04. März 2026

Kai Imhoff

BYD Denza  Z9 GT

(Bild: BYD)

BYD will mit dem Denza Z9 GT das reichweitenstärkste Serien-E-Auto der Welt liefern. Doch der Rekordanspruch hat Haken.

Der chinesische Autobauer BYD greift mit seiner Premiummarke Denza die westliche Konkurrenz an. Am Wochenende zeigte das Unternehmen eine überarbeitete Version des Denza Z9 GT – eines luxuriösen Elektro-Kombis, der mit einer Ladung 1.036 Kilometer schaffen soll.

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BYD spricht vom «Fahrzeug mit der weltweit größten rein elektrischen Reichweite».

Reichweitenrekord mit Sternchen

Allerdings verdient diese Zahl eine Einordnung. Die 1.036 Kilometer stammen aus dem chinesischen CLTC-Testverfahren, das in der Branche als besonders großzügig gilt.

Umgerechnet auf die strengere europäische WLTP-Norm landet der Denza Z9 GT, so heißt es im Fachmagazin Elektrek, nach Branchenschätzungen bei rund 900 Kilometern. Im echten Straßenverkehr dürften es nochmals weniger sein.

Zudem wirft der Rekordanspruch Fragen auf: Lucid aus den USA fuhr mit dem Air Grand Touring vergangenes Jahr unter Testbedingungen über 1.200 Kilometer mit einer Ladung und hält dafür einen Guinness-Weltrekord.

Und selbst innerhalb des eigenen Hauses gibt es Konkurrenz – laut Unterlagen des chinesischen Industrieministeriums kommt die Limousinen-Variante Z9 auf 1.068 Kilometer nach CLTC. Warum BYD dennoch den Kombi als Rekordhalter bewirbt, erklärt der Konzern nicht.

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Halber Preis, volle Kampfansage

Unabhängig vom Reichweitenstreit sendet BYD ein klares Signal über den Preis. Das aktuelle Modell des Denza Z9 GT startet in China bei umgerechnet rund 51.500 US-Dollar.

Wer in den USA nach vergleichbarer Leistung und Reichweite sucht, landet laut Gizmodo bei Tesla, Lucid oder Chevrolet schnell bei 90.000 Dollar und mehr. Den Preis für die neue Langstreckenversion nannte BYD noch nicht.

Dieses Preisgefälle trifft auf eine US-Industrie, die gerade den Rückwärtsgang einlegt. Mehrere amerikanische Hersteller haben ihre Elektro-Pläne zuletzt gestutzt oder ganz aufgegeben. Ford etwa strich die vollelektrische Version seines Pick-ups F-150 und setzt stattdessen auf Hybride.

Gleichzeitig gaben in einer Deloitte-Umfrage nur sieben Prozent der Amerikaner an, als nächstes ein reines E-Auto kaufen zu wollen.

Europa als nächstes Ziel

In den USA bleibt BYD durch einen Strafzoll von 100 Prozent praktisch ausgesperrt. Deshalb richtet der Konzern den Blick nach Europa: Noch in diesem Jahr soll Denza dort starten und gegen Porsche, BMW und andere Premiummarken antreten. Der neue Denza Z9 GT soll am 5. März offiziell vorgestellt werden.

Die Ausgangslage dafür ist stark: BYD lieferte 2025 weltweit 2,26 Millionen Elektrofahrzeuge, also reine Stromer und Plug-in-Hybride, aus und überholte damit Tesla als größten E-Auto-Verkäufer der Welt.

Susan Helper, Professorin an der Case Western Reserve University, warnte in der New York Times: «Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir in zehn Jahren aufwachen und feststellen, dass wir eigentlich keine heimische Industrie mehr haben, die bedeutende Forschungs- und Entwicklungsarbeit leistet».