Ein neuer Bericht des Interkantonalen Informationszentrums für Glaubensfragen (CIC) dokumentiert Konversionsmassnahmen in der Westschweiz. Betroffene berichten von den Folgen dieser Praktiken.

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In religiösen und spirituellen Kontexten finden in den Kantonen Genf und Waadt weiterhin Konversionsmassnahmen statt. Das zeigt eine Untersuchung des Interkantonalen Informationszentrums für Glaubensfragen (CIC). Darin kommen auch Betroffene zu Wort: 18 Personen berichteten dem CIC direkt von Praktiken, die darauf abzielten, ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität zu verändern, und von den damit verbundenen Erfahrungen.

Betroffene berichten von psychischen Folgen

Die Autorinnen und Autoren beschreiben dabei einen belastenden psychologischen Mechanismus: «Der zugrunde liegende Mechanismus ist jener einer doppelten Schuldzuweisung. Viele Betroffene tragen bereits ein Schuldgefühl im Zusammenhang mit ihrer sexuellen Orientierung in sich. Das Scheitern der Veränderungsversuche verstärkt dieses Gefühl zusätzlich.»

Was sind Konversionsmassnahmen?

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Konversionsmassnahmen sind Praktiken, die darauf abzielen, die Geschlechtsidentität oder die sexuelle Orientierung zu ändern. Die Massnahmen reichen von subtilen Einflussversuchen, wie verbale Beeinflussung, bis hin zu schweren Eingriffen in die körperliche Unversehrtheit. Sie passieren während der Kindheit und Jugend sowie im psychotherapeutischen, medizinischen oder religiösen Umfeld oder innerhalb der Familie. Konversionsmassnahmen können je nach Fall erhebliches psychisches Leid, Angst- und Depressionszustände verursachen und das Selbstwertgefühl sowie die sozialen Beziehungen beeinträchtigen. (Quelle: Postulatsbericht)

Das Ausbleiben der angestrebten Veränderung werde oft als mangelnder Glaube oder persönliche Schwäche interpretiert.

Die Untersuchung wurde zwischen 2023 und 2026 durchgeführt. Sie stützt sich auf 41 Interviews, Beobachtungen sowie die Analyse zahlreicher Dokumente.

«Unsere Studie zeigt eindeutig, dass Praktiken zur Veränderung oder Unterdrückung der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität in den Kantonen Waadt und Genf tatsächlich existieren», sagt Forschungsleiterin Manéli Farahmand.

Als «Störung» oder «Verletzung» betrachtet

Laut Bericht treten diese Praktiken nur selten ausdrücklich als Konversionsmassnahmen auf.

Vielmehr bilde sich ein Kontinuum von strukturierten Angeboten bis hin zu diffuseren und weniger sichtbaren Formen. Dazu gehören Gebete mit Handauflegung, angeleitete Lektüre, Exorzismen oder sogenannte energetische Behandlungen.

Allen diesen Ansätzen gemeinsam sei eine Sichtweise, die Heterosexualität und eine binäre Geschlechterordnung als natürliche oder göttliche Norm betrachte. Andere Identitäten würden entsprechend als «Störung» oder «Verletzung» verstanden.

Person mit geschlossenen Augen und Regenbogenfarbe im Gesicht, während ein Pinsel aufgetragen wird.

Legende:

Konversionsmassnahmen gegen lesbische, schwule, bisexuelle, trans und queere Menschen kommen auch in der Schweiz vor.

Keystone / IVAN VALENCIA

Die Studie stellt fest, dass solche Praktiken vor allem in bestimmten christlichen Milieus vorkommen, darunter in evangelikalen, charismatischen und traditionalistisch-katholischen Kreisen. Dies spiegle in erster Linie die demografischen Gegebenheiten in der Schweiz wider.

Ähnliche Praktiken wurden den Angaben zufolge auch in New-Age-Kontexten oder anderen spirituellen Strömungen festgestellt.

Sensibilisierungsmaterial geplant

Als Reaktion auf die Ergebnisse bereitet das CIC Sensibilisierungsmaterial vor. «Die Anerkennung der Existenz dieser Praktiken ermöglicht es, über die Unterstützung von Menschen nachzudenken, die davon betroffen sind», hält das Forschungsteam fest.

Auf rechtlicher Ebene haben die Kantone Neuenburg, Wallis und Waadt Konversionsmassnahmen bereits verboten. In Genf wird derzeit eine entsprechende Gesetzesvorlage behandelt.

Auf Bundesebene gibt es bislang keine entsprechende Regelung. Der Bundesrat hat jedoch seine Bereitschaft signalisiert, eine solche Gesetzgebung zu verabschieden. Nun liegt das Geschäft beim Ständerat.

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