Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orbán im Streit um einen blockierten EU-Kredit indirekt mit ukrainischen Soldaten gedroht. Selenskyj sagte: «Wir hoffen, dass eine Person in der Europäischen Union die 90 Milliarden Euro nicht blockieren wird und die ukrainischen Kämpfer Waffen bekommen, andernfalls geben wir die Adresse dieser Person unseren Jungs weiter, auf dass sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer Sprache reden.»

Wolodymyr Selenskyj an einem Treffen der «Koalition der Willigen» in Kiew.
UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SER / KEYSTONE
Der Konflikt entzündete sich an einem EU-Kreditprogramm für die Ukraine, dessen Freigabe Ungarn derzeit blockiert. Budapest begründet seine Haltung mit dem gestoppten Transit über die Erdölpipeline Druschba. Diese Leitung versorgt unter anderem Ungarn und die Slowakei mit russischem Rohöl.
Nach Angaben aus Kiew wurde die Pipeline Ende Januar bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Tanklager nahe der westukrainischen Stadt Brody beschädigt. Ungarn und die ebenfalls betroffene Slowakei stellen diese Darstellung in Frage und verlangen Zugang für eine Expertenkommission der Europäischen Union, um die Ursache der Störung zu prüfen.
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Selenskyj wies diese Forderung zurück. Ukrainische Fachleute hätten die Situation bereits untersucht, erklärte der Präsident. «Ich denke, dass unser Wort reicht.» Eine Reparatur der Leitung sei frühestens Mitte April möglich.
In Budapest löste die Äusserung des ukrainischen Präsidenten Kritik aus. Orbáns Pressesprecher Zoltán Kovács schrieb auf der Plattform X: «Diese Drohungen und Erpressungen von Selenskyj gehen weit über jedes akzeptable Mass hinaus.» Persönliche Emotionen hätten in solchen Angelegenheiten nichts verloren. Ungarn werde sich weder einschüchtern noch erpressen lassen.