Für die Schauspieler hat dieser Plan Gottes mit Jesus etwas Schicksalhaftes, das sie nicht weiter in Frage stellen. «Judas ist eine Art Schachfigur in einem grösseren Spiel», sagt Allen Marchioni, der Judas verkörpert. «Ohne ihn könnte sich die Prophezeiung nicht erfüllen.» Judas nur als Bösewicht oder Verräter zu betrachten, sei zu eindimensional. «Jesus und Judas sind wirklich gute Freunde. Jesus braucht jemanden, der ihn verrät, jemanden, dem er vertraut, dass er das auch wirklich tut», so Marchioni. «Ich halte Judas für den vertrauenswürdigsten Apostel Jesu.»
Mit Jesus seelenverwandt
Einer der berühmtesten Songs der Oper wird von Maria Magdalena gesungen: «I don’t know how to love him» (Ich weiss nicht, wie ich ihn lieben soll). Ein Lied, das Spekulationen darüber weckt, ob sie und Jesus ein Liebespaar waren. In der Berner Inszenierung werde das nicht so stark unterstrichen, sagt Anastasia Troska, die Maria Magdalena darstellt. «Jesus ist im Stück ein Mensch, der zuerst an andere denkt und zu wenig an sich. Maria Magdalena sieht das und versucht, Jesus zu schützen.» Aus ihrer Sicht sind die beiden seelenverwandt. «Das ist für mich eine Art Liebe.» Troska glaubt durchaus, dass Maria mehr für Jesus empfindet, «aber sie kommt nicht dazu, diesen letzten Schritt zu tun, weil er für alle da ist.»
Güte, Nächstenliebe, Frieden nennt auch Tyce Green als zentrale Botschaft Jesu. «Seine Werte und Lehren sind zutiefst menschlich. Unabhängig davon, ob jemand ihm oder einer anderen religiösen Figur folgt, kommt es letztlich darauf an, was er gelehrt hat und wie sich dies positiv auf den Kern des Menschen auswirken kann.»
Das Stück läuft ab 21. März im Stadttheater Bern.