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Interpol haben zum ersten Mal seit langer Zeit ein Album in ihrer Heimatstadt New York aufgenommen – es soll ein Blick zurück nach vorn sein. Wie immer schrieb Gitarrist Daniel Kessler die Musik allein in seinem Apartment, während im Fernseher alte französische Filme liefen. Sänger Banks assoziierte zu den fertigen Playbacks Worte und Melodien, bis ein Lied erkennbar wurde. So machen es auch The National, die viel sanfter sind, aber doch einiges mit Interpol gemeinsam haben.

Produzent Andrew Wyatt (Rosalía, Charli XCX) aber erweiterte die Musik um Soundsphären, Klavier und elektro­nische Elemente, ein Lied entstand gar auf der akustischen Gitarre. Man hört die Veränderung gleich im Auftaktsong, der sich langsam und schwankend aus der Stille erhebt, bis Banks zu sonderbaren Geräuschen eine dringend wirkende Melodie singt. Das folgende „See Out Loud“ hat den bekannten Post-Punk-Sound – statische Drums, kantige Wave-Gitarren, schneidender Gesang. „Iron City“ ist dramatischer Eighties-Wave, Banks wirkt erschöpft, das Keyboard spielt wie aus dem Jenseits.

„Wounded Soldier“ ist Goth-Disco in Zeitlupe – streng, unnachgiebig, schwarz-elegant. „So Rides The Reindeer“ ist das Lied mit der Akustikgitarre – ein sanfter Moment, aber noch sanfter sind die beiden Klavierballaden „Enemy“ und „Sudden“, da mischt sich ein warmes Gefühl in die Dissoziation. Dass „This Mirror …“ ein so hörenswertes Album ist, hat viel mit Wyatts Sounddesign zu tun. Jedes Instrument hat einen eigenen Platz, nichts verschwindet im indifferenten Wash. So entsteht ein sehr plastischer Klang, der die strenge Apathie von Interpol unterstreicht und pointiert. Zum Beispiel bei dem zackigen „Wake Up“ – die Drums klingen hölzern und direkt, Banks‘ Stimme schwebt über den aufgedrehten Instrumenten. High fidelity for low spirits.