Schlager ist unter anderem für einfache Rhythmen und repetitive Mitsing-Texte bekannt. Ungewöhnlich, dass ausgerechnet ein Komiker diese dann für deren gesellschaftlichen Äußerungen kritisiert. Der Gesellschaftskritik an Schlagertexten hat sich Atze Schröder (bürgerlich Hubertus Albers) beim Podcast „Zwischen den Zeilen“ der Fernsehmoderatorin Bettina Böttinger angenommen. Das Thema soll auch in seinem neuen Bühnenprogramm Platz finden.

Zwischen den Zeilen der Schlager-Songs

Denn für einige Texte hat der Komiker wenig Verständnis übrig – bei „Du hast mich 1000 Mal belogen“ von Andrea Berg zum Beispiel: „,Du hast mich tausendmal verletzt’, aber dann im Refrain ‚ich würd’ es wieder tun mit Dir, heut’ Nacht’ – wo Du denkst, so blöd kann doch keine sein?“, sagt Schröder im Podcast.

Axel Schröders feministische Kritik

Feministisch wurde es bei der Diskussion um ein Lied von G.G. Anderson aus dem Jahr 2000. Darin heißt es „Nein heißt ja, wenn man lächelt, so wie Du’“. Böttingers Einwand, das sei noch vor Me Too gewesen, lässt Schröder hier nicht gelten: „Frauenrechte galten ja im Prinzip immer schon, ne? Und so alt ist das Ding auch noch nicht“, erwidert Schröder darauf. Auch Maite Kellys und Roland Kaisers Duett „Warum hast Du nicht nein gesagt?“ bekommt Kritik: „Und dann die Schuldzuweisung auch. ‚Es lag allein an Dir‘ – ja, ist doch Wahnsinn, das ist absoluter Wahnsinn“.

Das Kuriose dabei allerdings sei, sagt Schröder, dass man trotzdem mitsinge, weil man über die Texte nicht nachdenke. „Das ist ja wirklich auch das Dümmste, was es gibt. Man singt da mit, ohne sich Gedanken darüber zu machen, aber das erlöst den Text ja nicht von seiner Dummheit.“

Sich selbst lachend hinterfragen

Ziel sei jedoch nicht, den Leuten den Spaß daran zu nehmen, sagt Schröder noch beschwichtigend. Jeder solle mitsingen, wo er meine, könne das dabei jedoch hinterfragen, was immerhin auch Spaß mache: „Ist ja auch gut, darüber zu lachen und im günstigsten Falle über sich selbst zu lachen“, sagt er. Denn der Widerspruch, es eigentlich besser zu wissen und trotzdem mitzusingen, könne immerhin auch lustig sein: „Man ist vielleicht so ein bisschen entlarvt und lacht gerade deshalb.“