Die Britin Charlotte Blandford Tagg (29) liess ihren fünfjährigen Sohn alleine auf einen Spielplatz und teilte dies auf Tiktok.Das Video wurde 1,2 Millionen Mal angesehen und löste einen Shitstorm aus – sie verlor daraufhin ihren Job als Content Creatorin.Charlotte bereut das Video, nicht aber ihre Entscheidung: «Bereue ich, dass ich ihn alleine spielen liess? Nein.»

Für Charlotte Blandford Tagg war es eine spontane Entscheidung: Ihr fünfjähriger Sohn wollte auf den Spielplatz – also liess sie ihn allein gehen. Der Park liegt laut der Britin nur rund sieben Meter von ihrem Zuhause in Cambridgeshire entfernt und ist vom Fenster aus einsehbar. Nach weniger als drei Minuten war der Bub wieder zurück. Doch Charlotte erzählte auf Tiktok davon und löste damit einen Shitstorm aus.

Das Video erreichte rund 1,2 Millionen Aufrufe. Nutzer bezeichneten die zweifache Mutter als verantwortungslos und drohten damit, Polizei und Sozialbehörden einzuschalten. Ein User forderte die 29-Jährige gar zum Suizid auf. Kritiker verglichen sie zudem mit Kate und Gerry McCann, deren dreijährige Tochter Madeleine 2007 während Familienferien in Portugal verschwand.

«Ich würde es wieder tun»

Charlotte verteidigt ihre Entscheidung. Sie habe ihren Sohn vom Fenster aus beobachtet und etwa alle 30 Sekunden nach ihm gesehen. Zudem kenne sie die Nachbarschaft seit sieben Jahren. «Ich kann gar nicht genug betonen, wie sicher es sich in diesem Moment angefühlt hat», sagt sie gegenüber «The Sun».

Das Video selbst bereut sie allerdings. Es habe zu wenig Kontext gezeigt. «Wenn ich dieses Video vor ein paar Jahren gesehen hätte, hätte ich wohl auch gedacht: ‹Was zur Hölle machst du da?›» Ihren Sohn alleine spielen zu lassen, bereut sie hingegen nicht.

In Grossbritannien gibt es kein gesetzlich festgelegtes Mindestalter, ab dem Kinder alleine unterwegs sein dürfen. Eltern können jedoch belangt werden, wenn sie ihr Kind durch fehlende Aufsicht in Gefahr bringen.

Shitstorm kostet sie den Job

Für Charlotte hatte die Empörung auch berufliche Folgen. Die 29-Jährige arbeitete als Content Creatorin für ein kleines Kunstmagazin. Nach Gesprächen mit ihren Vorgesetzten wurde sie entlassen.

Wie beurteilst du es, wenn Eltern ihr Kind für ein paar Minuten allein draussen spielen lassen?

Charlotte räumt ein, mit kontroversen Videos teilweise bewusst provoziert zu haben. «Ich bekomme fast einen Dopaminschub, wenn Leute so überzeugt davon sind, dass ich eine schreckliche Mutter bin.» Mit solchem «Rage-Bait» lasse sich Geld verdienen. Das Park-Video brachte ihr nach eigenen Angaben höchstens rund 1000 Pfund ein.

Inzwischen hat sie mehrere Beiträge gelöscht – auch aus Angst um die Sicherheit ihrer Familie. Als schlechte Mutter will sie nicht gelten. Entscheidend sei für sie, welche Erinnerungen ihre Kinder später haben: «Vielleicht sagen sie: ‹Meine Mutter war ein bisschen verrückt, aber sie hatte gute Absichten – und wir hatten eine tolle Kindheit.›»

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Jasmin Steiger (jst) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie arbeitet am Newsdesk und schreibt über verschiedenste Themen.