Lacht er bald sein Lächeln im Dress des FC Basel? Becir Omeragic, einst Meister mit dem FCZ, Nationalspieler und hier Captain des Montpellier Hérault SC.
Bild: Imago, FEP
Drei Spieler hat der FC Basel nebst den Punkten in Sion verletzungsbedingt verloren und sowohl bei dem früh ausgeschiedenen Fl.avius Daniliuc herrscht beim FCB am Tag danach Ungewissheit über den Grad der Verletzung wie auch hinter den später angeschlagen ausgewechselten Xherdan Shaqiri und Kevin Rüegg.
Und so stehen zum Ende der ersten, hochintensiven Phase des Jahres mit neun Spielen in 28 Tagen viele Fragezeichen, wo man sich in Basel eher Ausrufezeichen versprochen hatte.
Zuerst der Einbruch in Salzburg, dann der Trainertausch, dessen Sinnhaftigkeit sich drei Tage vor der Woche der Wahrheit nicht erschliesst. Ein fliegender Galoppwechsel mit Bruchlandung und dem Aus in allen drei Wettbewerben. Dazu Spieler durch die Bank, deren Form und Ausstrahlung, Qualität und Gesundheitszustand Rätsel aufgeben.
Der Ausverkauf der Innenverteidigung bekommt dann zusätzlich dramatische Züge, wenn sich das verbleibende Personal nicht schnell genug erholt oder frisch verletzt. Der Fall Jonas Adjetey mag ein interner Interessenskonflikt zwischen ökonomischen und sportlichen Überlegungen sein – die Handlungsunfähigkeit bis Stunden vor Schliessung des Transferfensters am Montag erstaunt dennoch.
Während von einem eigentlich versprochenen neuen Stürmer schon gar keine Rede mehr ist, verhandelt der FCB in der Personalie Becir Omeragic offenbar aus schwieriger Position. Der Montpellier Hérault SC wollte offenbar mehr Ablösegeld für Omeragic als der FCB zu bezahlen bereit war.
Der 24-jährige Innenverteidiger mit Geburtsort Genf, Wurzeln in Bosnien und einer langen Geschichte beim FCZ, wo er im Mai 2019 unter Ludovic Magnin in der Liga debütierte und mit dem er 2022 Schweizermeister wurde, brächte Qualität und Erfahrung mit, die ihn in Südfrankreich zum Captain und Stammspieler einer Mittelfeldmannschaft in der Ligue 2 gemacht hat.
Becir Omeragic im Trikot von Montpellier, hier in der Ligue 1 im Januar 2025 bei Olympique Lyonnais.
Bild: Imago/Dante Badano
Im November erst ist der 1,87 Meter grosse Abwehrspieler in den Kreis der Schweizer Nationalmannschaft (sieben Länderspieleinsätze) zurückgekehrt. 113 Spiele hat er für den FCZ gemacht, 103 davon in der Super League sowie 50 in der Ligue 1, ehe er vor anderthalb Jahren mit Montpellier abstieg.
Auf Hilfe von Degen-Bruder Philipp kann der FCB nicht hoffen: Beim Wechsel im Sommer 2023 von Zürich nach Montpellier entzweiten sich die Agentur SBE und Omeragic nach jahrelanger Zusammenarbeit. Was seit einigen Tagen von den Dächern gepfiffen wird, verdichtet sich seit Freitag: Basel und Montpellier sollen sich geeinigt haben. Rund zwei Millionen Franken Ablöse fliessen laut französischen Quellen.
Der Meistertitel ist zu Grabe getragen
In was und wen auch immer die Bemühungen des FCB münden werden: Fünf Spiele, vier Niederlagen – das ist die Zwischenbilanz für Stephan Lichtsteiner, und bei Licht besehen, war der Last-Minute-Sieg gegen den FCZ vom vergangenen Wochenende auch bloss ein Aufblitzen in der Schlussphase nach zuvor mühsamen 90 Minuten.
Hängende Basler Köpfe im Regen von Sitten: Marin Soticek, Léo Leroy und Marwin Hitz (von links).
Bild: Pascal Muller/Freshfocus
Bei dieser Mühsal hat der FCB dann auch im Tourbillon angeknüpft. Nichts geht mit spielerischer Leichtigkeit vom Fuss. Mit der Niederlage in Sion lotet dieser FCB nicht nur neue Tiefen seiner Formkurve aus, still und leise wurden im Wallis auch die allerletzten Hoffnungen auf die Verteidigung des Meistertitels zu Grabe getragen. 16 Punkte Rückstand sind ungefähr die Dimension des Abstandes zu den Young Boys in deren goldenen Meisterjahren. Nur heisst dieses YB jetzt Thun.
Und nun am Sonntag also der FC Lugano. Der hat am Mittwoch ein ähnlich lausiges Spiel hingelegt, im Cornaredo aber immerhin 1:1 gegen Servette gespielt und ist im Kalenderjahr noch ungeschlagen. Mehr noch: Mattia Croci-Tortis Team schaut auf eine Serie von zehn niederlagslosen Spielen (5 Siege, 5 Remis) und hat seit Anfang November auswärts nicht mehr verloren – beginnend mit dem 1:0-Erfolg in Basel. Damals hiess der Trainer noch Magnin und der FCB schlug sich mit anderen Problemen herum.
Jetzt kann es für den FCB nur noch um Schadensbegrenzung gehen, darum, so viel Stabilität hinzubekommen, um einen europäischen Platz zu ergattern. Im Fall eines Cupsieges des FC St. Gallen würde aktuell Platz 4 reichen. Andernfalls ist Platz 3 nötig – und den belegt derzeit der FC Lugano mit drei Längen Vorsprung. So erhält der Sonntag zusätzliche Bedeutung.