Diesen 6. März 2026 wird Birgit Waniorek so schnell nicht vergessen: Morgens ist sie noch als Urlauberin in Athen aufgewacht, abends wurde sie in der Rostocker Hochschule für Musik und Theater als „Frau des Jahres 2026 in Mecklenburg-Vorpommern“ gefeiert.

Den Rückflug aus dem Urlaub vorverlegt

„Wir hatten den Städteurlaub lange geplant, als die Nachricht kam, dass ich auf dem Frauentagsempfang der Landesregierung ausgezeichnet werden sollte“, erklärt die 53-Jährige das Kontrastprogramm. Erst einmal wusste sie gar nicht so recht, womit sie diese Ehre überhaupt verdient hat, entschloss sich dann aber doch, zwei Tage vor ihrem Mann wieder nach Deutschland zurückzufliegen: „Ich wollte schon dabeisein, schließlich gibt es kaum eine bessere Gelegenheit, all das öffentlich zu platzieren, was mir wichtig ist.“

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Tatsächlich müsste man ein Buch schreiben, um auf all das eingehen zu können, was Birgit Waniorek wichtig ist und was sie ausmacht. 1972 in Heide in Holstein geboren und in einer bayrischen Kleinstadt aufgewachsen, kehrte sie 2004 der Liebe wegen in den Norden zurück. Seit neun Jahren lebt sie mit ihrer Familie im Vellahner Ortsteil Neu Banzin – zusammen mit Hunden und Katzen und in einem Haus, das erst im vergangenen Jahr vom Nabu als schwalbenfreundlich ausgezeichnet wurde.

Sie habe, schreibt Birgit Waniorek auf ihrer Website, einen Superhelden als Mann, der sie bei jedem auch noch so ungewöhnlichen Projekt unterstützt, und drei zauberhafte Töchter, denen ihre Mutter zum Glück nicht allzu verrückt ist. Inzwischen sind sie 30, 24 und 21 Jahre alt und aus dem Haus, trotzdem ist die Verbindung zu ihnen eng geblieben.

Birgit Waniorek, Frau des Jahres 2026 in Mecklenburg-Vorpommern, engagiert sich unter anderem in und um Boizenburg in der SanitätsausbildungBild vergrößern

Birgit Waniorek, Frau des Jahres 2026 in Mecklenburg-Vorpommern, engagiert sich unter anderem in und um Boizenburg in der Sanitätsausbildung (Foto: Lars Philipp Wendland)

„Frau des Jahres“ ist sie aber natürlich nicht deshalb geworden. Justiz- und Gleichstellungsministerin Jacqueline Bernhardt hat die Gründe in ihrer Laudatio so zusammengefasst: „Birgit Waniorek lebt das Ehrenamt. Beim ASB Regionalverband Süd-West-Mecklenburg bildet sie Sanitäterinnen und Sanitäter aus. Vor allem setzt sie sich dafür ein, mehr Frauen für das Ehrenamt und für die Leitungsebene im Rettungsdienst und Katastrophenschutz zu motivieren. Denn Frauen wie Birgit Waniorek haben den besonderen Blick und achten darauf, dass die Einsatzkräfte die psychosoziale Gesundheit und Selbstfürsorge pflegen. Sie hat eine besondere Gabe, Frauen selbst für den Umgang mit technischen Geräten wie Kettensägen zu begeistern. Birgit Waniorek engagiert sich außerdem für Toleranz, Integration und Naturschutz. Ihr gesamtes haupt- und ehrenamtliches Engagement zeugt von einer aktiven Demokratin, die für eine gleichberechtigte Gemeinschaft eintritt.“ Sie sei deshalb eine würdige Preisträgerin 2026, betonte die Linken-Politikerin auf dem Empfang.

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Bei aller Freude ist Birgit Waniorek so viel Lob auch ein Stück weit unangenehm. Denn natürlich mache auch sie Fehler, und es sei manches auch nicht so gut gelaufen, sagt die 53-Jährige. Aber ja, sie habe auch eine Menge geschafft, gerade in den vergangenen drei Jahren, in denen sie beim ASB Süd-West-Mecklenburg als Koordinatorin für das Ehrenamt arbeitet. Als examinierte Notfallsanitäterin, die lange in diesem Beruf gearbeitet hat, bildet sie mittlerweile selbst Lebensretter aus: Profis, die im Rettungsdienst tätig werden, Ehrenamtler, die im Katastrophenfall helfen, und Schüler, die in Erster Hilfe fit werden wollen.

Dabei vermischen sich Beruf und Ehrenamt, sind die Übergänge nicht selten fließend. Aus der hauptberuflichen Arbeit mit den Schulsanitätern kennt sie zum Beispiel Mädchen und Jungen, denen sie später bei ihrer  ehrenamtlichen Arbeit in einer Jugendgruppe wiederbegegnet. Sie hat eine Rettungshundestaffel und einen Besuchshundedienst mit aufgebaut – und sie wirbt, wo sie kann, dafür, dass sich noch mehr Menschen im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz engagieren. Ihre Erklärung dafür ist ganz unkonventionell: „Jeder Mensch hat nur einen Po – und der kann nur in einem Auto sitzen, also entweder in der Feuerwehr oder im Rettungswagen.“ Im Ernstfall aber könne es nicht genug Helfer geben.

Birgit Waniorek war 2024 dabei, als in Boizenburg mit 50 Stunden ein neuer Weltrekord für die längste Reanimation aufgestellt wurde.Bild vergrößern

Birgit Waniorek war 2024 dabei, als in Boizenburg mit 50 Stunden ein neuer Weltrekord für die längste Reanimation aufgestellt wurde. (Foto: Lars Philipp Wendland)

Unkonventionell sind auch die Mittel, mit denen Birgit Waniorek Aufmerksamkeit für „ihre Themen“ zu erregen versucht. Als zum Beispiel im September 2024 auf dem Boizenburger Marktplatz 251 Teilnehmer ganze 50 Stunden lang eine Herz-Lungen-Wiederbelebung an einer Puppe durchführten und damit einen Weltrekord in der Kategorie „Längste Reanimation (Staffel)“ aufstellten, war sie die Hauptorganisatorin. Und durfte sich, da sie selbst auch mitgemacht hat, anschließend Weltrekordlerin nennen. Mittlerweile gibt es zwar neue Rekordhalter, aber in Boizenburg und Umgebung wissen seither viele Menschen, dass sie keine Angst davor haben müssen, bei einem Herzstillstand Erste Hilfe zu leisten – „und das ist doch das eigentlich Wichtige“, meint Birgit Waniorek.

Frauen brauchen Selbstvertrauen – und Vorbilder

Wichtig ist ihr auch, Frauen zu fördern. Dass sie in Führungspositionen noch immer in der Minderheit sind, rege sie maßlos auf. Manchmal würde sie ihren Töchtern Fotos mit lauter Männerbeinen schicken und dazu schreiben: „Schaut mal, wie wir wieder versagt haben, die einzige Frau außer mir in der Runde ist die, die das Protokoll schreibt.“  Schuld daran sind nicht die Frauen selbst, betont Birgit Waniorek – sie würden überhaupt nicht in Betracht gezogen, wenn Positionen neu zu besetzen sind. Wenn sie höre, dass eine Feuerwehr händeringend Führungskräfte sucht, gehe ihr die Hutschnur hoch, „denn da gibt es genug Frauen, die das könnten. Sie haben nur keine Vorbilder, und sie werden immer noch viel zu wenig darauf vorbereitet, dass Führung für sie eine Option ist.“ Das zu ändern, sei eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft, meint Birgit  Waniorek – aber sie hat es sich auch selbst zur Aufgabe gemacht, gerade in den kommenden Monaten, in denen sie als „Frau des Jahres“  besonders im Licht der Öffentlichkeit steht.

Birgit Waniorek hat ein besonderes Hobby. Mit der Motorkettensäge gestaltet sie Holzskulpturen.Bild vergrößern

Birgit Waniorek hat ein besonderes Hobby. Mit der Motorkettensäge gestaltet sie Holzskulpturen. (Foto: Lars Philipp Wendland)

Scheitern kann das höchstens daran, dass ihre Tage schon jetzt prall und meist bis in den Abend hinein gefüllt sind. Schließlich absolviert sie gerade auch noch ein Fernstudium der Gesundheitspädagogik und zusammen mit  ihrem Mann eine FAST-Ausbildung – die Abkürzung steht für First Assistance Samaritan Team, also schnelle medizinische Erstversorgung -, die sie dazu befähigen soll, in Katastrophenfällen im Ausland eingesetzt zu werden.

Dass sie – mit Mann und ältester Tochter – nach Kriegsausbruch in der Ukraine Evakuierungsfahrten unternommen hat, dass sie regelmäßig Dienste in der Psychosozialen Notfallversorgung übernimmt – all das kann hier nur gestreift werden. Erklärt werden soll aber noch, was es mit den Kettensägen zu tun, die die Ministerin in der Laudatio so ausdrücklich erwähnt hat: Ausnahmsweise ist es nichts, was mit Rettungsdienst oder Katastrophenschutz zu tun hat. Birgit Waniorek  schafft damit Kunstwerke aus Holz, und ja, auch davon möchte sie gern andere begeistern – auf einem Aktionstag im Sommer nur für Frauen.

Birgit Waniorer ist die Frau des Jahres 2026 in Mecklenburg-Vorpommern.Bild vergrößern

Birgit Waniorer ist die Frau des Jahres 2026 in Mecklenburg-Vorpommern. (Foto: Lars Philipp Wendland)