Dorian Burkhalter

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht

09. September 2026 – 11:00

Liebe Leserin, lieber Leser

Letzte Woche hat die UNO-Regierungsexpertengruppe zu autonomen Waffen in Genf ihre dreijährige Arbeit zu den sogenannten Killerroboter abgeschlossen. Nach heftigen Diskussionen gelang es den 128 Mitgliedstaaten, sich auf eine Definition dieser Waffen zu einigen und bestimmte Grundprinzipien festzulegen.

Autonome Waffen, die ohne menschliches Eingreifen Menschen ins Visier nehmen können, bereiten der UNO und dem IKRK seit Jahren Sorge, weshalb sie deren Kontrolle fordern. Ihrer Ansicht nach könnten diese Systeme möglicherweise nicht in der Lage sein, in Echtzeit einen Kämpfer von einer völkerrechtlich geschützten Person – beispielsweise einem verwundeten Soldaten – zu unterscheiden.

Im vergangenen Monat konnten UNO und IKRK bei einer Pressekonferenz im Palais des Nations nicht bestätigen, ob solche Waffen bereits eingesetzt worden seien. Medien haben zwar über Fälle von mit KI ausgestatteten ukrainischen Drohnen berichtet, und die USA sollen KI zur Identifizierung von Zielen im Nahen Osten eingesetzt haben, doch schliesst dies eine menschliche Kontrolle nicht aus. Sicher ist, dass die Entwicklung solcher Waffen voranschreitet und ihr Einsatz nur eine Frage der Zeit ist.

Alle Augen richten sich nun auf die nächste Überprüfungskonferenz der zuständigen Konvention, die alle fünf Jahre stattfindet und Ende November in Genf abgehalten wird. Die Staaten werden Gelegenheit haben, formelle Verhandlungen über einen künftigen internationalen Vertrag zur Regulierung dieser Waffen aufzunehmen. Werden sie dies tun? Wie weit werden sie bereit sein zu gehen? Werden sie sich bereit erklären, Verbote einzuführen? Die Frage bleibt offen.

Es geht um mehr als nur um Killerroboter. Mehrere humanitäre Abrüstungsverträge haben in den letzten Jahren an Bedeutung verloren, erwähnt sei etwa der Austritt mehrerer Länder aus dem Übereinkommen zum Verbot von Antipersonenminen. Vor diesem Hintergrund würde die Aufnahme von Verhandlungen ein starkes Signal senden, dass es trotz geopolitischer Spannungen weiterhin möglich ist, sich auf Regeln zur Einschränkung bestimmter Waffen zu einigen.

Gibt es Themen, die Sie interessieren und die wir aufgreifen sollen? Sie können mir schreiben an: dorianvalere.burkhalter@swissinfo.ch

Mit freundlichen Grüssen,

Dorian Burkhalter

P.S. Wenn Sie den Newsletter nützlich finden, können Sie ihn gerne an Interessierte weiterleiten – hier kann man ihn abonnieren.

Die neuesten Beiträge zu geopolitischen Themen

Aufnahme eine Laptop-Bildschirms

Mehr

Schweizer KI

Das Schweizer KI-Modell Apertus nach einem Jahr: Was funktioniert und was nicht?

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht

09. Sep. 2026

Wir haben bei Fachleuten aus der Branche nachgefragt.

Mehr Das Schweizer KI-Modell Apertus nach einem Jahr: Was funktioniert und was nicht?

Illustration

Mehr

Schweizer Diplomatie

Warum finden Friedensgespräche in der Schweiz statt?

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht

08. Sep. 2026

Warum finden so viele Friedensgespräche in der Schweiz statt? Die helvetische Vermittlertradition kurz erklärt.

Mehr Warum finden Friedensgespräche in der Schweiz statt?

Teams der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften bereiten am 19. Juni 2026 auf dem Mbiyo-Friedhof die Beisetzung eines vierten Waisenkindes vor, das in einem Waisenhaus in Bunia in der Provinz Ituri an der Ebola-Krankheit gestorben ist.

Mehr

Globale Gesundheit

Neuer Ebola-Impfstoff: «Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit»

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht

04. Sep. 2026

Die Suche nach einem Impfstoff gegen Ebola und dessen Herstellung ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Erste klinische Versuche waren erfolgreich.

Mehr Neuer Ebola-Impfstoff: «Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit»

Natalia Lashchevskaya, Leiterin des Kinderheims «Wings of Hope», umgeben von Kindern.

Mehr

Aussenpolitik

Was geschah mit den Waisenkindern, die aus der Ukraine in die Schweiz flohen?

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht

03. Sep. 2026

Vor vier Jahren wurden fast 100 Kinder aus dem belagerten Mariupol in die Schweiz evakuiert. Heute leben einige noch hier, andere kehren in die Ukraine zurück – und viele müssen entscheiden, wo ihre Zukunft liegt.

Mehr Was geschah mit den Waisenkindern, die aus der Ukraine in die Schweiz flohen?

Luftaufnahme von zerstörten Gebäuden in Gaza

Mehr

Internationale Zusammenarbeit

Ein palästinensischer ex-Mitarbeiter des Schweizer Aussenministeriums erhebt Vorwürfe

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht

02. Sep. 2026

Die Geschichte von Jaser Abu Mousa verdeutlicht die restriktive Politik der Schweiz in Bezug auf humanitäre Visa.

Mehr Ein palästinensischer ex-Mitarbeiter des Schweizer Aussenministeriums erhebt Vorwürfe

Hier geht es zu unserer Übersichtsseite zur Geopolitik.