Der erdrutschartige Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt gestern stiess auf grosses Interesse der internationalen Medien. Viele von ihnen äussern sich besorgt über die politische Lage Deutschlands.

In der amerikanischen «New York Times» heisst es: «Es handelte sich nicht um irgendein europäisches Land, sondern um Deutschland – ein Land, das rechtsextreme Parteien seit der Katastrophe des Nationalsozialismus unerbittlich isoliert hat. Und es war nicht nur ein seltsamer Ausreisser, sondern vielmehr der jüngste Schritt in einem stetigen, jahrzehntelangen Vormarsch, der die extreme Rechte immer näher an die Machtzentren Europas herangeführt hat.»

Im spanischen «El País» ist davon die Rede, dass «alles, was einst feststand, zerfällt, und viele der Instrumente, die einst dazu dienten, die extreme Rechte einzudämmen», sich als «nutzlos oder gar kontraproduktiv erwiesen» haben. Der «überwältigende Sieg» der AfD zwinge das «demokratische Lager», seine Strategien der vergangenen Jahre zu überdenken und «einige Wahrheiten neu zu bewerten, die bisher als unumstösslich galten».

Die französische «Ouest-France» schreibt von einem «Schock für Millionen von Deutschen, für die die AfD eine Bedrohung für ihre Demokratie, eine Beleidigung des Versprechens ‚Nie wieder‘ und ein Rückschlag für all die Arbeit ist, die in Bezug auf ihre Vergangenheit geleistet wurde.»

Das polnische Magazin «Polityka» erwartet für den kommenden Monat ein «Festival der Angriffe auf Merz sowie der Debatten über vorgezogene Bundestagswahlen und den möglichen Bruch der Bundesregierung». Das könne angesichts der «schwächelnden Wirtschaft, dem vor den Augen der Welt zerfallenden Modell der deutschen Industrie und der wachsenden Arbeitslosigkeit» möglicherweise zu einer «gigantischen deutschen Krise» führen, «die sich ohne Zweifel über den gesamten Kontinent ausbreiten wird».

Die italienische «La Stampa» schreibt: «81 Jahre nach Hitlers Untergang, der das Land in Trümmern und mit der unauslöschlichen Schuld des Holocaust zurückliess, gewinnt eine Partei, die sich mehr oder weniger ausdrücklich auf jenes Deutschland beruft, die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.» 

Die britischen «Financial Times» stellt fest, der Kreml und die Trump-Regierung feierten den Sieg der AfD. «Deutschlands Merz steht mit dem Rücken zur Wand, nachdem die extreme Rechte ihm einen vernichtenden Schlag versetzt hat.»

Die belgische «De Tijd» nennt die Wahl «nichts Geringeres als ein Erdbeben in der politischen Ordnung Deutschlands seit dem Ende des Krieges».

In der griechischen «Kathimerini» heisst es, in Berlin und Europa herrsche «neue Alarmstimmung». «Nachkriegstabus, die sich über Jahrzehnte als demokratische Schutzwälle in einer Welt mit immer weniger demokratischen Schutzmechanismen gehalten hatten, geraten inzwischen unter dem Gewicht der politischen Entwicklungen in Deutschland ins Wanken.»

Die russische «Rossijskaja Gaseta» schreibt: «Eine Partei zu ignorieren, die bei Wahlen einen bedeutenden und in einigen Fällen, wie im Osten des Landes, den Grossteil der Stimmen bekommt, wird immer schwieriger. Deswegen ist eines der in Deutschland diskutierten Szenarien für die Zeit nach den Wahlen eine Spaltung in der CDU wegen der Debatte darüber, ob es möglich und nötig ist, mit der AfD zusammenzuarbeiten.»

Mit Material der Deutschen Presse-Agentur.