
Ein Signet, das in den 90ern die Herzen höher schlagen liess: Lucasfilm Games.Bild: Screenshot
27.08.2026, 19:5527.08.2026, 19:55

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Die Generation Alpha ist fasziniert von den 90ern. Kein Wunder – die Welt war eine andere: Bill Clinton war Präsident der USA, im Fernsehen lief «Beverly Hills 90210» und kein Mensch mit eigenen Zähnen benutzte eine Gesichtscrème.
Sorgen um den drohenden Klimawandel hatten bloss ein paar Spassbremsen. Die KI kannten wir nur aus «Knight Rider» und Russland trat dem Nato-Programm «Partnerschaft für Frieden» bei. Alles war in bester Ordnung. Alles? Nein, natürlich hatten wir auch in den 90ern Probleme.
Problem Nummer 1: Wieso knattern Fäbes Jasskarten zwischen den BMX-Speichen lauter als alle anderen?
Problem Nummer 2: Wie zum Teufel lässt sich der Kopierschutz von «Zak McKracken» (1988) umgehen.

Journalist Zak McKracken spricht beim Chefredaktor bekannte Probleme an. Ja, liebe Kinder, wegen Games mit solcher Grafik rannten wir damals von der Schule nach Hause.Bild: Screenshot «Zak McKracken»
Zusammen mit «King’s Quest», «Maniac Mansion» und «Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards» war das Point-and-Click-Adventure von Lucasfilm der absolute Knüller in einem ganz neuen Industriezweig: den Computerspielen. Diese konnten nicht wie heute einfach heruntergeladen werden – das World Wide Web gab es nicht. Sie mussten im Laden physisch erworben werden. Wer Glück hatte, lebte in der Nähe eines Interdiscounts oder einer progressiven Buchhandlung.

5¼-Diskette in einer Hülle von 3M. Der Speicherplatz dieser Datenträger war so beschränkt, dass ein heutiges Handy-Foto in guter Auflösung nicht darauf Platz hat. Später kamen Disketten im Format 3,5-Zoll. Sie waren zwar kleiner, hatten aber mehr Speicherplatz.Bild: Shutterstock
Die Games waren auf Disketten gespeichert – die, falls zwei Laufwerke im heimischen Computer installiert waren, kopiert werden konnten. Sprich: Wenn einer in der Klasse ein Game kaufte, besassen es danach alle. Die Dynamik brach der noch jungen Game-Industrie beinahe das Genick. Sie reagierte deshalb mit verschiedenen Kopierschutzmassnahmen auf Soft- und Hardwareebene – und zeigte sich dabei recht erfinderisch und originell.
«Zak McKracken»
Erste Seite des Kopierschutzes von «Zak McKracken».Bild: archive.org
Eine zu Beginn sehr beliebte und auch erfolgreiche Massnahme waren Wortabfragen aus dem Beiheft: «Gib das dritte Wort auf der dritten Zeile auf Seite 7 der Spielanleitung ein», hiess es beispielsweise. Wer diese nicht besass, guckte in die Röhre.
Tönt nicht nach einer riesigen Hürde – in den 90ern waren Disketten aber einfacher zu kopieren als ein paar Heftseiten. Fotokopierer waren in Privathaushalten so gut wie inexistent. Manchmal stand eines der riesigen Geräte am SBB-Schalter oder in der Apotheke. Dort durfte man dann für 20 Rappen pro Seite xeroxieren. Aufgrund der Marktüberlegenheit von Xerox-Geräten hiess der Fotokopiervorgang damals noch so.
«Maniac Mansion»
Kopierschutzabfrage von «Maniac Mansion» – so gedruckt, dass die damaligen Fotokopierer sich daran die Zähne ausbissen.Bild: archive.org
Meist aber musste ein gutmütiger Vater, viele davon hiessen Heinz, die Mittagspause opfern, um am Arbeitsplatz seinem Reto oder Andi einen Gefallen zu tun. Doch die Heinzens hatten kein einfaches Spiel. Die findigen Game-Hersteller druckten schwarz auf dunkelrot. Ein handelsübliches Kopiergerät aus der Zeit war damit überfordert und die Kopien waren kaum bis gar nicht lesbar.
«Loom»
Die Blau- und Rottöne des «Loom»-Kopierschutzes zwangen auch einen hochwertigen Fotokopierer in die Knie. Sichtbar wurden die abgefragten Noten nur durch einen Rotfilter. Farbkopierer gab es damals noch nicht. Bild: archive.org
Die Kopiergeräte wurden besser, Schwarz auf Rot leserlicher – und parallel dazu die Game-Hersteller trickreicher. Notfalls verbrachten Reto und Andi ganze Mittwochnachmittage damit, Anti-Kopiermassnahmen mit händisch erstellten Eigenkreationen zu umgehen. Diese konnten dann von Heinz für die gesamte Klasse fotokopiert werden. Andis und Retos Status in der Klasse stieg darauf ins nächste Level auf.
«Operation Stealth»
Das James-Bond-artige Game «Operation Stealth» lieferte eine Farbtabelle mit, die sehr schwer abzuzeichnen war. Farbkopierer gab es damals kaum.Bild: archive.org
«Monkey Island»
Mutmasslich das beliebteste Game der 90er-Ära: «The Secret of Monkey Island». Bild: archive.org
«Monkey Island 2»
Mutmasslich der beste Nachfolger der 90er-Ära: «The Secret of Monkey Island 2 – LeChuck’s Revenge».Bild: archive.org
«Kings of the Beach»
Einfacher zu kopieren – leider auch nur ein mässiges Game: «Kings of the Beach».Bild: archive.org
Andi und Reto mussten ihr Skillset in der Folge erweitern. Um das einfache Kopieren zu verunmöglichen, wurden Drehscheiben immer beliebter. Wer sie kopieren wollte, musste sie beschädigen. Damit waren die Grenzen der Gutmütigkeit des tatsächlichen Käufers meist erreicht. Es blieb nichts anderes übrig, als abzuzeichnen und zu basteln – genauso wie bei der Spielkarten-Abfrage von «Alone in the Dark».
«Alone in the Dark»
Bei «Alone in the Dark» mussten Spielkarten korrekt gestapelt werden. Durch die Sichtfenster war dann das korrekte Symbol ersichtlich.Bild: archive.org
«Ultima 6»
Stoffkarte von «Ultima 6».Bild: archive.org
Bei «Ultima 6» wurden die Koordinaten verschiedener Ortschaften abgefragt. Nur wer über die Stoffkarte verfügte, konnte diese herausfinden.
«Wing Commander»
Bei «Wing Commander» von Origin wurden Details zu Raumschiffen abgefragt.Bild: archive.org
«Dragon’s Lair»
«Dragon’s Lair» – fantastische Grafik, fantastischer Sound, aber das Game war reine Glücksache und die Bewegungen des dümmlichen Helden komplett unintuitiv. Gameplay 0 von 10 Punkten.Bild: archive.org
Der ultimative Kopier-Killer waren Dongles. Dabei handelte es sich um physische Stecker, die am PC angebracht werden mussten. In regelmässigen Abständen testete die Software, ob der Dongle vorhanden war. Fehlte er, wurde die Anwendung geschlossen. Gegen Dongles war kein Kraut gewachsen und Andi und Reto waren am Ende ihres Lateins angekommen. Jetzt half nur noch eine «gecrackte» Version.
«Space Quest IV»
In «Space Quest 4» tauchte der Kopierschutz mitten im Spiel auf.Bild: archive.org
Unter «Cracking» versteht man das Umgehen des Kopierschutzes auf Softwareebene. Dafür waren ausgezeichnete Programmierfähigkeiten nötig. Im deutschsprachigen Raum entwickelte sich in Deutschland dafür eine Szene mit diversen Untergrund-Crews. Sie bestanden nicht nur aus Programmierern, sondern auch aus Grafikern und Musikern. Gecrackte Software wurde mit Crew-Logos und einem Demo der Fähigkeiten ergänzt. Nicht selten übertrafen diese Demos die eigentlichen Games in Sachen Grafik- und Musikqualität. Gegen die Cracker- und Demoszene wurde in Deutschland mit Hausdurchsuchungen der Polizei vorgegangen.
«Simcity»
Auch «Simcity» griff auf die beliebte Schwarz-auf-Rot-Taktik zurück. Bild: archive.org
Bonus: «Leisure Larry» 
«Leisure Suit Larry in the Land of Lounge Lizards» war nicht jugendfrei – und verzichtete auf eine Passabfrage.Bild: Screenshot

Stattdessen mussten vor dem Spiel Fragen beantwortet werden, von welchen die Hersteller annahmen, dass sie nur Erwachsenen beantwortet werden können.Bild: Screenshot