Eine heftige Gewitterfront mit Hagel hat in der West- und Nordwestschweiz am Freitagmorgen für Sturmschäden gesorgt. Unter anderem wurde der Zugverkehr auf der Strecke von Biel nach Olten wegen des Unwetters unterbrochen, wie die SBB mitteilten.

Regional fielen Hagelkörner im Durchmesser von bis zu sechs Zentimeter.

Regional fielen Hagelkörner im Durchmesser von bis zu sechs Zentimeter.Fotos: Keystone

SRF Meteo zählte innert kurzer Zeit rund 46’000 Blitze und vermeldet zwei geografische Bänder mit starken Hagel-Niederschlägen, die sich von der Region Basel und vom Neuenburgersee östlich zum Bodensee hinzogen. Lokal hätten die Hagelkörner einen Durchmesser von bis zu sechs Zentimeter gehabt. Solch riesiger Hagel komme in der Schweiz relativ selten vor.

Im Kanton Schaffhausen seien Windböen in Geschwindigkeiten von bis zu 142 Stundenkilometer gemessen worden. In Hallau seien innert zehn Minuten Regenmengen von 23 Millimetern gemessen worden, gefolgt von Langenbruck BL mit 19 und Barmelweid AG mit 18 Millimetern.

Hagelsturm verletzt zahlreiche Kinder

Im Kanton Zürich hat das Unwetter rund 40 Menschen verletzt. Betroffen sind vor allem Schulkinder in Seuzach und Neftenbach, die vom Hagelsturm getroffen worden sind, wie die Kantonspolizei Zürich am Freitag mitteilte. Mehrere Verletzte mussten mit dem Rettungsdienst in Spitäler gebracht werden. Zur Betreuung der betroffenen Schulklassen rückte das Spezialteam Care Kanton Zürich aus.

In Bülach ZH begutachtet ein Bewohner die Schäden an der Fassade.

In Bülach ZH begutachtet ein Bewohner die Schäden an der Fassade.

Die Unwetterfront zog gegen 10.00 Uhr über den nördlichen Teil des Kantons. Kurz darauf gingen bei der Einsatzzentrale zahlreiche Notrufe wegen Sturmschäden ein.

Fast 300 Schadensmeldungen in Solothurn

Die heftige Gewitter haben am Freitagvormittag auch Kanton Solothurn zu Schäden und einer Schwerverletzten geführt. Bei der Alarmzentrale gingen laut Polizeiangaben rund 290 Meldungen wegen Wassereinbrüchen und Windschäden ein.

Eine 42-jährige Frau wurde in Erlinsbach SO von einem umgestürzten Baum getroffen und dabei schwer verletzt, wie die Kantonspolizei mitteilte. Sie musste nach der medizinischen Erstbetreuung vor Ort durch den Rettungsdienst in ein Spital gebracht werden.

Nach den Unwettern gingen bei der Alarmzentrale zwischen 9.00 und 12.00 Uhr rund 290 Meldungen ein. Die örtlichen Feuerwehren standen im Dauereinsatz.

In rund 180 Fällen betrafen die Meldungen Wassereinbrüche in Gebäude. Etwa 110 weitere Meldungen standen laut Polizei im Zusammenhang mit starkem Wind: Diese betrafen vor allem umgestürzte Bäume sowie teilweise auch beschädigte Dächer.

Besonders stark betroffen waren die Bezirke Lebern, Olten und Gösgen. Die teils heftigen Gewitter führten zu einer massiven Konzentration von Schadensfällen in diesen Regionen.

Lastwagen im Argau vom Winde verweht

Bis am Freitagmittag seien rund 240 Schadenplätze registriert worden, teilte die Kantonspolizei Aargau mit. Mehr als 40 Feuerwehren seien im Einsatz gestanden, um die Sturmschäden im gesamten Kantonsgebiet zu bewältigen.

Dieser Betonmasten einer Hochspannungsleitung stürzte auf ein Gewerbegebäude.

Dieser Betonmasten einer Hochspannungsleitung stürzte auf ein Gewerbegebäude.

Ein Schwerpunkt lag im Birrfeld. Dort knickte der Sturm vier massive Betonmasten einer Hochspannungsleitung um. Zwei dieser Masten stürzten in Birrhard auf Gewerbegebäude und beschädigten diese erheblich, wie die Polizei weiter berichtete.

Die betroffenen Leitungen hingen über mehrere Hundert Meter bis auf Bodenhöhe herab. Sie mussten von Fachleuten gesichert und stromlos geschaltet werden. In verschiedenen Aargauer Gemeinden kam es zu Stromausfällen.

Auf der A1 bei Birrfeld wurde dieser Lastwagen vom Winde verweht.

Auf der A1 bei Birrfeld wurde dieser Lastwagen vom Winde verweht.

Auf der Autobahn A1 in Birrfeld erfasste der Orkan um 9.50 Uhr einen Lastwagen, der im stockenden Kolonnenverkehr in Richtung Bern unterwegs war. Das Fahrzeug kippte auf einen nebenstehenden Lieferwagen. Der Lenker des Lieferwagens konnte unverletzt aus dem zerstörten Fahrzeug aussteigen, und auch der Lastwagenfahrer blieb unversehrt.

Die aufwendigen Bergungsarbeiten dauerten rund zwei Stunden, was in beiden Fahrtrichtungen zu langen Staus führte. Überflutete Strassen und Ausweichverkehr sorgten im gesamten Kanton für erhebliche Verkehrsbehinderungen.

Bahnunterbruch in Biel

Wegen des Unwetters kam es auch zu Unterbrüchen im Bahnbetrieb. So auf der Strecke von Biel nach Olten, die derzeit nicht befahrbar ist, wie die SBB mitteilten. Der Unterbruch werde bis circa 14.00 Uhr andauern, hiess es. Von Unwetterschäden betroffen war auch die Linie R55 bei Nyon VD.

Am späteren Vormittag zog die Gewitterfront in Richtung Osten, namentlich nach Zürich und Schaffhausen weiter, wie dem Portal des Bundesamtes für Meteorologie (Meteoschweiz) zu entnehmen war. Als Unwetter-Gefahrenzone ausgewiesen war des Weiteren das Gebiet Murten-Kerzers FR.

Für den Mittag und frühen Nachmittag vermeldet Meteoschweiz in den übrigen Regionen zunehmende Bewölkung und verbreitet aufkommende Schauer sowie teils kräftige Gewitter. Am Abend und in der Nacht komme es aus Westen zur Wetterberuhigung und Bewölkungsauflockerung.

Flughafen Zürich muss wegen Gewitter viele Flüge streichen

Das heftige Gewitter hat den Betrieb auf dem Flughafen Zürich «erheblich» beeinträchtigt. Bis Freitagmittag mussten 27 An- und Abflüge gestrichen werden, und weitere Streichungen seien absehbar, wie die Fluggesellschaft Swiss mitteilte.

Betroffen gewesen seien rund 3100 Passagierinnen und Passagiere. Bei weiteren Flügen sei mit Verspätungen von bis zu drei Stunden zu rechnen, heisst es. Je nach Wetterentwicklung könnte es zu weiteren Ausfällen im Flugbetrieb kommen.

Hauptsächlicher Grund für die Beeinträchtigung des Betriebs waren gemäss Mitteilung Blitzeinschläge in der Nähe des Flughafens. In solchen Situationen müsse die Arbeit auf dem Vorfeld aus Sicherheitsgründen zeitweise eingestellt werden.

Die Mitarbeitenden müssten Abstand von Flugzeugen und anderen metallischen Einrichtungen halten. Flugzeuge könnten dann nicht be- und entladen, betankt und für den nächsten Flug abgefertigt werden. Der Betrieb am Boden komme sodann weitgehend zum Stillstand, was auch weitere Verzögerungen nach sich ziehe.

Die Swiss bedauert die Auswirkungen auf die Fluggäste, deren Reisepläne durcheinander geraten.