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Berlin – Eine Sängerin, die nicht mehr singen kann. Ein viel schlimmeres Schicksal kann es für einen Popstar wie Judith Holofernes (49) wohl kaum geben. Jetzt spricht die frühere „Wir sind Helden“-Frontfrau offen über ihr Problem mit der Stimme. Und macht deutlich, dass das ein Comeback der einst so umjubelten Band wohl verhindern wird.
Denn Holofernes leidet an einer heftigen Stimmstörung. „Ich kann seit acht Jahren nicht mehr singen“, sagt die Berlinerin jetzt beim Besuch der ZDF-Show „Volle Kanne“. 2019 war sie noch bei der Vox-Show „Sing meinen Song“ dabei – aber damals schon mit deutlich brüchigerer Stimme als gewohnt.
Hintergrund: 2017 wurde sie schwer krank. Auch wenn die genaue Ursache nicht endgültig geklärt wurde, vermutet Holofernes eine Meningitis, also eine Hirnhautentzündung. Im selben Jahr habe sie die Stimmstörung entwickelt, die laut Holofernes neurologischen Ursprungs sei – und die halte trotz diverser ärztlicher Bemühungen bis heute an.

Heute singt Holofernes nur noch privat, feierte aber auch als Autorin Erfolge
Foto: AFP/Getty Images
„Solange ich beim Frühstück zum Radio mitsingen kann, ist das Wichtigste abgedeckt“, sagt Holofernes im ZDF. Doch sie stellt klar: „Ich kann nicht mehr mit meiner Stimme arbeiten.“ Und ergänzt: „Ich werde so bald nicht auf der Bühne stehen.“
„Wir sind Helden“ nie offiziell aufgelöst
Dabei wurden „Wir sind Helden“ nie offiziell aufgelöst. Die deutsche Pop-Band feierte Anfang der 2000er-Jahre mit Songs wie „Guten Tag“ oder „Denkmal“ große Erfolge. 2012 legte die Band eine Pause ein. „Wir haben uns eigentlich weggeschlichen“, sagt Holofernes nun im ZDF. „Wir haben uns nie offiziell aufgelöst, weil wir es zu harsch fanden, aber wir haben einfach nie wieder was gemacht.“
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Auch ihre eigene Karriere traf die Krankheit hart. „Ich musste meine Solo-Karriere, die ich auch sehr geliebt habe, sozusagen abbrechen“, erinnert sie sich. Ihre letzte Tour konnte sie nicht mehr wie geplant spielen: „Das war sehr traurig.“ Inzwischen habe sie zu ihrem Handicap eine „halbwegs entspannte Haltung“ gefunden. Sie probiere vieles aus, versuche dabei aber, „nicht zu krampfen“. Beschäftigungslos ist die zweifache Mutter (Vater ist ihr früherer Bandkollege Sebastian „Pola“ Roy, 50) aber nicht. „Gott sei Dank kann ich schreiben und habe damit viel Spaß.“
Ihre Projekte finanziere sie derzeit vor allem über Crowdfunding: „Ich habe einen Haufen von Mäzenen, die mir von drei Euro bis X Euro Geld geben im Monat und dafür unterschiedliche Bespaßungen kriegen.“ Sie produziere Podcasts, schreibe Essays oder gestalte Postkarten und Artworks.
Zuletzt veröffentlichte sie ihr autobiografisches Buch „Hummelhirn“ über ihre Familie und ihre Kindheit mit ADHS in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren. Die offizielle Diagnose der damals eher unbekannten Krankheit erhielt sie allerdings erst mit Mitte 40.