hat – und lässt erahnen, was uns in den kommenden Jahren noch erwartet.
Bist du 2016 auch schon E-Bike gefahren? Wenn ja, welches Modell hattest du? Poste doch mal ein Bild davon in den Kommentaren. Welche Entwicklung – in diesem Segment – hat dich am meisten beeinflusst?
![]()
Rico Haase
Seit 2010 bin ich auf dem E-Mountainbike unterwegs und damit ein echter E-Bike-Pionier. 2014 fuhr ich damit mein erstes E-Bike-Rennen.
Ich befasse mich gern mit Technik, liebe kreatives Schreiben, Fotografie, Tage auf dem Bike, egal ob mit oder ohne Motor, und bin einfach gern draußen in der Natur.






























