Vom 2. bis zum 6. September fanden die Geneva Watch Days statt, und das bereits zum siebten Mal. Die alternative Messe wurde im Jahr 2020 vom damaligen Bulgari-Chef Jean-Christophe Babin ins Leben gerufen, um der Corona-Pandemie ein Schnippchen zu schlagen. Inzwischen hat sie sich als eine willkommene Ergänzung zu «Watches & Wonders» etabliert, der wichtigsten internationalen Uhrenmesse, die jährlich im Frühjahr stattfindet.
Ein Gruppenbild mit den CEOs der Uhrenmesse.
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Bei den Geneva Watch Days sind zwar auch grosse Marken präsent, in erster Linie diejenigen der Gruppe LVMH mit Bulgari als Gründer der Ausstellung. Zudem waren Hublot, Zenith, Daniel Roth und Gérald Genta vertreten. Dennoch wird die Messe vor allem von kleineren Brands genutzt, denen ein Stand in den Hallen der Palexpo zu kostspielig ist. Dort teilzunehmen kann in die Millionen gehen, wogegen die Miete einer Hotelsuite vergleichsweise günstig ist, selbst in Luxushäusern.
Ein neues «House of Brands»
Zu den Gründern der Veranstaltung gehört auch das zur Partners Group gehörende Unternehmen Breitling und dessen umtriebiger CEO Georges Kern. An den diesjährigen Geneva Watch Days stellte er seine jüngste Errungenschaft vor, die Marke Gallet. Bereits im Frühling hatte er während «Watches & Wonders» die wiedererwachte Marke Universal Genève und deren erste Kollektion präsentiert.
Georges Kern, der CEO von Breitling, gehört zu den Gründern der Veranstaltung.
Courtesy of Universal Genève
Mit Gallet als Einsteigermarke, Breitling im mittleren Preissegment und Universal Genève im Premium-Segment verfügt die Partners Group nun über eine wahrhafte Uhrengruppe, die sie unter dem Begriff «House of Brands» zusammenfasst.
Uhren aus Japan, China und Kuala Lumpur
Nach Genf kommen aber nicht nur Hersteller aus der Schweiz und Deutschland. Mit Naoya Hida & Co. und Otsuka Lotec waren zwei japanische Marken vertreten, mit Behrens eine Marke aus China und mit Ming eine aus Kuala Lumpur.
Naoya Hida & Co. aus Tokio produziert Uhren in Kleinstserien, die Modellen der goldenen Ära der Armbanduhr – von den 1930er- bis zu den 1960er-Jahren – stark ähneln. Es handelt sich dabei jedoch nicht um Nachbildungen, sondern um Interpretationen, die mithilfe modernster Technik und viel Handarbeit gefertigt werden. Der Gründer Naoya Hida vertrat in Japan lange Zeit die Schweizer Marken F.P. Journe und Ralph Lauren Watches, bevor er 2018 seine eigene Marke gründete.
Otsuka Lotec wiederum wurde 2012 im japanischen Ort Otsuka von Jiro Katayama gegründet. Lotec steht für das Gegenteil von Hightech und reflektiert die ausgefallenen mechanischen Zeitanzeigen der Zeitmesser, die von alten elektrischen Messgeräten bis hin zu Mischpulten aus Aufnahmestudios inspiriert sind. Deutlich erkennbar sind auch retro-futuristische Einflüsse von Schweizer Uhrenmanufakturen wie Urwerk und Vianney Halter. Während der Messe war der Ansturm auf die Marke so gross, dass es unmöglich war, ein Zeitfenster für einen Besuch zu ergattern.
Die ausgefallenen mechanischen Uhren von Otsuka Lotec waren der Publikumsliebling. Hier zu sehen ist das Modell «N°8» (Preis auf Anfrage).
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Das Unternehmen Behrens wurde 2012 vom Uhrenenthusiasten Lin Bingqian in Shenzhen gegründet und nach dem deutschen Architekten Peter Behrens (1868–1940) benannt. Bingqian ist ein begeisterter Anhänger unabhängiger Schweizer Uhrmacher und arbeitet mit Leuten wie Vianney Halter zusammen. Die hochwertig gefertigten, flachen Uhren zeigen in der Regel ihr komplexes Innenleben auf der Vorderseite.
Ming wurde 2017 vom Architekten und Fotografen Ming Thein in Kuala Lumpur gegründet. Die Marke basiert auf einer engen Zusammenarbeit mit der Produktion in La Chaux-de-Fonds. «Ming ist eine egoistische Marke», sagt Ming Thein darüber, «ich habe sie gegründet, um Uhren herzustellen, die mir selbst gefallen.» Entsprechend unverwechselbar ist das Design der Zeitmesser, das von der Handschrift eines Ästheten zeugt, der gekonnt Klassik und Moderne miteinander verbindet.
Vom Geheimtipp zur grossen Entdeckung
An der Messe fiel immer wieder ein Name: der bereits erwähnte Vianney Halter. Der unabhängige Uhrenmacher und grosse Science-Fiction-Fan aus Ste-Croix war lange Zeit ein Geheimtipp. Nun wird er als grosse Entdeckung gehandelt und von den unterschiedlichsten Herstellern für Kollaborationen hinzugezogen.
Nach den gemeinsamen Editionen mit Louis Erard, Behrens, Massena Lab und Beauregard folgt nun eine Zusammenarbeit mit Bulgari und dessen Chefdesigner Fabrizio Buonamasse Stigliani. Gemeinsam adaptierten sie das Gehäuse und das Uhrwerk der bekannten Linie Octo Finissimo. Das Ergebnis ist eine Dual-Time-Uhr mit Datumsanzeige, deren Zifferblatt das für Halter typische Layout mit separaten Anzeigen offenbart. Diese sehen aus, als seien sie einer Illustration aus einem Roman von Jules Verne entnommen. Leider ist das gelungene Ergebnis streng limitiert: Von der Version in Titan werden 30 Stück, von der Ausgabe in Roségold lediglich 15 Stück hergestellt.
«Octo Finissimo Dual Time x Vianney Halter», Titanversion (links) à 70 000 Franken, Roségoldversion 108 000 Franken, von Bulgari.
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Einsteigermodelle für Sportliche
Im Gegensatz zu Bulgari wendet sich die von Georges Kern gegründete Einsteigermarke Gallet mit ihrer Werbung an ein junges, aktives Publikum und zeigt dabei verschiedene Outdoor-Aktivitäten wie Klettern, Paragliding und Safaris. Die Uhren knüpfen an die Tradition von Gallet an: sportliche Chronographen und Dreizeigeruhren mit automatischem Aufzug im Retro-Design.
Sie sind entweder mit Werken von Sellita oder, im Falle der etwas kostspieligeren, limitierten Editionen, mit Kalibern von Breitling ausgerüstet. Die Marke profitiert von der Produktion, den Servicezentren und den Vertriebskanälen der Muttermarke in Grenchen. Besonders positiv ist, dass alle Uhren denselben Abstand zwischen den Bandanstössen aufweisen. Dadurch ist das bereits zum Start umfangreiche Sortiment an separat lieferbaren Armbändern, die ohne Werkzeug gewechselt werden können, mit allen Modellen kompatibel. Die Preise starten bei 2500 Franken.
Edelstein-Kosmos von Beauregard
Eine komplett andere Welt betritt man, wenn man sich auf die schmucken Uhren von Beauregard einlässt. Alexandre Beauregard stammt aus Quebec und liebt Farbedelsteine. Bereits in jungen Jahren brachte er sich das Schleifen dieser Preziosen bei.
Das Fieber packte ihn vollends, als er an der grössten Edelsteinmesse in Tucson, Arizona, teilnahm. Er begann, in seiner zunächst kleinen Werkstatt Schmuckstücke zu erschaffen. Einer seiner ikonischsten Anhänger ist der «Gemmy Bear», eine Anspielung auf die bekannten Gummibären. Es handelt sich um originalgetreue Nachbildungen in denselben leuchtenden Farben, aber dauerhafter und nicht zum Kauen gedacht.
Dann entdeckte er die Uhrmacherei und ihre Vertreter. Seitdem kreiert Beauregard in Zusammenarbeit mit renommierten Uhrmachern farbig leuchtende Zeitmesser, bei denen auf den Zifferblättern dreidimensional geschliffene Edelsteine in Form von Blumen für erfrischende Farbakzente sorgen.
Die Zifferblätter der Uhren von Beauregard sind mit dreidimensional geschliffenen Edelsteinen in Blumenform ausgestattet.
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Bei den Geneva Watch Days gab es noch viel mehr zu entdecken – alles aufzulisten, wäre unmöglich. Es lohnt sich also, auf der Website nach den Ausstellern zu stöbern oder die Messe im nächsten Jahr selbst zu besuchen. Die Neuheiten sind öffentlich zugänglich, und es werden viele spannende Workshops angeboten.
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