Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Pneumokokken-Impfung für Menschen ab 60 Jahren. Aber auch für Säuglinge wird eine Grundimmunisierung mit drei Impfungen im Alter von zwei, vier und elf Monaten empfohlen. Hinzu kommen Patient:innen mit bestimmten chronischen Erkrankungen.
Polysaccharidimpfstoffe (PPSV) enthalten sind Kapselpolysaccharide als Antigene. Hierzulande erhältlich ist:
PPSV23 – Pneumovax 23 (MSD): gegen 23 Serotypen, ab zwei Jahren
Bei Konjugatimpfstoffen (PCV) sind die Kapselpolysaccharide an ein Trägerprotein konjugiert; es handelt sich um das Diphtherie-Protein CRM197. Erhältlich sind:
PVC10 – Synflorix (GSK): gegen zehn Serotypen, ab sechs Wochen bis zum vollendeten 5. JahrPVC13 – Prevenar 13 (Pfizer): gegen 13 Serotypen, für alle Altersgruppen ab sechs WochenPVC15 – Vaxneuvance (MSD): gegen 15 Serotypen, für alle Altersgruppen ab sechs WochenPVC20 – Prevenar 20 (Pfizer) = Apexxnar (Parallelimporte): gegen 20 Serotypen, für alle Altersgruppen ab sechs WochenPVC21 – Capvaxive (MSD): gegen 21 Serotypen, ab 18 Jahren; ab zwei Jahren, sofern eine pädiatrische Grundimmunisierung abgeschlossen wurdeWer kriegt was?Säuglinge: PVC13 oder PVC15
Die Grundimmunisierung von Säuglingen wird ab dem Alter von zwei Monaten mit zwei Impfstoffdosen eines 13- oder 15-valenten Pneumokokken-Konjugat-Impfstoffs (PCV13 oder PCV15) im Abstand von acht Wochen begonnen. Frühgeborene erhalten drei Dosen im Abstand von jeweils vier Wochen. Die Grundimmunisierung wird für alle Säuglinge mit einer weiteren Impfstoffdosis im Alter von 11 Monaten und mit einem Mindestabstand von 6 Monaten zur vorausgegangenen Impfung abgeschlossen.
Senioren: PVC20
Als Standardimpfung für über 60-Jährige wird die einmalige Impfung mit PCV20 empfohlen.
Indikationsimpfung: PVC20
Eine Impfung mit PVC20 wird Menschen empfohlen, die berufliche Tätigkeiten wie Schweißen und Trennen von Metallen durchführen und damit Metallrauchen einschließlich metalloxidischen Schweißrauchen exponiert sind.
Mit PCV20 geimpft werden sollen Kinder ab zwei Jahren, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung:
Angeborene oder erworbene Immundefekte, wieT-Zell-Defizienz bzw. gestörte T-Zell-FunktionB-Zell- oder Antikörperdefizienz (z. B. Hypogammaglobulinämie)Defizienz oder Funktionsstörung von myeloischen Zellen (z. B. Neutropenie, chronische Granulomatose, Leukozytenadhäsionsdefekte, Signaltransduktionsdefekte)Komplement- oder Properdindefizienzfunktionelle Hyposplenie (z. B. bei Sichelzellkrankheit), Z.n. Splenektomiea oder anatomische AsplenieMaligne neoplastische KrankheitenHIV-Infektionnach Knochenmarktransplantationimmunsuppressive Therapiea (z. B. wegen Organtransplantation oder Autoimmunerkrankung)bei chronischem Nierenversagen, nephrotischem Syndrom oder chronischer LeberinsuffizienzSonstige chronische Krankheiten, wiechronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Erkrankungen der Atmungsorgane, z. B. Asthma bronchiale, Lungenemphysem, COPDStoffwechselkrankheiten, z. B. mit oralen Medikamenten oder Insulin behandeltem Diabetes mellitusneurologische Krankheiten, z. B. Zerebralparesen oder AnfallsleidenAnatomische und fremdkörperassoziierte Risiken für Pneumokokken-Meningitis, wieLiquorfistelCochlea-Implantata
Die Anwendung von PPSV23 alleine oder im Rahmen eines sequenziellen Impfschemas wird nicht mehr empfohlen.
Wechsel auf PVC20
Personen, die in der Vergangenheit bereits eine sequenzielle Impfung (PCV13/PCV15 plus PPSV23) oder die eine einzelne PPSV23-Impfung erhalten haben, sollen in einem Mindestabstand von sechs Jahren nach der PPSV23-Impfung eine Impfung mit PCV20 erhalten. Bei einer ausgeprägten Immundefizienz kann bereits im Mindestabstand von einem Jahr nach der PPSV23-Impfung eine Impfung mit PCV20 erfolgen. Ebenso soll bei Personen, die mit PCV13 oder PCV15 geimpft wurden, eine Impfung mit PCV20 im Abstand von einem Jahr erfolgen.
Zur Notwendigkeit von Wiederholungsimpfungen nach der Impfung mit PCV20 liegen noch keine Daten vor, weswegen zum gegenwärtigen Zeitpunkt hierzu keine Empfehlung ausgesprochen werden kann.
Pneumokokken gehören zu den wichtigsten impfpräventablen Infektionserregern. Minderjährige mit bestimmten Grunderkrankungen haben ein erhöhtes Risiko, schwer zu erkranken: 30 Prozent der Fälle invasiver Pneumokokken-Erkrankungen (IPE) bei 2- bis 17-Jährigen in Deutschland treten bei jenen mit Risikofaktoren auf. Auch die Gefahr für Folgeschäden ist besonders hoch.
Neben atopischer Dermatitis und könnenauch andere chronische Krankheiten das Risiko für schwere Pneumokokken-Infektionen erhöhen. Hierzu zählen Krankheiten, die eine Immunsuppression erfordern können, etwa rheumatische Erkrankungen und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, aber auch chronische Krankheiten wie angeborene Herzfehler, Diabetes und Epilepsie.
PVC21: Warten auf die Stiko
Pneumovax23 ist nicht mehr in der Stiko-Empfehlung enthalten, weder für Erwachsene noch für Kinder. Stattdessen hat MSD im vergangenen Jahr mit Capvaxive einen PVC21-Impfstoff auf den Markt gebracht. Die Vakzine deckt laut Hersteller jene Serotypen ab, die von 2019 bis 2023 in Deutschland für rund 84 Prozent der Fälle invasiver Pneumokokken-Erkrankungen (IPD) bei über 60-Jährigen verantwortlich waren.
Bestimmte Serotypen wurden aufgrund indirekter Effekte der Säuglingsimpfung bewusst weggelassen und neue Serotypen, die bei Erwachsenen an Bedeutung gewonnen haben, aufgenommen. So enthält Capvaxive acht zusätzliche Serotypen (15A, 15Cg, 16F, 23A, 23B, 24F, 31 und 35B), die in den derzeit zugelassenen Impfstoffen nicht enthalten sind und die in Deutschland im genannten Zeitraum circa 19 Prozent aller IPD-Fälle bei Erwachsenen über 60 Jahren verursacht haben. Eine Stiko-Empfehlung gibt es hier aber nach wie vor nicht.