Virusvermehrung schon ab 13 Grad

Doch wie gefährdet sind Mitteleuropa und andere, kühlere Regionen Europas? Das haben nun Sandeep Tegar vom britischen Centre for Ecology & Hydrology und sein Team näher untersucht. Dafür werteten sie zunächst aus, bei welchen Temperaturen Tigermücken und Chikungunya-Virus vorkommen können, wann die Übertragung durch Mückenstiche möglich ist und wie sich die Inkubationszeit mit der Temperatur verändert.

Die Auswertung ergab: Das Chikungunya-Virus kann sich schon bei Temperaturen ab 13,8 Grad in Mücken vermehren und von ihnen übertragen werden. „Das sind zwei bis zweieinhalb Grad weniger als zuvor angenommen“, berichten Tegar und seine Kollegen. Die größte Vektorkompetenz erreichen die Tigermücken bei 22 Grad, zudem benötigt das Virus bei sommerlichen Temperaturen von 30 Grad nur ein bis zwei Tage, um nach einer Blutmahlzeit der Mücke in deren Speicheldrüsen zu wandern.
Chikungunya-RisikogebietAuch bei uns in Deutschland besteht im Hochsommer inzwischen das Risiko für eine Chikungunya-Übertragung durch die Tigermücke. © Tegar et al./ Journal of The Royal Society – Interface, CC-by 4.0

Deutschland liegt im Risikogebiet

Was das konkret für das Übertragungsrisiko in Europa bedeutet, haben Tegar und sein Team anhand von Klimadaten kartiert. Das Ergebnis: „Die von uns identifizierte niedrigere Temperaturschwelle führt dazu, dass mehr Regionen – und mehr Monate des Jahres – potenziell für eine Übertragung geeignet werden“, sagt Tegar. Im südlichen Europa können Tigermücken demnach das Chikungunya-Virus inzwischen in sechs bis neun Monaten des Jahres übertragen – mindestens von Mai bis Oktober.

Aber auch Mitteleuropa ist inzwischen Risikogebiet: Deutschland und seine Nachbarländer gehören zu den Regionen, in denen ein Chikungunya-Übertragung zumindest im Hochsommer möglich ist. „Rund 50 Prozent von Europas geografischer Fläche ist mindestens im Juli und August für eine Chikungunya-Übertragung geeignet“, berichtet das Team. In Teilen Süddeutschlands und Ostdeutschlands beginnt die Risikosaison sogar schon im Juni.

Gefahr nimmt weiter zu

„Unsere Ergebnisse unterstreichen, dass eine Übertragung des Chikungunya-Virus inzwischen in weiten Teilen Europas vorkommen kann, vor allem in den Sommermonaten Juli und August“, konstatieren die Forschenden. Die jetzt identifizierten Risikogebiete werden sich durch den fortschreitenden Klimawandel jedoch noch vergrößern: „Europa erwärmt sich rasch und die Tigermücke breitet sich allmählich nach Norden über den Kontinent aus“, sagt Tegar.

„Die Identifizierung spezifischer Orte und Monate mit möglicher Übertragung ermöglicht es nun lokalen Behörden, zu entscheiden, wann und wo Maßnahmen ergriffen werden sollten, um das Risiko oder Ausmaß von Ausbrüchen zu verringern“, erklärt das Team. (Journal of The Royal Society – Interface, 2026; doi: 10.1098/rsif.2025.0707)

Quelle: Interface, UK Centre for Ecology & Hydrology







3. März 2026

– Nadja Podbregar