Herford/Bad Salzuflen. Videos in Schwarz-Weiß, Hochhäuser im Hintergrund, drei Jungs im Auto, in Treppenhäusern oder vorm Kiosk. Die Musikvideos der Rap-Crew HWZ wirken nach Großstadt, doch der Großteil ist hier in OWL gedreht. Und auf TikTok und Spotify erreichen sie damit Hunderttausende.
HWZ: Das sind Serhad (21) aus Herford, Can (18) und Liyan (20) aus Bad Salzuflen. Sie kommen aus drei unterschiedlichen, aber befreundeten Familien. Deshalb haben sie schon als Kinder viel Zeit miteinander verbracht. Irgendwann haben Serhad und Can angefangen, bei Familientreffen Musik zu machen. Später holt Can Liyan dazu.
Ihr Bandname HWZ steht für das kurdische Wort Hawarz. Früher sei das vor allem ein Hilferuf gewesen. Die kurdische Community in Deutschland benutze das Wort heute allerdings auch noch für etwas anderes: Nämlich um Menschen zu beschreiben, die den ganzen Tag nur draußen „rumhängen“ und als „schwarze Schafe der Familie“ gelten, erklärt die Gruppe. Es sei eher eine Beleidigung von Älteren gegenüber den Jüngeren.
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Song „Generation Z“ geht auf Tiktok viral
Die drei Musiker seien auch so bezeichnet worden. Indem sie sich als Rapcrew selber diesen Namen gegeben haben, wollen sie die Bedeutung des Wortes mehr ins Positive rücken – und damit zeigen, was man auch als schwarzes Schaf alles erreichen kann.
Eigentlich haben HWZ schon ein Album und eine EP digital rausgebracht. Aber die haben sie mittlerweile gelöscht. Im Herbst 2025 veröffentlichten sie dann ihren Song „Generation Z“, der Ende Januar auf Tiktok viral geht. Die alten Songs gibt es jetzt nur noch in einer Telegram-Gruppe „für die Fans seit Tag eins“, sagt die Rapcrew.
Nach „Generation Z“ folgt im April der erste Plattenvertrag. Und zwar bei keinem Geringeren als Universal – dem weltweit größten Musikkonzern. Seitdem müssen sie für ihre Studio-Sessions oft nach Berlin oder Frankfurt. In Frankfurt arbeitet ihr Produzent Sott, der schon mit Rap-Größen wie Haftbefehl und Soufian Musik gemacht hat. Mit Sott zusammenzuarbeiten sei für HWZ ein Kindheitswunsch gewesen, der in Erfüllung geht. „Das hat die stolzer gemacht als die zehntausend Streams von ’Generation Z’“, sagt ihr Manager Suud.
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Herforder Rapcrew will in OWL bleiben
Aber in eine der Musik-Metropolen ziehen wollen sie nicht. „OWL ist Heimat“, sagen sie. Und auch in ihrer Spotify-Beschreibung heißt es: „HWZ will nicht raus aus dem Block – sie wollen ihn stärker, schöner und ehrlicher machen.“ So entdeckt man in ihren Videos immer wieder bekannte Ecken aus Herford, Bad Salzuflen und Bielefeld – Ostwestfalen ist immer wieder eine Referenz in ihren Lyrics. „Wir sind keine Großstadtkinder. Wir wollen nicht in die große weite Welt. Da verirrt man sich nur.“
Dass ihre Videos dennoch Großstadt-Vibes ausstrahlen, sei Absicht: Aber es wirke eher wie „Jungs aus der Kleinstadt, die auf Klassenfahrt in der Großstadt sind“, sagt die Gruppe. Zwar spielen einige ihrer Videos in Berlin, aber es solle immer klar sein: „Wir sind nicht von hier.“
Mitte August haben sie ihren neusten Song „Zittern“ veröffentlicht. „Der wird sogar noch größer als Generation Z“, sagt die Gruppe. In den Kommentaren auf Tiktok und Instagram feiern die Leute den Track, auf Spotify hat er über eine Million Streams. Aber: Die harten Lyrics des Songs sollten nicht zu ernst genommen werden. Das sei eher ein „Spaß-Lied“, sagt die Gruppe.
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Straßen-Rap aus Herford und Bad Salzuflen
Sie wollen vor allem Straßenrap machen. „Wir machen auch harten Scheiß, aber wir sind keine Gangster.“ Hip-Hop-Medien vergleichen ihren Stil mit „La Haine“ – dem ersten großen Film über die migrantisch geprägten Banlieues von Frankreich, also den Vorstädten und Randzonen der Großstädte.
In ihrer Musik geht es um das Aufwachsen im Viertel, Reflexion über die eigene Kindheit und ihre Beziehung zur eigenen Familie. Sie selbst beschreiben ihre Musik als „hungrig, roh und kompromisslos echt“. Konkrete Pläne für eine EP oder Album haben sie gerade noch nicht. Erst mal heißt es: „Einfach Mucke machen.“
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