Solothurn, Fribourg, Sion, Basel, Luzern, Aarau, Chur und St. Gallen sind für Familien die attraktivsten Wohnorte ihrer jeweiligen Region. Hinzu kommen Vevey und Lugano. Das geht aus dem am Donnerstag präsentierten UBS-Wohnattraktivitätsindikator 2026 hervor.
Für die Untersuchung analysierte das Chief Investment Office der Grossbank sämtliche Schweizer Gemeinden. Als Grundlage diente ein Haushalt mit durchschnittlichem Einkommen und zwei Kindern. Bewertet wurden die Infrastruktur, das Freizeitangebot und die Lebenshaltungskosten.
Auf eine landesweite Rangliste verzichtete die UBS bewusst. Da rund 70 Prozent aller Umzüge innerhalb eines Radius von weniger als zehn Kilometern erfolgten, teilte sie die Schweiz in zehn Regionen ein, die sich an den Arbeitsmarktgrossregionen des Bundesamts für Statistik orientieren.
Grossstädte schaffen es nicht aufs Podest
Die beiden grössten Schweizer Städte verpassten in ihren Regionen die ersten drei Plätze. Im Raum Zürich-Aarau-Schaffhausen lag Aarau vor Baden und Schaffhausen. Die Region Genf-Lausanne wurde von Vevey angeführt, gefolgt von Lausanne und Morges. Genf schaffte es nicht unter die ersten drei.
Die attraktivsten Wohngemeinden im regionalen Vergleich: Die Karte zeigt die jeweiligen Top Drei der zehn untersuchten Schweizer Regionen. (Grafik: UBS)
Mittelgrosse Städte profitierten laut den UBS-Ökonomen Thomas Rieder und Fabian Waltert von gut ausgebauten Infrastrukturen, vielfältigen Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten sowie einem breiten Angebot an Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Zugleich seien die Lebenshaltungskosten meist deutlich tiefer als in den Grosszentren.
So lagen die Kosten für eine Familie in Vevey rund 15 Prozent unter dem Genfer Niveau. In Aarau waren sie 28 Prozent, in Schaffhausen sogar 34 Prozent tiefer als in Zürich. Dieses Verhältnis von Standortqualität und Kosten verschaffe den Mittelzentren einen Vorteil.
Das Umland lockt mit tieferen Kosten
Auch mehrere Agglomerationsgemeinden schnitten gut ab. Dazu gehörten unter anderem Zollikon, Baar, Granges-Paccot, Gaiserwald und Morges. Sie kombinierten eine gute Erreichbarkeit mit vergleichsweise tiefen Steuern oder Wohnkosten.
Selbst Gemeinden am Rand der Agglomerationen oder im ländlichen Raum erreichten Spitzenplätze. Als Beispiele nannte die UBS La Roche, Düdingen, Erlach, Sissach und Walenstadt. Eine weniger ausgebaute Infrastruktur könne demnach durch tiefere Wohnkosten und eine hohe Lebensqualität ausgeglichen werden.
Besonders ausgeprägt ist das Kostengefälle rund um Zürich. Eine Familie, die in einer Agglomerationsgemeinde mit 10 bis 15 Minuten ÖV-Distanz zum Grosszentrum lebt, spart gemäss der Berechnung im Durchschnitt rund 11’500 Franken pro Jahr. Ab einer Fahrzeit von 45 Minuten beträgt die Differenz gegenüber der Stadt sogar mehr als 20’000 Franken.
Schweizweit liegen die jährlichen Lebenshaltungskosten in einer 10 bis 15 Minuten entfernten Agglomerationsgemeinde durchschnittlich 6’700 Franken unter dem Niveau des jeweiligen Grosszentrums. Die höheren Pendlerkosten und der zusätzliche Zeitaufwand relativierten diesen Vorteil allerdings teilweise.

Je nach Einkommen verschiebt sich die Rangliste: Während Aarau bei tiefem und mittlerem Einkommen vorne liegt, führt Freienbach bei Haushalten mit hohem Einkommen. (Grafik: UBS)
Einkommen verändert die Rangliste
Welche Gemeinde attraktiv ist, hängt zudem stark von den finanziellen Möglichkeiten des Haushalts ab. Gutverdienende gewichteten steuerliche Vorteile stärker und könnten höhere Wohnkosten eher tragen. Für sie rückten deshalb Gemeinden wie Freienbach, Cologny, Appenzell, St. Moritz oder Paradiso nach vorne.
Haushalte mit tieferen Einkommen seien dagegen stärker auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen. Für sie erwiesen sich Kleinzentren sowie Agglomerations- und Landgemeinden mit ausreichender Infrastruktur als vorteilhaft. Die UBS nennt unter anderem Grenchen, Langenthal, Zofingen, Wattwil und Thusis.