Als vor genau 100 Jahren die Stimme von Außenminister Beneš aus den Radiogeräten in der Tschechoslowakei zu vernehmen war, wurden die Hörer zu Zeugen einer absoluten Neuerung. Denn erstmals strahlte der Rundfunk des Landes eine Live-Schalte aus dem Ausland aus.
Über Bern, Ulm und Pilsen nach Prag
„Die ersten zehn Jahre des Tschechoslowakischen Rundfunks“|Foto: Radiojournal
Technisch war dies in der damaligen Zeit ein Abenteuer. Das Radiosignal aus Genf wurde nämlich über Bern, Zürich, Ulm, Regensburg, Brod nad Lesy und Plzeň / Pilsen ins Rundfunkgebäude im Prager Stadtteil Strašnice übermittelt. Daran beteiligten sich mehrere europäische Rundfunkgesellschaften, die die Verbindung so miteinander abstimmen mussten, dass es nicht zu größeren Aussetzern bei der Übertragung von Benešs Rede kam. Und das gelang wohl auch. Im Buch „Prvních deset let československého rozhlasu“ (Die ersten zehn Jahre des Tschechoslowakischen Rundfunks) wird die Live-Schalte als „sehr erfolgreich“ bezeichnet.
Meilenstein für den Radiojournalismus
Das Ereignis wurde zu einem Meilenstein. Der Rundfunk, der sich bereits in der Kultur etabliert hatte, wurde fortan auch zu einem ständigen Begleiter der Politik und der Gesellschaft. Und die Rede des Außenministers Beneš war der Auftakt zu regelmäßigen Live-Übertragungen aus dem Ausland – die wir heute als selbstverständlich betrachten.