Kurzfassung des Artikels:
In Schleswig sprüht Kim seit den 1990er-Jahren und malt heute vor allem Figuren.
Die 2025 eingeweihte legale Spray-Wand am Skatepark nennt Kim „mega“ und ideal.
Kim kritisiert schnelles Übermalen, Schmierereien und rechtsextreme Parolen an der Wand.
Er hofft auf mehr legale Flächen in Schleswig, auch wegen Cultural Pearl 2026.
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Seit den 1990er-Jahren steht Kim mit der Spraydose vor Wänden. Angefangen hat er schon als Jugendlicher – inspiriert von der Hip-Hop-Kultur, dem international bekannten Graffiti-Künstler Razor und der damals aktiven lokalen Gruppe COS-Crew aus Schleswig. Heute blickt der Mittvierziger auf mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung zurück. Schon früh habe ihn die Möglichkeit fasziniert, mit der Spraydose eigene Welten zu erschaffen – Figuren und kleine Geschichten auf Beton zu bringen.
Graffiti in Schleswig: Malen im Dialog mit der Wand
„Für mich ist Graffiti einfach Malen“, sagt Kim. Längst malt er keine klassischen Schriftzüge mehr, sondern Figuren und Charaktere – etwa die verliebten Heringe am Skatepark auf den Königswiesen oder einen „Lucky Luke“ auf dem Skateboard. Besonders reizt ihn dabei der Umgang mit der Spraydose: „Man kann alles damit ausdrücken, was man will – und es immer wieder verändern, wenn einem etwas nicht gefällt.“ Der kreative Prozess sei für ihn fast wie ein Dialog mit der Wand: Ideen ausprobieren, Farben kombinieren, Fehler korrigieren und immer wieder neu anfangen.
Ein gesprayter Lucky Luke auf einem Skateboard am Skatepark auf den Königswiesen.
Foto: Privat
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Die 2025 eingeweihte legale Spray-Wand am Skatepark findet er „mega“. Die Lage sei ideal, viele Menschen kämen vorbei und betrachteten die Werke. Gerade für Anfänger sei die Fläche perfekt, um erste Erfahrungen zu sammeln. Für Kim ist die Wand ein sichtbares Zeichen dafür, dass kreative Freiräume in Schleswig möglich sind. In den vergangenen Monaten seien hier viele bekannte Werke entstanden, darunter großformatige Charakterbilder und Gemeinschaftsprojekte, die schon mehrfach fotografiert und in lokalen Medien gezeigt wurden.
„Graffiti ist Zusammenhalt.“
Kim
Sprayer
Diese ungeschriebenen Regeln gelten an der Wand
Unter Sprayern gelten dabei klare, ungeschriebene Regeln: Ein Kunstwerk sollte mindestens 24 Stunden stehen bleiben. Wer ein Bild übermalt, malt oft einen kleinen Gruß neben sein eigenes Werk – als Zeichen des Respekts gegenüber dem vorherigen Künstler. Außerdem wird das vorherige Motiv in der Regel fotografiert, bevor es verschwindet. „Respekt gehört dazu“, betont Kim. Dennoch würden Werke immer wieder schnell übermalt oder oft auch einfach beschmiert, was ihn sehr ärgert. Denn für ihn sei die Wand nicht nur ein Ort für Selbstdarstellung, sondern auch für gegenseitige Wertschätzung und Austausch.
Mir diesem Bild erinnert der Metal-Fan Kim an den 2025 verstorbenen Sänger der Band Black Sabbath, Ozzy Osbourne.
Foto: privat
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Dieses Bild von Kim wurde mutwillig zerstört, er reagierte darauf mit einer Sprechblase.
Foto: Privat
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Besonders wichtig ist ihm, dass der Skatepark ein öffentlicher Ort ist. Viele Kinder und Jugendliche fahren hier Scooter oder kommen mit ihren Eltern vorbei und betrachten die Kunstwerke. „Beleidigungen gehen gar nicht“, betont Kim mit Blick auf teils vulgäre Sprühereien. Auch gewaltverherrlichende Motive oder abwertende Sprüche hätten dort nichts zu suchen. Politische Inhalte bereiten ihm ebenfalls Sorgen: „Früher wurde gegen Nazis gesprayt, heute sieht man immer mehr rechtsextreme Schmierereien – auch an der Wand hier.“
Für ihn habe das nichts mit Kunst zu tun. Grundsätzlich versteht Kim Graffiti als verbindend: „Graffiti ist Zusammenhalt – außer beim Fußball-Graffiti.“ Solche Schriftzüge seien in Schleswig allerdings leider immer häufiger zu sehen.
Ein Gesprühtes Portrait seiner Old English Bulldog namens: Helmut.
Foto: Privat
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Kim hofft, dass Graffiti und Streetart künftig noch stärker als integrativer Teil der Stadt wahrgenommen werden. Da passt es, dass Schleswig als BSR Cultural Pearl 2026 ausgezeichnet worden ist – ein Titel, der Städte auszeichnet, die Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Für Kim ist das ein Signal, dass kreative Projekte in der Stadt gewollt sind. Er hofft, dass die Auszeichnung dazu beiträgt, weitere legale Spray-Flächen zu schaffen – nicht nur am Skatepark, sondern auch in Stadtteilen wie dem Friedrichsberg oder St. Jürgen.
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Kims Wunsch: mehr Graffiti-Flächen für Schleswig
Darüber hinaus ist der gebürtige Schleswiger im Austausch mit dem Jugendzentrum, um dort eventuell Workshops anzubieten, bei denen junge Menschen den Umgang mit Spraydosen und kreativen Techniken lernen könnten. Das Projekt ist zwar noch nicht endgültig beschlossen, zeigt aber, dass Kim seine Erfahrung weitergeben und das Bewusstsein für Graffiti als Kunstform stärken möchte.
Sein Wunsch bleibt klar: „Mehr Farbe für Schleswig!“ Nicht nur am Skatepark, sondern in ganz Schleswig – mehr legale Flächen, mehr Möglichkeiten für Kreativität und mehr Aufmerksamkeit für Graffiti und Streetart als kulturellen Beitrag für die Stadt. Solche Hingucker könne Schleswig gut gebrauchen.