LibreOffice 26.8 verbessert Schriftsatz und Schriften

Die Document Foundation hat LibreOffice 26.8 für Windows, macOS und Linux veröffentlicht. Die neue Hauptversion der freien Office-Suite verbessert vor allem den Schriftsatz, die Verarbeitung von rechts nach links geschriebenen und komplexen Schriften sowie den Austausch von Dokumenten mit Microsoft Office. Calc erhält unter anderem berechnete Felder für Pivot-Tabellen.

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Paragraph Composer und variable Schriften

Eine der auffälligsten Neuerungen betrifft Writer: Der neue „Paragraph Composer“ soll Blocksatz gleichmäßiger setzen. Bislang optimieren Textverarbeitungen Zeilenumbrüche meist Zeile für Zeile. Das führt mitunter zu dicht gedrängten Zeilen neben solchen mit großen Lücken zwischen den Wörtern. Der neue Algorithmus berücksichtigt mehrere Zeilen eines Absatzes und verteilt die Abstände gleichmäßiger. Das könnte für längere Berichte, Handbücher und andere Dokumente mit hohen typografischen Ansprüchen interessant sein.

Writer unterstützt nun auch variable OpenType-Schriften. Solche variablen Fonts enthalten nicht nur feste Schnitte wie Regular, Bold oder Condensed. Sie erlauben es, Eigenschaften wie Strichstärke, Laufweite oder Kontrast stufenlos anzupassen. Eine Hausschrift kann damit etwa für kleinen Fließtext einen robusteren, besser lesbaren Schnitt und für Überschriften einen feineren Schnitt verwenden, ohne dass jeweils eigene Font-Dateien nötig sind. Außerdem funktioniert das Grundlinienraster jetzt auch mit Text in Rahmen korrekt und lässt sich während der Bearbeitung einblenden.

Bessere Unterstützung für Schriftsysteme und Textrichtung

Die Entwickler haben zudem die Unterstützung für bidirektionale und komplexe Schriftsysteme erweitert. Writer erkennt beim Öffnen oder Einfügen von Text jetzt automatisch die Absatzrichtung. Das betrifft insbesondere Arabisch und Hebräisch, aber auch gemischte Dokumente mit englischen Produktnamen, URLs, Dateipfaden oder Seriennummern. In solchen Texten können Leerzeichen, Satzzeichen und Zahlen ohne passende Behandlung an falsche Stellen rutschen. LibreOffice zeigt jetzt auch bidirektionale Steuerzeichen neben anderen Formatierungszeichen an.

Neue Dokumente richten Absätze künftig standardmäßig am Zeilenanfang aus, statt sie fest linksbündig zu formatieren. Bei links nach rechts geschriebenen Sprachen bedeutet das Linksbündigkeit, bei rechts nach links geschriebenen Sprachen Rechtsbündigkeit. Bereits ausdrücklich links- oder rechtsbündig formatierte Absätze spiegelt LibreOffice beim Wechsel der Textrichtung nicht mehr automatisch. In Calc stellt eine leere Zelle ihre Textrichtung automatisch um, wenn Nutzer dort Text in einer Rechts-nach-links-Schrift eingeben. LibreOffice Math erhält zudem Funktionen und Operatoren für die Schriftsysteme N’Ko und Adlam.

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Austausch mit Microsoft Office

Beim Austausch mit Microsoft Office setzt LibreOffice 26.8 vor allem auf Datenerhalt. Die Suite kann mehrere neuere Diagrammtypen aus OOXML-Dateien beim Öffnen und erneuten Speichern bewahren. Dazu zählen Boxplots, Trichter-, Pareto-, Sunburst-, Treemap- und Wasserfalldiagramme. LibreOffice kann diese Diagramme bislang jedoch weder anzeigen noch bearbeiten. Das Programm weist auf den nicht unterstützten Typ hin und soll die zugrunde liegende Diagrammbeschreibung in der Datei erhalten.

Dadurch können Anwender etwa ein XLSX-Dokument in LibreOffice bearbeiten und danach wieder in Excel öffnen, ohne dass ein darin enthaltenes Wasserfalldiagramm verloren geht. Diese Round-Trip-Fähigkeit beschränkt sich allerdings auf die Diagrammdefinition. Bei Kartendiagrammen bleibt laut Projekt zwar der Typ erhalten, umfangreiche geografische Daten gehen aber nicht zuverlässig mit.

Neuerungen in Calc, Impress und Draw

Calc erhält berechnete Felder für Pivot-Tabellen. Damit lassen sich innerhalb einer Auswertung Kennzahlen aus bestehenden Feldern erzeugen, ohne die Quelldaten zu erweitern. Anwender können so etwa aus Umsatz und Kosten eine Marge oder aus Plan- und Istwerten eine Abweichung berechnen. Weitere Änderungen betreffen die Datenvalidierung, die ungültige Eingaben wieder ohne Warnmeldung verwerfen kann, sowie relative Schriftgrößen in Zellvorlagen. Ein neuer Befehl mischt die Inhalte eines ausgewählten Zellbereichs zufällig.

Impress und Draw unterstützen nun unterschiedliche Seitengrößen innerhalb eines Dokuments. In Impress können Nutzer Präsentationen außerdem in benannte Abschnitte gliedern. Eigene Foliennamen zeigt das Programm zusätzlich zu den Foliennummern im Folienbereich an. Mehrere mitgelieferte Vorlagen liegen nun sowohl im Format 16:9 als auch in 4:3 vor, damit Hintergrundgrafiken beim Wechsel des Seitenformats nicht verzerrt werden.

Verzicht auf KI

Bei der Oberfläche vereinheitlicht LibreOffice die Anzeige von Formatvorlagen in Notebookbar, Formatierungsleiste und Seitenleiste. Die Einträge zeigen jeweils eine Vorschau des betreffenden Stils. Die Notebookbar erhält außerdem je Anwendung eine eigene Hintergrundfarbe, um Writer, Calc, Impress und Draw besser unterscheidbar zu machen. Änderungen an Designfarben sollen keinen Neustart mehr erfordern.

The Document Foundation betont bei der Veröffentlichung, dass LibreOffice 26.8 bewusst keine generative KI enthält. Die Suite übertrage Dokumente nicht zur Verarbeitung an externe Dienste und benötige für ihre Kernfunktionen keinen Netzwerkzugang. Neu ist dagegen ein periodischer Spendenhinweis im Startcenter, das beim Programmstart ohne geöffnetes Dokument erscheint. Er soll nicht bei jedem Start auftauchen und ausschließlich auf die Spendenseite verweisen. Werbung, Telemetrie, Kontozwang und Abonnements gebe es weiterhin nicht, teilte die Stiftung mit.

LibreOffice 26.8 erschien am 26. August 2026. Für produktive Umgebungen verweist die Document Foundation weiterhin auf den konservativeren 26.2-Zweig, der vor allem Fehlerkorrekturen erhalten soll. LibreOffice 26.2.6 soll am 3. September 2026 erscheinen; der Support für den 26.2-Zweig endet laut Projekt am 30. November 2026.

(axk)

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