Wer an Cyberpunk-Filme denkt, hat vermutlich als erstes Blade Runner von Ridley Scott im Kopf. Bei Cyberpunk-Romanen denkt man hingegen an William Gibsons wegweisendes Buch Neuromancer, das nur zwei Jahre später im Jahr 1984 erschien. Beide Sci-Fi-Meister hatten zur selben Zeit ganz ähnliche Ideen und Inspirationen, wie sie später gemeinsam feststellten. Und zu einem Zeitpunkt hätte es beinahe eine noch viel konkretere Verbindung zwischen Scott und Gibson gegeben.
Schaut man sich nämlich Ridley Scotts Liste unrealisierter Projekte auf Wikipedia an, findet man dort einen Eintrag für Neuromancer. Und tatsächlich war der Regisseur für kurze Zeit, gemeinsam mit Mel Gibson, für eine Neuromancer-Verfilmung im Gespräch. Das war noch in den 80ern, als Cabana Boy Productions eine Adaption in die Wege leiten wollte, die nie zustande kam.
Sci-Fi-Cyberpunks unter sich: Die Neuromancer- und Blade Runner-Connection
Als Autor William Gibson Blade Runner erstmals sah, war er schon mit seiner Arbeit an Neuromancer beschäftigt und befürchtete, seine eigenen Konzepte und Ästhetiken auf der Leinwand zu sehen. Genau das schilderte er 2011 in einem ausführlichen Interview mit Paris Review (via Gizmodo ).
Ich hatte Angst, Blade Runner im Kino zu sehen, weil ich befürchtete, dass der Film besser sein würde, als was ich in der Lage war, mir vorzustellen. In gewisser Weise hatte ich auch recht, Angst zu haben, denn schon die ersten paar Minuten waren besser. Später bemerkte ich, dass es ein totaler Kassen-Flop bei der ersten Kinoveröffentlichung war. Das beunruhigte mich ebenfalls. Ich dachte: Oh oh. Er hat es richtig gemacht und niemand scherte sich darum!
Gibson weiter:
Im Laufe weniger Jahre begann ich jedoch zu sehen, dass es auf seltsame Weise der einflussreichste Film meiner bisherigen Lebenszeit war.
Als Gibson und Scott sich dann endlich von Cyberpunk zu Cyberpunk gegenübersaßen, um über ihre Einflüsse zu reden, bemerkten sie schnell, dass sie sich für die gleichen Dinge begeisterten.
Ich traf Ridley Scott Jahre später, vielleicht ein Jahrzehnt oder mehr nachdem Blade Runner veröffentlicht wurde. Ich erzählte ihm, woraus Neuromancer gemacht war, und er hatte im Grunde dieselbe Liste von Zutaten für Blade Runner. Eine der mächtigsten Zutaten waren französische Erwachsenen-Comics und ihre besondere Art von Orientalia – die Art von Dingen, die das Magazin Heavy Metal in den Vereinigten Staaten zu übersetzen begann.
In diesem Zusammenhang erwähnte Gibson auch immer wieder den französischen Comic-Künstler Mœbius als Einfluss und natürlich ist Blade Runner selbst eine lose Philip K. Dick-Adaption. Das besagte Treffen zwischen den beiden Sci-Fi-Giganten führte aber auch zehn Jahre später nicht zu einer Neuromancer-Verfilmung. Die steht tatsächlich erst dieses Jahr an – über 40 Jahre nach der Romanveröffentlichung.
Noch mehr Sci-Fi:
Apropos William Gibson: Wusstet ihr, dass der Autor sich in den 90ern mal selbst in einer absolut wilden und fast komplett vergessenen Cyberpunk-Serie gespielt hat?
Die Neuromancer-Serie geht 2026 bei Apple TV online
Nachdem sich in den vergangenen vier Jahrzehnten noch ganz andere Leute an einer Neuromancer-Umsetzung die Zähne ausgebissen haben, ist es dieses Jahr endlich soweit. Das Cyberpunk-Meisterwerk kommt in Serienform zu Apple TV. Ein konkretes Startdatum haben wir noch nicht, es wurde aber schon folgender Teaser zur Neuromancer-Serie veröffentlicht:
Neuromancer – S01 In Production Teaser (English) HD

In dem Format von Showrunner Graham Roland und Co-Schöpfer J.D. Dillard geht es wie in der Vorlage um den Hacker Case (James Bond-Favorit Callum Turner), der nach einem Nervenschaden nicht mehr ins Netz eintauchen kann. Als er jedoch eine Chance zur Rehabilitation bekommt, tut er sich mit Auftragskillerin Molly (Briana Middleton) zusammen, um sich mit einer einflussreichen Cyber-Dynastie anzulegen.
Gedreht wird die Neuromancer-Serie seit letztem Jahr in Tokio, was äußerst passend ist, da sowohl Neuromancer, als auch Blade Runner über offensichtliche ostasiatische Einflüsse verfügen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die lange Wartezeit gelohnt hat. Immerhin ist das im Roman angesprochene Thema gefährlicher KI aktueller denn je.