Eine neue Studie zeigt, dass Bergsteigerinnen und Bergsteiger den Khumbu-Gletscher am Mount Everest messbar schmelzen lassen.Allein der Komfort im Basislager lässt jedes Frühjahr rund drei Millionen Kilogramm Eis schmelzen.Täglich fallen über 6000 Liter Urin an.
Der Mount Everest verliert Eis – und der Mensch trägt laut einer neuen Studie dazu bei. Die zahlreichen Bergsteigerinnen und Bergsteiger, die jedes Jahr den höchsten Gipfel der Erde besteigen wollen, hinterlassen demnach messbare Spuren auf dem Khumbu-Gletscher.
Die Forschenden schätzen, dass dort jedes Frühjahr rund drei Millionen Kilogramm Eis und Schnee schmelzen – allein wegen des Energieaufwands, der nötig ist, um den Gästen im Basislager Komfort zu bieten.
«Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu sehen, dass wir jedes Jahr mehr Eis verlieren.»
Geowissenschaftler Khim Lal Gautam
6000 Liter Urin pro Tag
Wie die «New York Times» berichtet, gibt es im Everest-Basislager inzwischen Espressobars, Grossbildfernseher, schnelles WLAN und heisse Duschen. Einige Expeditionsteilnehmer, die mehrere Monate im Lager verbringen, richten ihre Zelte sogar mit Perserteppichen und Fussbodenheizung ein.
Im Jahr 2023 wurden im Basislager laut Studie 824 Flüssiggasflaschen, 18’935 Liter Kerosin und 5130 Liter Benzin zum Kochen, Heizen und zur Stromversorgung von rund 1600 Zelten verbraucht. Besonders bemerkenswert: Auch menschlicher Urin trägt nach Schätzungen der Forschenden zum Schmelzen des Khumbu-Gletschers bei – umgerechnet rund 154 Tonnen Eis. Täglich fallen durch Bergsteiger und Bergführer mehr als 6000 Liter Urin an.
«Wer mehr trinkt, muss es auch wieder ausscheiden», sagte der Geowissenschaftler Khim Lal Gautam, Hauptautor der Studie.
Exkremente, Zelte, Sauerstoffflaschen
Im Basislager werden die Fäkalien von rund 2000 Menschen in Grubenlatrinen gesammelt und ins Tal transportiert. Viele verrichten ihre Notdurft jedoch direkt auf dem Gletscher, der für die umliegenden Gemeinden eine wichtige Trinkwasserquelle ist. «Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu sehen, dass wir jedes Jahr mehr Eis verlieren – das ist mit blossem Auge erkennbar», sagte Gautam.
Forschende warnen, dass das Schmelzen die Gefahr von Lawinen und Gletscherseeausbrüchen erhöhen könnte.imago images / Westend61
2026 sei die Route durch den Khumbu-Eisfall zum Lager 1 zunehmend instabil geworden, berichtet das Portal «The Great Outdoors». Dies habe zu längeren Wartezeiten sowie zusätzlichen Mengen an Abfall und Fäkalien im Basislager geführt. Neben Exkrementen bleiben dort auch Zelte und Sauerstoffflaschen zurück.
Es drohen Überschwemmungen wie die in Nepal
Der britische Bergsteiger Kenton Cool, der den Everest bereits 20 Mal bestiegen hat, sieht die Umweltprobleme im Himalaya mit Sorge. «Als ich meine Bergsteigerkarriere begann, wurde Abfall als unglückliches Nebenprodukt abgetan. Heute lässt er sich nicht mehr ignorieren», sagte der Brite zu «The Great Outdoors». Auch der wachsende Besucherandrang bereite ihm Sorgen: «Selbst bei besten Absichten hinterlassen die schieren Menschenmassen Spuren: zertrampelte Lager, weggeworfene Ausrüstung, menschliche Exkremente.»
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Lal Gautam warnt zudem vor den Folgen des Klimawandels im Himalaya. Das Abschmelzen der Gletscher erhöhe die Gefahr verheerender Überschwemmungen durch Gletscherseeausbrüche, wie sie Nepal zuletzt erlebt habe. Das lokale Schmelzen könne «mehr Lawinen auslösen und eine ohnehin schon gefährliche Besteigung noch gefährlicher machen», sagte Höhenforscher Peter Hackett der «New York Times».
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
