Natürlich gibt es keine Garantie. Wer im November ganz sicher sommerliche Temperaturen erleben möchte, muss weit wegreisen – nach Bali, nach Kapstadt oder in die Karibik. Wer im Kurzstreckenflugbereich bleiben möchte, nimmt ein Restrisiko in Kauf. Nicht unbedingt das der Kälte, sondern das des Regens.
Von daher ist es sinnvoll, sich nicht nur auf Badeferien zu freuen, sondern auch darauf, einen Ort in Ruhe erkunden zu können – anders als im Sommer, wenn das Gedränge gross und die Wahrscheinlichkeit, einen freien Tisch in einem angesagten Restaurant zu finden, gering ist.
Fünf europäische Sonnenorte für den November
Granada ist vor allem für ein Bauwerk bekannt: die Alhambra. Mit 2,7 Millionen Besuchern im Jahr ist sie das meistbesuchte Monument Andalusiens und gilt als Höhepunkt der islamischen Baukunst. 250 Jahre lang residierten hier die Nasridenkönige, bevor sie die Alhambra im Zuge der christlichen Rückeroberung an die katholische Kirche übergeben mussten. Heute können Besucher die hoch über der Stadt auf einem Hügel thronende Festung besichtigen, durch prächtige maurische Paläste und Gärten wandeln und die wohl schönsten Zeugnisse maurischer Baukunst in Europa bewundern: schlanke Säulen, feinste Stuckverzierungen, wunderschöne Mosaike und idyllisch angelegte Gärten mit Wasserspielen.
Die historische «Alhambra» thront als rote Festung über den Dächern von Granada.
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Granada hat aber auch noch anderes zu bieten. Die sogenannte Neustadt erstreckt sich um die im 16. Jahrhundert angelegte Plaza Nueva mit der imposanten königlichen Kanzlei und der Kirche Iglesia de Santa Ana, die im Mudejárstil erbaut wurde – einem in Südspanien entwickelten Baustil, der gotische und Renaissance-Formen mit islamischen Elementen vermischt. Für den Apéro empfiehlt sich das altmodische Café El Laurel an der belebten Plaza Bib Rambla oder die durchgestylte Tapas-Bar Sibarius gleich daneben.
Zum Shopping lockt die basarähnliche Alcaicería, die sich direkt am Platz befindet, oder der Modeladen von Spaniens Star-Designer Adolfo Dominguez in der nahe gelegenen Einkaufsstrasse Reyes Católicos. Gute Adressen für ein unkompliziertes Abendessen sind die vielen Terrassenlokale an der Calle Navas – am besten ist das unscheinbare Fischlokal Los Diamantes ganz am Ende der Strasse, wo es grillierte Baby-Tintenfische, gedünstete Schwertmuscheln, Gambas Pil-Pil und spanischen Reis mit Safran und Meeresfrüchten gibt.
Orient-Zauber in Andalusien: Der Kunsthandwerksmarkt «La Alcaicería» in den engen Gassen der Altstadt von Granada.
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Über Nacht: Das elegante Hotel Palacio de Santa Paula liegt direkt an der Gran Via. Teile des Gebäudekomplexes stammen aus dem 14. und 16. Jahrhundert, an den gewölbten Zimmerdecken sind noch arabische Inschriften zu sehen.
Zu Tisch: In ihrem preisgekrönten Restaurant Damasqueros zeigt Lola Marín, wie innovative andalusische Küche schmecken kann. Auberginen werden mit Sardinen und Miso serviert, kurz gebratene Gänseleber kommt mit Schokoladenpopcorn und süsssaurer Quittenpaste auf den Tisch.
Süditalien, die Adria, Fischbuden am Meer – Apulien ist nicht nur im Sommer ein Traum. Die Region im Absatz des Stiefels punktet mit 800 spektakulären Küstenkilometern, tausendjährigen Olivenbäumen, fruchtbaren Feldern und weissen Dörfern, die wie Adlerhorste auf Hügelkuppen thronen.
Wer die Landstrasse nach Cisternino entlangfährt, kommt an graugrün schimmernden Olivenhainen und den putzigen Trulli – den landestypischen Rundhäuschen mit Kegelsteindach – vorbei. Die engen Altstadtgassen im ummauerten Dorfkern winden sich wie ein Schneckenhaus, das labyrinthische Zentrum ist autofrei, und auf der wunderschönen Piazza Vittorio Emanuele kann man zum Cappuccino einen mit Quarkcrème gefüllten Cannolo geniessen.


Süditalienisches Flair: Die malerischen Gassen im historischen Cisternino in Apulien.
An der Küste locken barocke Städtchen wie Monopoli mit einer grossartigen Basilika und einem Knäuel schmaler Gassen, die oft völlig überraschend an einer idyllischen Piazza münden. Die über dem Meer gelegene Uferpromenade führt dagegen zum alten Hafen mit seiner gut erhaltenen Festung aus dem 16. Jahrhundert oder, in die andere Richtung, zu einer Folge zauberhafter Buchten, an denen an sonnigen Wintertagen gebadet wird.
In luftiger Höhe thront das südlicher gelegene Ostuni. Schon von weitem strahlt das 30 000-Einwohner-Städtchen mit seinen weissen Häusern den Besuchern entgegen. Keine hässlichen Bauten verschandeln die Peripherie und schon gar nicht das Zentrum mit der weitläufigen Piazza della Libertà, dem imposanten Dom, den kopfsteingepflasterten Altstadtgassen und der mächtigen Stadtmauer. «Dieser Ort hat eine besondere Magie», sagt die Pariserin Laurence Pineau Valencienne, deren hübscher Laden Galleria Valencienne etwas urbanes Flair in den Ort bringt, «verglichen mit anderen Regionen Italiens, geht es in Apulien noch authentisch italienisch zu.» Bis jetzt jedenfalls.
In luftiger Höhe thront das südlicher gelegene Ostuni.
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Über Nacht: In den Häusern der kleinen Alchimia Collection werden historische Gebäude und junges Design kombiniert. Zur Gruppe gehören die Palazzina, ein kleiner Stadtpalast mit Dachterrasse, die Trulleria mit zwei Trulli und zwei Würfelhäuschen sowie eine wunderschöne Masseria.
Zu Tisch: Die Idylle von La Veranda di Giselda am kleinen Hafen von San Vito ist schwer zu schlagen. Giselda Carrieri hat die Weinschenke ihres Grossvaters in ein schlicht-schönes Lokal verwandelt. Aus der Küche kommen Fischsuppe, frittierte Meeresfrüchte oder Cavatelli-Pasta mit Miesmuscheln.
Was kennt man von Nizza? Den Flughafen? Die palmenbestandene Engelsbucht? Das strahlend weisse Hotel Negresco? Im Schatten der grossen Riviera-Nachbarn Monaco, Cannes und Saint-Tropez wird Frankreichs fünftgrösste Stadt oft links liegen gelassen. Dabei lockt Nizza mit schönster Belle-Époque- und Art-déco-Architektur, einer stimmungsvollen Altstadt, einer hochkarätigen Restaurantszene, den besten Museen der ganzen Küste und einem sieben Kilometer langen Kiesstrand direkt vor der Tür.
Der berühmte Blumen- und Spezialitätenmarkt auf dem «Cours Saleya» in Nizza aus der Vogelperspektive.
Valentin Pacaut
Am Cours Saleya findet täglich ein bunter Markt statt. Auf langen Holztischen stapeln sich runde Zucchini und Auberginen, Oliven, Käse, Kräuter und Blumen. Mittendrin steht der bunte Wagen von Chez Theresa, an dem Einheimische und Urlauber anstehen, als gäbe es dort etwas umsonst. Verkauft wird Socca, ein im Holzofen gebackener, hauchdünner Fladen aus Kichererbsenmehl, Olivenöl, Wasser und Salz – früher ein Armeleuteessen, heute eine beliebte Spezialität.
Wer nicht im Stehen essen möchte, findet rechts und links von den Marktständen eine gute Auswahl an Terrassenlokalen, die auch im Winter geöffnet sind. Das Le Safari und das La Cambuse gelten seit Jahren als sichere Adressen für Fischsuppe, Muscheln oder eine klassische Salade Niçoise.
Kunstfreunde besuchen das in einer korallenroten Villa aus dem 17. Jahrhundert untergebrachte Musée Matisse oder das unweit davon gelegene Musée Marc Chagall, das die weltweit grösste Sammlung an Gemälden, Gouachen, Mosaiken und Skulpturen des im Jahr 1985 in Saint-Paul-de-Vence verstorbenen Künstlers beherbergt.
Das Musée Matisse ist in einer korallenroten Villa untergebracht.
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Gegen Abend strömt «tout Nice» in die gut versteckte Bar Zitto Speakeasy im Hafenviertel. Tapeten und Wandteppiche mit verspielten Tiermotiven geben den Ton für Formen und Farben vor. Ledersessel, Samtbankette und niedrige Hocker tragen zum intimen und geheimnisvollen Ambiente von Zitto im Stil der Prohibitionszeit bei. Dazu gibt es köstliche Cocktails und coole Musik.
Über Nacht: Hinter einer sonnigen Belle-Époque-Fassade sind die 151 Zimmer und Suiten des Anantara Plaza Nice Hotel untergebracht, viele mit Terrasse oder Balkon und Meerblick. Dazu punkten ein fernöstliches Spa und ein Rooftop-Restaurant mit Panoramablick auf Bucht und Altstadt.
Zu Tisch: Das junge Trio von Les Agitateurs führt nun schon seit mehreren Jahren ein angenehm entspanntes Lokal gleich hinter Nizzas Hafen. Ihre innovative, produktverliebte Küche mit hundertjährigem Ei oder gefüllter, gebratener Kalbsbrust ist dem Guide Michelin einen Stern wert.
Nein, dies ist nicht Italien, obwohl der Kirchturm in schönster venezianischer Spätgotik errichtet wurde und die Restaurants Namen wie «Verdi», «Mario» oder «Riva» tragen. Der malerische Küstenort Piran befindet sich in Slowenien, genauer gesagt in Istrien, jener Halbinsel, die gleich hinter Triest beginnt und sich v-förmig in die tiefblauen Fluten der Adria schiebt und deren weitaus grösserer Teil jenseits der Grenze in Kroatien liegt.
Die Küste Pirans könnte auf den ersten Blick auch in Italien liegen.
PD
Und auch wenn Piran aus der Ferne wie eine Mini-Ausgabe von Saint-Tropez wirkt, ist hier alles ganz anders: das Angebot, der Lifestyle und die Preise. Weit und breit ist kein Modeladen zu sehen, dafür steht an der Piazza Giuseppe Tartini ein blutrotes Häuschen, in dem Salz aus den nahe gelegenen Salinen verkauft wird. Dazu kommen andere kulinarische Überraschungen: Der strohgelbe Malvasia-Wein ist fruchtig und trocken, die Austern, die im Meerwasser um den Limfjord wachsen, schmecken delikat, und die weissen Trüffel, die in den Wäldern aus der Erde gebuddelt werden, sind so gut wie ihre piemontesischen Rivalen.
Istrien war lange ein Zankapfel zwischen Österreichern und Italienern, später gehörte die Region zu Jugoslawien. Alle Herrscher hinterliessen Spuren: Die Österreicher bauten prächtige Villen, vor allem in Portorož, das dem K. u. k.-Adel als elegantes Seebad diente. Die Italiener prägten den lässigen «Dolce-Vita»-Lebensstil und die Küche, bis heute werden Nudeln, Risotti und Fischgerichte «all’italiana» zubereitet.
Über Nacht: Das zur Relais & Châteaux-Familie gehörende Meneghetti erstreckt sich über ein sieben Hektaren grosses, abgeschiedenes Stück Land mit Weinbergen, Olivenhainen und einem Weingut. Zum Anwesen gehören ein Boutiquehotel, private Villen, ein renommiertes Restaurant und ein Spa.
Zu Tisch: Die beste Fischküche von Rovinj gibt es auf der Terrasse des Restaurants Puntulina. Es ist direkt in die Klippen unterhalb der Altstadt gebaut und so nah an der Gischt, dass die Fische fast direkt aus der Adria auf den Teller springen könnten.
In der maltesischen Hauptstadt Valletta stehen rote Telefonzellen, und die Menschen, die hier wohnen, sprechen Englisch. Doch damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten mit London – der trübe britische Herbst ist hier jedenfalls unbekannt. Kein Wunder! Die Insel Malta schwimmt im südlichen Mittelmeer zwischen Sizilien und der nordafrikanischen Küste. Selbst im November geniesst sie noch durchschnittlich acht Stunden Sonnenschein und Temperaturen, die tagsüber bei 20 Grad liegen.
Britischer Charme in Form einer roten Telefonzelle in Valletta.
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Die Hauptstadt Valletta hat sich in den letzten Jahren neu erfunden. Die frühere Museumsstadt mit ihren wunderschönen Gebäuden aus honigfarbenem Stein, ihren verwinkelten Gassen, ihren Kuppeln und Türmen, die tagsüber fotografiert und abends verlassen wurde, präsentiert sich nun als attraktives Ziel für Reisende, die auch Zeitgeist, Kultur und Kulinarik suchen.
Die honigfarbenen Festungen sehen zwar nach wie vor filmreif aus – in «Game of Thrones» waren sie als King’s Landing zu sehen – und auch die historischen Ladenfronten aus den 1920er-Jahren, die Valletta seinen Charakter verleihen, sind noch da. Doch zugleich wurden neue Concept-Stores, Kunstgalerien und Boutiquehotels geschickt in die Palazzi aus dem 17. Jahrhundert integriert.
Die eindrücklichen, honigfarbenen Festungen von Valletta waren in «Game of Thrones» als King’s Landing zu sehen.
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Erstbesucher stehen staunend vor dem von Renzo Piano neu gestalteten Stadttor. Die riesigen Kalksteinplatten leuchten neben dem markanten Parlamentsgebäude, das ebenfalls von Renzo Piano errichtet wurde und auf Stelzen steht. Mit seiner einzigartigen avantgardistischen Gestaltung hebt es sich ganz bewusst von der traditionellen Architektur Maltas ab. Ebenso sehenswert sind das Manoel-Theater, eine der ältesten Bühnen Europas und ein Meisterwerk des Barock, sowie die St. John’s Co-Kathedrale, die Valletta den wohlhabenden Rittern von St. John zu verdanken hat.
Einheimische treffen sich morgens auf einen «Cortado» bei Lot Sixty One Coffee Roasters, einem der stilvollen neuen Lokale der Stadt, und mittags im historischen Harbour Club, der in einem Lagerhaus aus dem Jahr 1712 untergebracht ist und mit kreativen Gerichten wie Spargel-Millefeuille oder Entenbrust mit Pflaumen-Thymian-Sauce punktet.
Die Upper und Lower Barrakka Gardens in Valletta.
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Wer den Blick auf das grosse Ganze geniessen möchte, findet in den Upper und Lower Barrakka Gardens hervorragende Aussichtspunkte über den Grand Harbour und die hin- und herfahrenden Boote. Die Gärten dienten den Rittern einst als privater Übungsplatz und sind mit Terrassenbögen und tropischen Pflanzen gestaltet. Heute sitzen hier junge Menschen in der Sonne, die später mit dem modernen Aufzug hinunter zum Hafen fahren.
Über Nacht: Das 66 St Paul’s lockt mit Marmor- und Parkettböden, hohen Holzbalkendecken, Blick auf den Hafen und privaten Balkonen. Es bietet einen schönen Innenhof, in dem gefrühstückt wird, sowie einen Pool auf dem Dach mit Sonnenliegen und Meerblick.
Zu Tisch: Die kreativen, leichten und oft vegetarisch geprägten Gerichte im ION Harbour by Simon Rogan, die aus britischen und maltesischen Zutaten zubereitet werden, wurden vom Guide Michelin mit zwei Sternen ausgezeichnet.
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