Der organisierte Kegelsport befindet sich in einer schwierigen Lage. Kegelbahnen werden geschlossen, der Nachwuchs fehlt, die Mitgliederzahlen nehmen ab. Wieso also überhaupt kegeln? Einer, der es seit über 30 Jahren tut, ist der amtierende Vize-Schweizermeister Peter «Gägxu» Gygax von den River Boys Bern.

«Man muss nicht immer nur ernst sein», grinst Peter Gygax und hebt die Fäuste zur Siegespose in die Kamera. Der 64-jährige Kegelveteran hat soeben ein weiteres 9er-Holz geworfen – also alle neun Kegel umgeworfen. Dies immer und immer wieder zu schaffen, ist gar nicht so einfach, wie es vielleicht den Anschein hat.

Denn: Jede Bahn, auch jede Kugel, ist ein bisschen anders. Während sich Bahnen in der Neigung – zwischen zwei und fünf Grad – und dem verwendeten Wachsbelag unterscheiden, fühlen sich die Kugeln je nach Gebrauch anders an. «Da muss man anpassen, wie man steht, wie man wirft», erklärt Gygax, der von seinen Kegel-Kollegen von den «River Boys Bern» nur Gägxu genannt wird.

Peter Gygax kegelt seit mehr als 30 Jahren.

Peter Gygax kegelt seit mehr als 30 Jahren.Fotos: Annina Häusli

2022 hat er sich in Luzern zum Schweizermeistertitel gekegelt. Vielleicht deshalb gehört die Kegelbahn in Luzern zu seinen Lieblingsbahnen. In Heimberg, wo in diesem Jahr die Schweizermeisterschaften stattfinden, fühlt er sich aber ebenfalls wohl. Es gibt durchaus einen Heimvorteil, wenn man häufig auf den gleichen Bahnen trainiert.

«Im letzten Jahr habe ich den Schweizermeistertitel um ein Holz verpasst – das musst du dir mal vorstellen, bei 200 Würfen», sagt er und schüttelt lächelnd den Kopf. «Hätte ich an einer Stelle sechs statt fünf Holz geworfen, es hätte anders kommen können.» In diesem Jahr hofft er, sich für den Finaltag zu qualifizieren – gegen einen weiteren Schweizermeistertitel hätte er auch nichts einzuwenden.

Die Eisbahn gegen die Kegelbahn getauscht

Gägxu kegelt bereits sein halbes Leben: «Im Jahr 1993 habe ich damit angefangen», erinnert er sich. Ursprünglich spielte er aber Eishockey, in der Regionalliga für den damaligen EHC Weissenbühl, heute EHC Bern 96. «Ich habe mich im Training vor der Saison am Knie verletzt, die Saison war vorbei, bevor sie begonnen hat.»

Er ist einer der wenigen, die sich aufwärmen – «um die Konzentration hochzufahren».

Er ist einer der wenigen, die sich aufwärmen – «um die Konzentration hochzufahren».

Eishockey war somit vom Tisch – ein neues Hobby musste her, also nahm ihn ein Kollege mit zum Kegeln. «Ich wurde schnell besser, konnte Meisterschaften gewinnen, deshalb bin ich geblieben», schmunzelt er.

Der Metzgermeister wuchs im Berner Quartier Holligen auf, über einem Restaurant, das über eine Kegelbahn verfügte. «Dort habe ich auch in der Jugend ab und zu ein paar Kugeln geworfen», sagt er. Mittlerweile gibt es die Kegelbahn, wie so viele weitere, nicht mehr. Auch die River Boys Bern, der Kegelclub von Gägxu, hat keine Stamm-Kegelbahn mehr. «Wir hatten früher eine in der Nähe vom Europaplatz in Bern», so Gägxu. «Jetzt ist ein China-Restaurant dort, welches die Kegelbahn nicht mehr betreibt.»

Peter Gygax schickt die Kugel auf den Weg. Wird sie alle neun Hölzer abräumen?

Peter Gygax schickt die Kugel auf den Weg. Wird sie alle neun Hölzer abräumen?

Ein regelmässiges Training ist so nicht möglich. «Wir spielen im ganzen Kanton, an Meisterschaften und im Cup», so Gägxu. Vor einigen Tagen sei er beispielsweise in Ins gewesen.

Im Kegelcenter Heimberg kegelt Gygax an diesem Tag mit elf anderen Keglern um die fünf Plätze für den Kantonenwettkampf. Drei Runden, à vier mal 20 Wurf – eine Runde dauert etwa 45 Minuten, nach jeder Runde scheiden die Letztplatzierten aus. «Es ist nicht ohne», sagt Gygax, der die erste Runde als Zweitbester locker übersteht. Als Einziger wärmt er sich auf, übt die Würfe trocken. «Einerseits bin ich nicht mehr der Jüngste, andererseits kann ich so die Konzentration hochfahren», erklärt er.

Schafft es «Gägxu» dieses Jahr wieder, den Schweizermeister-Titel zu holen?

Schafft es «Gägxu» dieses Jahr wieder, den Schweizermeister-Titel zu holen?

«Holz, Gägxu», erklingt es jeweils von den Tischen hinter den Bahnen, wenn Gygax ein guter Wurf gelungen ist. Ein Vereinskollege sitzt sich hinter ihm auf den Boden und gibt ihm Tipps für den nächsten Wurf. «Die Kameradschaft ist sehr schön im Verein», sagt Gygax, und auch mit ein Grund, dass er noch immer dem Kegelsport frönt.

Am Ende dieses Kegeltages verpasst Gägxu die Top Fünf – die zweite Ausscheidung misslingt ihm. Als Sechster ist er Ersatzspieler und am 29. August trotzdem mit dabei am Kantonenwettkampf im Kegelcenter Heimberg. «Dann halt als Coach», nimmt er es gelassen.

Die Resultate des Ausscheidungswettkampfes

Rang
Kegler
1. Ausscheidung
9er
2. Ausscheidung
9er
1.+2. Ausscheidung
9er

1
Scheidegger Sven
650
29
662
36
1’312
65

2
Plüss Bruno
666
46
641
41
1’307
87

3
Soltermann Jürg
645
44
656
40
1’301
84

4
Scheidegger Roland
635
30
655
38
1’290
68

5
Zumtaugwald Elmar
638
28
645
32
1’283
60

6
Gygax Peter
663
41
611
26
1’274
67

7
Dänzer Hans
638
29
633
28
1’271
57

8
Gerber Fritz
638
28
612
29
1’250
57

9
Blatter Werner
623
33
 
 
 
 

10
Trüssel Markus
617
25
 
 
 
 

11
Lehmann Walter
617
19
 
 
 
 

12
Stettler Ueli
613
19
 
 
 
 

13
Köchli Peter
586
25