«Ihr beide zusammen wirkt für mich wie eine Zwangsehe»: Mit diesem Satz sorgt Christian Wolf (31) für Diskussionen.Der deutsche Influencer meint damit das Verhältnis zwischen Linken und vielen Muslimen in Berlin.Er hinterfragt, «wie viel Opportunismus dahintersteckt», und erhält gemischte Reaktionen.
Vor ein paar Tagen veröffentlichte der deutsche Influencer und Unternehmer Christian Wolf (31) ein Video, in dem er eine Meinung teilte, die viele Userinnen und User zum Diskutieren anregte. Mit den Worten «Ich weiss, das wird jetzt ein Tiktok, welches ganz viele Menschen hassen werden» eröffnete er sein Video.
Der Unternehmer fragte sich: «Was ist das eigentlich für eine merkwürdige Liebe zwischen den Linken und vielen Muslimen in Berlin?» Wolf merkte an, dass er zwar beide Gruppen einzeln verstehe, es in der Kombination jedoch für ihn «fraglich» sei. «Ihr beide zusammen wirkt für mich wie eine Zwangsehe.»
Den Gegensatz sehe er in den verschiedenen Weltanschauungen, die beide Gruppen versinnbildlichen. «Die Linken waren in den letzten Jahren typischerweise die Ersten, die viele Muslime verurteilt haben für ein traditionelles Rollenbild der Frau.» Auf der anderen Seite sehe er, dass einige traditionelle Musliminnen und Muslime «viele Bewegungen der queeren Personengruppe beäugt hätten». Er meine, dass beide Teile ihre «Daseinsberechtigung» hätten, hinterfragt jedoch, «wie viel Opportunismus dahintersteckt».
Wolf löste eine Diskussion aus
Seine Meinung traf bei einigen offenbar einen Nerv. Eine Userin kommentierte: «Ich bin Muslima und möchte in einem Land leben, in dem jeder akzeptiert wird, deshalb wähle ich die Linke. Mein persönlicher Glaube hat damit nichts zu tun.» Ein anderer schrieb: «Der Islam hat sowohl Überschneidungen mit Linken als auch mit Rechten und ist prinzipiell weder noch. Wir müssen also nicht dieselbe Weltanschauung haben, um miteinander befreundet zu sein.»
Wie stehst du zu Christian Wolfs Aussage über eine «Zwangsehe» zwischen Linken und Muslimen?
Auf der anderen Seite gab es Userinnen und User, die ihn für seine Offenheit feierten: «Ich kann normalerweise nichts mit deinem Content anfangen, aber danke, es würden sich sehr wenige trauen, ein solches Thema überhaupt anzusprechen» oder «Christian Wolf wird sympathisch».
Was finden die Leute in der Schweiz?
20 Minuten befragte Personen in Zürich auf der Strasse. «Ja», war die Antwort aller auf die Frage, ob man einen Freund oder eine Freundin mit anderem kulturellen oder religiösen Hintergrund habe. Noely (21) erzählte, sie tausche sich häufig mit Freunden und Freundinnen aus, die eine andere Weltanschauung haben, dabei bleibe die Diskussion vermehrt positiv.
Bei Mariela (21) aus Basel gebe es öfters Dispute über verschiedene Denkweisen. Grundsätzlich nehme sie den Umgang in der Schweiz zwischen Personen mit unterschiedlichen Religionen als angenehm wahr. «Basel ist ja sehr multikulti und ich finde, man sieht, dass verschiedene Überzeugungen gut miteinander zurechtkommen.»
Mariela (21) und Noely (21) im Interview mit 20 Minuten.20min/ Stella Regenscheit
Luisa (22) sagt: «Es gibt natürlich Situationen, in denen der Austausch schwierig ist, aber ich arbeite in einer Schule, in der viele Religionen vertreten sind, und ich hätte nicht gedacht, dass es da so gut funktioniert.» Für Roko (20) spiele der kulturelle Hintergrund in einer Beziehung keine Rolle, der Vater seiner Freundin sehe das anders. «Ich bin Katholik und sie ist Muslimin, ihr Vater findet es nicht so gut, dass ich katholisch bin.» Einen Konflikt wegen verschiedener Weltanschauungen habe es bisher nicht gegeben.
Stella Regenscheit (str), arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im People-Ressort.
