
AUDIO: David Gilmour feiert 80. Geburtstag (59 Min)
Stand: 08.03.2026 14:56 Uhr
David Gilmour prägte mit seinem Gitarrenspiel nicht nur die Musik von Pink Floyd. Für viele Fans war der Musiker auch das «Herz» der Kultband. Mit Songschreiber Roger Waters lieferte er sich einen langen Streit. Am 6. März ist der Musiker 80 Jahre alt geworden.
Er tüftelt lieber im Heimstudio auf seinem Hausboot «Astoria» an der Themse in London an neuen Songs, als sich über die Vergangenheit aufzuregen. Zu lange hatte sich David Gilmour in einem Streit mit dem Sänger und Bassisten Roger Waters aufgerieben, der letztlich die britische Kultband Pink Floyd zerriss.
Heute genießt der Gitarrist sein Leben als Künstler jenseits von Pink Floyd: 2024 veröffentlichte er sein fünftes Soloalbum «Luck and Strange», mit einer jungen Band tourt er um die Welt. Nun ist Gilmour 80 Jahre alt geworden und zählt als einer der einflussreichsten Gitarristen der Rockmusik. 2023 stand er auf Platz 28 der Liste der 250 besten Gitarristen des Musikmagazins «Rolling Stone».
Das musikalische «Herz» von Pink Floyd
Er scheint sich befreit zu haben aus den Nachwehen eines Machtkampfes, der kaum ein vergleichbares Beispiel in der Geschichte der Rockmusik findet. Der stille Gitarrist, der als Sohn eines Genetik-Professors in Cambridge geboren wurde, galt als das musikalische «Herz» von Pink Floyd. Die 1965 gegründete Band prägte die progressive Rockmusik mit Konzeptalben wie «The Dark Side Of The Moon» aus dem Jahr 1973 oder «Wish You Were Here» von 1975.
Darauf zu finden: der legendäre dreizehneinhalb Minuten lange Song «Shine On You Crazy Diamond». «Es hat so ein paar Elemente, die einfach klassisch sind», meint Musikexperte Peter Urban im Podcast «Urban-Pop» über Pink Floyd. «Da ist ein Leitmotiv mit nur vier Tönen, die eigentlich zufällig entstanden sind, weil David Gilmour sie irgendwann mal gespielt hat», erzählt der Host. «Und das ist dann geblieben und ein Erkennungssymbol für diesen Song geworden. Diese Phrase, die auch toll in diesen Song eingebaut ist – richtig wunderbar aufgebaut. Und das hat einfach eine Qualität, die Pink Floyd nicht noch mal so erreicht haben. Das ist wahrscheinlich ihr bestes Stück.»

Zum Jubiläum des Pink-Floyd-Klassikers ist jetzt ein Deluxe-Boxset mit neuen Mixen, Demos, Outtakes und bislang unveröffentlichten Live-Aufnahmen erschienen.
Gilmour galt vielen Fans als Sympathieträger der Band
Gilmour stieg im Januar 1968 als Nachfolger des psychisch erkrankten Sängers und Gitarristen Syd Barrett bei Pink Floyd ein. Mit seinem unverwechselbaren Stil gab er den sphärischen Soundkollagen aus Synthesizer-Klängen und Geräuscheinspielungen mit Stimmen oder Maschinengeräuschen eine emotionale Tiefe. Gilmour ist gewiss kein Virtuose auf dem Griffbrett. Tief verwurzelt im Blues erzeugt er mit nur wenigen Tönen melodische, träumerisch schwebende Klänge.
Mit dem Einsatz von Soundeffekten wie Hall und Echo spielt Gilmour auf seiner Fender Stratocaster-E-Gitarre überwiegend langgezogene Soli, etwa in den Stücken «Comfortably Numb», «Time», «Money» oder «Another Brick In The Wall». Seine Finger seien zwar nicht schnell, «aber ich denke, ich bin sofort erkennbar», sagte der Musiker, der Vater von acht Kindern ist, 2025 in einem seiner wenigen Interviews.
In den Hoch-Zeiten von Pink Floyd in den 1970er-Jahren galt Gilmour vielen Fans wegen seiner ruhigen und uneitlen Art als Sympathieträger der Band. Mitte der 1960er-Jahre reiste er mit seiner ersten Band «Jokers Wild» nach Paris, traf dort auch die Film-Legende Brigitte Bardot. Bei zwei Songs ihres Films «À cœur joie» («Zwei Wochen im September») von 1967 sang er mit.
Waters zog die Kontrolle immer mehr an sich
In einem Interview räumte Roger Waters 2023 ein, immer neidisch auf Gilmour gewesen zu sein. Alle hätten den charismatischen Gitarristen geliebt. Seinen Texten über die Folgen des Lebens in einer Massengesellschaft wie Unterdrückung, Vereinzelung und psychischer Krankheit habe hingegen kaum jemand zugehört, klagte Waters. Er galt im kreativen Gegenpol zu Gilmour als das «Hirn» der Band und zog die Kontrolle immer mehr an sich. «Er hat versucht, wirklich die Herrschaft über die Band zu übernehmen», erläutert Podcast-Host Peter Urban. «Also er war immer der Antreiber. Er hat die Konzepte und Ideen entwickelt, war aber abhängig von den Musikern, hat aber diese auch intern ziemlich mies behandelt und da gab es unheimlich viel Stress.»
Beim maßgeblich von Waters inspirierten Konzeptalbum «The Wall» waren Gilmour, der Schlagzeuger Nick Mason und der 2008 gestorbene Keyboarder Richard Wright nur noch Statisten. «Da ging es auch um psychische Entfremdung, um psychische Krankheiten, Vereinsamung, aber auch um Erinnerungen an den Krieg», erklärt Peter Urban im Podcast «Urban-Pop». «Und praktisch ging es auch um den Druck, der durch Erziehung entsteht. Das ist ja auch ein Hauptthema. Einfach, wie die Freiheit des Menschen beeinträchtigt wird, durch Erziehung, äußere Umstände, Krieg, Politik und Kapitalismus.»

Mit «Celebrating The Dark Side Of The Moon» widmet sich der Ausnahmemusiker Nguyên Lê dem legendären Rockklassiker von Pink Floyd – mit Michael Gibbs & der NDR Bigband.
Gilmour führte die Band weiter, als Produzent und «Entdecker» von Kate Bush
1985 stieg Waters bei «Pink Floyd» aus und versuchte erfolglos, sich die kommerziellen Rechte zu sichern. «Er hat Briefe an die Plattenfirma und an die Tournee-Veranstalter geschrieben und gesagt, er möchte dafür sorgen, dass jetzt Pink Floyd nicht mehr existiert», erinnert sich Peter Urban. «Er hat sogar den High Court, das höchste britischen Gericht, angerufen, um Pink Floyd praktisch offiziell für nicht existent zu erklären. Er hat sich aber da geirrt, weil die anderen Musiker, denen er das nicht zugetraut hatte, das nicht mit sich machen ließen.» Gilmour führte die Band weiter, als Produzent entdeckte er die britische Sängerin Kate Bush. 2005 kam alle vier Musiker noch einmal in London beim «Live 8»-Benefizkonzert zusammen, das um Hilfe für die ärmsten afrikanischen Länder warb.
Noch immer sind Gilmour und Waters mit eigenen Formationen unterwegs. Doch kommt das Publikum vor allem, um die alten «Pink Floyd»-Stücke zu hören. Titel wie «Wish You Were Here», eine Hommage an seinen Vorgänger Syd Barrett, würde er am liebsten nicht mehr spielen, gestand Gilmour 2025 bei der Vorstellung seines Konzertfilms «Live at the Circus Maximus, Rome».
Noch immer permanent im Tonstudio
2024 verkaufte Pink Floyd seine Musikrechte für rund 400 Millionen US-Dollar an das US-Unternehmen Sony Music. «Für mich nahm die Verantwortung, unser Vermächtnis zu bewahren, zu viel Platz ein», sagte David Gilmour in einem Interview: «Ich konnte mich deshalb nicht darauf konzentrieren, Künstler zu sein.»
Gut möglich, dass noch weitere Musik von ihm kommt. «Ich gehe ständig ins Studio und halte einfach kleine Ideen fest», sagte Gilmour. «Ich nehme ständig Ideen mit dem Aufnahmegerät auf meinem Handy auf. Ich habe über Tausend davon, die ich mir irgendwann einmal anhören und durchgehen muss.»

Peter Urban und Ocke Bandixen feiern 100 Folgen Urban Pop – mit Ulla Meinecke als Gast.

Peter Urban – über Leben und Karriere des längjährigen NDR-Musikredakteurs.

Spannende Stories, legendäre Konzerte, bewegende Begegnungen: Peter Urban hat viel erlebt und noch mehr zu erzählen.